01.08.2017Freiwilliges Engagement

Zukunftskonferenz: Es braucht einen Europäischen Freiwilligenstatus

Die estnische EU-Ratspräsidentschaft hatte zu einer Zukunftskonferenz zum Europäischen Freiwilligendienst (EFD) nach Tallinn eingeladen. 150 Teilnehmer hatten so die Gelegenheit, das Verhältnis zwischen dem EFD und dem neuen Europäischen Solidaritätskorps zu diskutieren und Botschaften zur weiteren Entwicklung der Freiwilligenarbeit in Europa zu formulieren.

Schwerpunktthema während der drei Tage im Juli waren die Frage nach dem besonderen Charakter des EFD sowie die Zukunft der Einsatzmöglichkeiten für Jugendliche in Europa unter Berücksichtigung ihrer Erfordernisse, aktuellen Realitäten und Wünsche.

Die Konferenz war Teil des Programms estnischen Vorsitz im Rat der EU und wurde von der estnischen Nationalen Agentur in enger Zusammenarbeit mit den Nationalen Erasmus+-Agenturen im Jugendbereich aus Österreich, Frankreich und Deutschland organisiert. Es kamen mehr als 150 Teilnehmer - darunter EFD-Organisationen, staatliche Einrichtungen, Vertreter europäischer Netzwerke und Verbände, nationale Erasmus+ Agenturen, junge Freiwillige - zusammen.

Kernbotschaften der Konferenz:

  • Ziel der EU-finanzierten Freiwilligeneinsätze im Ausland soll es sein, die Interessen, Lernambitionen und Potenziale von Jugendlichen mit den Erfordernissen der Entwicklung solidarischer Gesellschaften in Europa und darüber hinaus in Einklang zu bringen. Dies setzt die Einschätzung der Bedürfnisse der lokalen Gemeinschaften bei der Gestaltung der Einsätze unter Berücksichtigung der Bestrebungen der jungen Freiwilligen voraus.
  • Der Wert und die Möglichkeiten von Freiwilligenarbeit einschließlich der Lernanlässe sollen den  jungen Menschen vermittelt und auf allen Ebenen unterstützt werden. Unerlässlich ist die Einbeziehung der Jugendlichen (mit ihren Bedürfnissen und Interessen) in die Gestaltung der Einsatzmöglichkeiten.
  • Den Jugendlichen sollte ihr Einsatz für lokale, nationale oder transnationale Freiwilligendienste nicht erschwert werden. Bestehende Hürden müssen abgebaut bzw. möglichst unkompliziert und flexibel gehalten werden. Zu schaffen sind besondere Bedingungen für die Gewährleistung des Zugangs und der Beteiligung junger Menschen mit besonderen Bedürfnissen und geringerer Teilhabe. Gleichzeitig sind ausgehend von Diversitätsgrundsätzen die pädagogische Begleitung und Mitwirkung von Organisationen zu gewährleisten, die mit unterschiedlichen jugendlichen Zielgruppen arbeiten.
  • Der aktuelle Vorschlag des Europäischen Solidaritätskorps richtet sich ausschließlich an die EU-Mitgliedstaaten und schließt die am Programm Erasmus+ JUGEND IN AKTION beteiligten EFTA- sowie die assoziierten und Partnerländer aus. Damit setzt die EU kontraproduktive Signale. Alle betroffenen Länder sind seit Jahren Zielgruppe politischer Strategien der EU und spielen seit jeher eine tragende Rolle bei der Umsetzung von Erasmus+ JUGEND IN AKTION. Die grenzüberschreitenden Freiwilligendienste im Rahmen des ESK und die verbleibenden EFD-Möglichkeiten für EFTA- sowie die assoziierten und Partnerländer würden auseinander dividiert, eine stets erfolgreiche und bewährte Programmumsetzung auf diese Weise abgebrochen.
  • Die Qualität transnationaler Freiwilligeneinsätze muss im Sinne ihrer Konformitätsbewertung (Qualitätskontrolle und Überwachungsmechanismen) und eines sichergestellten (ausgereifter Schulungs- und Evaluierungszyklus für Organisationen und Freiwillige) gestärkt werden.
  • Von herausragender Bedeutung ist die Anerkennung des Beitrags der im Bereich transnationaler Jugendfreiwilligendienste aktiven Organisationen, ihr Einsatz sollte durch Bereitstellung angemessener Mittel honoriert werden.
  • Besonderes Augenmerk verdient die effiziente Nutzung der bereitgestellten Mittel, um möglichst vielen jungen Menschen zu ermöglichen, wertvolle Erfahrungen zu sammeln. Dies hängt allerdings vom jeweiligen Profil des oder der Freiwilligen ab und erfordert oftmals einen langen Atem. Entscheidend dabei ist, den freiwilligen Einsatz zeitlich so zu terminieren, dass sowohl der oder die Freiwillige als auch die jeweilige Gemeinschaft davon profitiert.
  • Es sollten nachhaltige Wege für Freiwilligenarbeit aufgezeigt und durch Verknüpfung lokaler und grenzüberschreitender Freiwilligeneinsätze unterstützt werden. Die Förder-/Unterstützungsstrukturen sollten den Freiwilligen schon vor ihrer Entsendung sowie während ihres Einsatzes vorgestellt und danach eine Übergangszeit, Alumni-Netzwerke und Nachbetreuung angeboten werden..
  • Flexibilität der Formate von Freiwilligenarbeit (lang- und kurzfristige Einsätze, Einzel-, Team- und Online-Einsätze, ehrenamtliches Engagement, Mix lokaler und  internationaler Einsätze usw.) steigert den Reiz des freiwilligen Engagements unter den Jugendlichen und fördert ihre aktive Teilnahme.
  • Die Priorität von Freiwilligendiensten für junge Menschen sollte gleichwohl den Stellenwert sonstiger Aktivitäten junger Menschen (Jugendaustausch, Jugendinitiativen und Projekte im Strukturierten Dialog) als Ökosystem ihrer Entwicklung im Rahmen von Erasmus+ JUGEND IN AKTION nicht beeinträchtigen.
  • Smarte“ (digitale) grenzüberschreitende Freiwilligeneinsätze und Support Tools zum Lernen sowie zur Anerkennung und Validierung von Lernergebnissen sollten in Kombination mit persönlichen Betreuungsmaßnahmen (Information, Anleitung, Mentorship) bereitgestellt werden.
  • Anerkennung, Zugänglichkeit, Sicherheit und Qualität von Freiwilligeneinsätzen erfordern einen Europäischen Freiwilligenstatus, der in nationale Freiwilligenpolitiken einzubeziehen ist. Es sollte eine umfassende EU-Strategie entwickelt und umgesetzt werden mit dem Ziel, ein geeignetes Umfeld für Freiwilligenarbeit in Europa zu schaffen, zu ermöglichen und zu stärken.
  • Soweit parallele Programme (Erasmus+ und Europäisches Solidaritätskorps) zur Unterstützung transnationaler Freiwilligenprojekte umgesetzt werden, müssen etwaige Komplikationen und Widersprüche von Bedingungen oder Verfahren ausgeräumt werden. Des Weiteren sollte ein Qualitätssicherungssystem unterhalten und ein beschleunigtes Förder-/Vergabeverfahren eingeführt werden.

Die Ergebnisse der Konferenz werden noch für weitergehende strategische Nutzung zusammengestellt. Zusätzliche Informationen und Dokumentationen sind auf der Conference website einsehbar.

(Die Übersetzung aus dem Englischen besorgte Petra Waldraff, Essen)

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