WorkAble: Befähigungsansatz zielt auf Selbstverwirklichung und positive Berufsperspektiven junger Menschen

Mit ihren jetzt in Brüssel vorgestellten Ergebnissen schließen die Wissenschaftler und Praktiker des europäischen Forschungsprojektes "WorkAble" an die aktuelle Debatte zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit an.

Die Problembekämpfung der EU setzt in erster Linie auf die Vermittlung von arbeitsmarktrelevanten Kompetenzen und Fähigkeiten. Aber reicht das aus? Was brauchen die europäischen Arbeitsmärkte wirklich? Und was braucht die Gesellschaft der Zukunft, aber insbesondere auch, was möchten die jungen Menschen selbst, wenn es um ihre Lebens- und Berufsperspektiven geht?

Befähigungsansatz

WorkAble, ein aus dem 7. Forschungsrahmenprogramm der EU finanziertes Projekt, hat untersucht, wie Bildungs-, Berufsbildungs- und Arbeitsmarktpolitiken junge Menschen in ihrem Übergang ins Berufs- und Erwachsenenleben so unterstützen können, damit sie sich nicht nur zu einer "Humanressource", sondern eben auch zu eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen jungen Erwachsenen entwickeln können. Dafür haben die Kooperationspartner den so genannten Befähigungsansatz (Capability-Approach) als Ausgangspunkt der Untersuchung gewählt. Dieser gerechtigkeitstheoretische Ansatz (von Amartya Sen und Martha Nussbaum) formuliert als Ziel, Menschen zu befähigen, ein gutes Leben anzustreben. Dies impliziert das Recht eines jeden, selbst zu definieren, was ein „gutes Leben“ ist. Die Aufgabe der Gesellschaft und der Politik liegt darin, die Grundlagen für gleiche Befähigungschancen für alle zu schaffen.

Für die aktuellen Übergangspolitiken zugunsten junger Menschen in den Mitgliedstaaten bedeutet der Befähigungsansatz einen Perspektivwechsel, nämlich hin zur Verbesserung von Verwirklichungschancen und weg von der Fokussierung auf Probleme, Benachteiligungen und Defizite. Und, die Entfaltung realer Verwirklichungschancen fördert gleichzeitig das  Verantwortungsbewusstsein für den Einzelnen und die Gesellschaft, so argumentiert das WorkAble-Team.

13 Universitäten und Instituten aus verschiedenen Disziplinen - Erziehungswissenschaft, Soziologie, Wirtschaft, Politik, Sozialarbeit und aus neun europäischen Ländern (Deutschland, Großbritannien, Italien, Frankreich, Schweiz, Polen, Schweden, Dänemark, Österreich) - haben sich gemeinsam in WorkAble mit dieser Frage befasst. Koordiniert wird das Projekt vom Zentrum für Bildung und Capability-Forschung im Fachbereich Erziehungswissenschaft der Universität Bielefeld.

Das Forschungsprojekt besteht im Kern aus drei Projektbausteinen:

  • die Untersuchung und Bewertung von Programmen und Angeboten der Bildungs-, Berufsbildungs- und Arbeitsmarktpolitik an den jeweiligen Übergangsphase mit Blick auf die Vermittlung der drei zentralen Befähigungen (Bildung, Beschäftigung, Selbstverwirklichung),
  • die Auswertung von Langzeitdaten aus der EU-Statistik zu Einkommen, Armut, sozialer Ausgrenzung und Lebensbedingungen, kurz EU-SILC hinsichtlich des Übergangs junger Menschen und die Langzeitauswirkungen und
  • die Untersuchung von konkreten Bildungs- und Berufsbildungsprogrammen als Fallstudien, die junge Menschen beim Übergang von Schule in den Beruf oder die Berufsbildung im Sinne des Befähigungsansatzes unterstützen.

Die Untersuchung der Bildungslandschaften in den beteiligten Ländern habe ergeben, dass die Standardsysteme zwar nicht dem Befähigungsansatz entsprechen würden, aber capability-freundlicher seien, als spezifische Programme für benachteiligte und/oder arbeitslose junge Menschen im Übergangssystem. Die Analyse der Langzeitdaten zeigten, dass schwierige Übergangserfahrungen bis lange ins Erwachsenenleben hinein negativ wirken, nicht nur auf die berufliche Situation, sondern auch auf das Wohlbefinden.

Aber letztendlich verdeutlichen die Fallbeispiele am besten, was der  Befähigungsansatz für jungen Menschen bedeuten kann. Die in Brüssel vorgestellten Filme zeigen anschaulich, mit welchen  Erwartungen, Hoffnungen, Ängsten und Schwierigkeiten Jugendliche und junge Erwachsene heutzutage den Übergang erleben. Sie vermitteln, welche auf die umfassende Befähigung ausgerichtete pädagogische und sozialpolitische Konzepte es braucht, um diese für den Übergang typischen Erfahrungen in Selbstbewusstsein, Wertschätzung, realistische Vorstellungen und Optimismus für das eigene Erwachsenen- und Berufsleben umzuwandeln.    

Die Filme werden in Kürze auf der Webseite von WorkAble online gestellt. Dort befindet sich ebenfalls eine Vielzahl weiterführender Dokumente und Ergebnisberichte.

Und das erfolgreiche Forscherteam darf weiter arbeiten. Das bei der Europäischen Kommission eingereichte Folgeprojekt SocIEtY wurde positiv beschieden. Dabei geht es um die Untersuchung bildungspolitischer Strategien für benachteiligte Jugendliche sowie um partizipatorische Ansätze auf der Grundlage des Capability Approaches. Neben den WorkAble Partnerländern wird das Forschernetzwerk um Hochschulen aus Spanien, Niederlande, Rumänien und Belgien erweitert.

Informationen und Materialen zum Forschungsprojekt WorkAble finden Sie hier.

(Quelle: JUGEND für Europa - Servicestelle zur Umsetzung der EU-Jugendstrategie in Deutschland)

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