Zuwanderungsgeschichte als Bildungsstigma: Studie zu „Migration und Bildung“ veröffentlicht

Eine Studie zum Grünbuch über Migration und Schulbildung fasst die Forschungsergebnisse in diesem Bereich zusammen.

via NESSE-Network

Auf 83 Seiten haben Bamberger Forscher vom europäischen Forum für Migrationstudien an der Universität Bamberg (efms) im Auftrag der Generaldirektion Bildung und Kultur Forschungsergebnisse zum Thema „Migration und Bildung“ „für Politiker/innen“ dargelegt („A synthesis of research findings for policy-makers.“). Die Studie ist in das Grünbuch über Migration und Schulbildung von Migrantenkindern in Europa eingeflossen (siehe NEWS). Es ist die erste einer Reihe von Studien, die das europäische Experten-Netzwerk NESSE für die Kommission erstellt hat.

Die beiden Leitfragen der Studie beziehen sich auf die formale Bildung: Wie ist die Situation von Migranten in europäischen Bildungssystemen? Und welche Bildungspolitik und Bildungspraxis tragen zu einer erfolgreichen Integration von Migrantenkindern in europäischen Schulen und Gesellschaften bei? Die Antworten sind eindeutig: Migrantenkinder sind benachteiligt sowohl in Bezug auf die Wahl der Schulform, die Dauer des Schulbesuchs, sie sind überrepräsentiert bei den Abbrecherquoten und untererpräsentiert bei höherwertigen Schulabschlüssen.

Die Broschüre der Bamberger Forscher bringt viele Einzelbefunde der europäischen Bildungsforschung auf den Punkt und betont auch Altbekanntes:

  • Der Grad der Abhängigkeit der Bildungserfolge von Studierenden und Schülern mit Migrationshintergrund von ihrer sozioökonomischen Herkunft ist stark abhängig vom nationalen Bildungssystem und -Kontext.
  • Die Bildungsteilhabe von Studierenden und Schülern mit Migrationshintergrund ist vergleichsweise höher in Ländern mit geringeren ökonomischen Unterschieden in der Bevölkerung, mit höheren Investitionen in die Kinderbetreuung und eine gut entwickelte vorschulische Bildung.
  • Investitionen in die Qualität einer Bildung in früher Kindheit und in Kinderbetreuung sind wesentlich, da in diesem Stadium die Grundlagen gelegt werden für das Lernen und für Bildungserfolge, die signifikant dazu beitragen, den Zirkel der Benachteiligung zu durchbrechen.
  • Die Bildungsteilhabe von Studierenden und Schülern mit Migrationshintergrund ist höher in Schulsystemen mit später Selektion und schlechter in Systemen mit hoher Selektionsfunktion.
  • Aber ein Ergebnis ist auch, dass die Qualität der einzelnen Schule entscheidet. Ist sie gut, ist dies auch gut für die Integration von Migrantenkindern. Und: Peers haben einen wesentlichen Einfluss. In Schulen mit einem hohen oder überwiegenden Anteil an Migrantenschülern haben diese schlechtere Chancen als in gemischten Schulen.
  • Die Einstellung der Lehrkräfte den Kindern gegenüber ko-produziert Erfolge und Misserfolge. Die Einbeziehung von Eltern in den Bildungsweg ihrer Kinder wirkt förderlich und integrativ.
Leider gibt es das Papier bisher nur auf Englisch. Die Lektüre sei dennoch allen Politikerinnen und Politikern empfohlen.

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