05.04.2012Erasmus+ (2014 - 2020)

Zugehört: Das Europäische Parlament bat um Stellungnahme zu "Erasmus für alle"

Ein Anhörung zur Nachfolge der Jugend- und Bildungsprogramme ab 2014 stand am 27. März auf der Tagesordnung des Kultur- und Bildungsausschusses im Europäischen Parlament. Vier Experten - zwei davon aus Deutschland - waren eingeladen, den Programmvorschlag der EU-Kommission zu kommentieren.

Dr. Thomas Spielkamp, Leiter der Nationalagentur "Comenius" beim Pädagogischen Austauschdienst (PAD), wies darauf hin, dass der Name des Programms "Comenius" für die "Erfolgsgeschichte" des Programms stünde und bereits einen bedeutenden Wiedererkennungswert erreicht habe. Schulen hätten vor allem praktische Beweggründe für den Einstieg in die internationale Kooperation und seien oft nicht in der Lage, strategisch angelegte Projekte durchzuführen. Vorbereitende Besuche, Kontaktseminare und Austauschmöglichkeiten für Schulleitungen sollten fortgeführt werden. Die Nationalen Agenturen verwalteten nicht nur, sie böten vor allem auch inhaltliche Beratung. Bisher zentrale Aktionsbereiche sollten dezentralisiert werden. Bilaterale Projektvorhaben sollten möglich werden. Schulen seien die zahlenmäßig größte Ressource, gerieten aber immer wieder aus dem Blickfeld. Budgeterhöhungen für Schulbereich müssten sichergestellt werden. 

Peter Matjašič, Präsident des Europäischen Jugendforums, schätzt den Programmvorschlag zwar als Schritt in die richtige Richtung, sprach sich aber für ein eigenständiges und erneuertes Jugendprogramm aus. In seinem Statement betonte er, dass formale Bildung die erforderlichen "soft skills" nur unzureichend vermitteln könne. Damit das Programm erfolgreich sein könne, müssten Fachkräfte der Jugendarbeit sowie Multiplikatoren beteiligt werden. Er unterstrich die Ergebnisse der öffentlichen Konsultationen, der vorliegenden Wirkungsanalysen und Evaluationen zu JUGEND IN AKTION. Mit einem Verweis auf Art. 165 des Lissabon-Vertrags, meinte Matjašič, die Formulierung dort rechtfertige ein eigenes Programm.

Dr. Siegbert Wuttig, Leiter der Nationalagentur beim Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD), stellte klar, dass es seiner Meinung nach durch die Integration aller Programme schwierig werden würde, strategische sektorspezifische Ansätze zu akzentuieren. Budgets müssten, so Wuttig, für jeden Sektor des neuen Programms grundsätzlich festgelegt werden. Europa müsse insgesamt mit einem neuen Programm gestärkt werden, nicht nur die dezidierten Ziele der Europa-2020-Strategie. Das bisherige Erasmus-Programm sei erfolgreich und ein Akronym für die Mobilität von Studenten. Erforderlich seien eine größere geographische Reichweite des Programms, wichtig sei eine Verbesserung der Qualität der Mobilität. Der bewährte Programmname müsse erhalten bleiben und sich darauf beziehen, was "Erasmus" bietet.

H. Pasi Sahlberg, Direktor von CIMO (Nationalagentur für die EU-Bildungs- und Jugendprogramme in Finnland), betrachtete den Programmentwurf unter dem Blickwinkel der Jugendarbeitslosigkeit und der demografischen Veränderungen. Schwächen sehe er im Hinblick auf mangelnde Berücksichtigung des lebenslangen Lernens. Auch der Bereich Erwachsenenbildung brauche eine eigene Haushaltslinie. Man müsse den Bedürfnissen der Jugendarbeit mit einem eigenen Kapitel gerecht werden. Die Dezentralisierung des Programmmanagements sollte auch auf Großprojekte, wie z.B. der Unterstützung von strategischen Partnerschaften, ausgedehnt werden. Aus Sicht eines Landes mit der Größe von Finnland habe sich eine einzelne Agentur bisher als sinnvoll erwiesen.

Frau Pack MdEP, Ausschussvorsitzende und Berichterstatterin des Parlaments, machte zum Ende des Hearing ihre Position deutlich: Bereits der vorgeschlagene Name sei nicht tragbar und verspräche Dinge, die nicht haltbar seien. Die politischen Ziele des Programms sollten von der Politik und nicht von der Verwaltung entschieden werden. Das im Moment vorgeschlagene Budgetszenario sei insgesamt noch unbefriedigend. Für die Jugend solle es mindestens eine eigene Säule mit eigenem Budget geben. Ihre bisherige Vorstellung eines eigenen Jugend- und Sportprogramms hätte sie aus pragmatischen Gründen verworfen. Über nationale Agenturen solle jeder Mitgliedsland selbst entscheiden.

Das Hearing im Webstream auf den Seiten des Europäischen Parlaments

(Quelle: JUGEND für Europa)

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