"Wir haben das Potential für mehr!" – Die Jugendbildungsstätte Welper macht mit bei ‚JiVE- International goes on‘

Zurzeit sind es 64 Partner, Einrichtungen der Kinder- und Jugendarbeit, der Jugendsozialarbeit, von Schulen und Schulsozialarbeit, Migrantenselbstorganisationen, Vereinen junger Migrantinnen und Migranten, Jugendbildungsstätten, Jugendmigrationsdiensten und vom Deutschen Jugendherbergswerk, die bei der JiVE-Teilinitiative ‚JiVE- International goes on‘ mitmachen.

Die JiVE-Initiative will zur interkulturellen Öffnung von Trägern der internationalen Jugendarbeit beitragen und die Teilhabe von Migrantenselbstorganisationen (MJSO) und -Jugendverbänden an der Internationalen Jugendarbeit stärken. Die Teilinitiative, die ein Projekt von DBJR, aej, BDAJ, djo-Deutsche Jugend in Europa, NFJD und SJD – Die Falken gemeinsam mit interessierten MJSO ist, bietet mit transfer e.V. Workshops und Seminare für MultiplikatorInnen, Coaching und Vernetzung.

Brigitte Christiansen ist Bildungsreferentin an der Jugendbildungsstätte Welper in Hattingen. JUGEND für Europa sprach mit ihr auf dem Fachkolloquium im Juniüber ihre Erfahrungen mit JiVE.

JfE: Frau Christiansen, warum hat sich Ihre Einrichtung an ‚JiVE- International goes on‘  beteiligt?

Christiansen: Seit etwa drei Jahren organisieren wir internationale Austauschmaßnahmen mit deutschen und irischen Jugendlichen. In diesem Jahr kommt im Sommercamp noch eine schwedische Gruppe dazu. Aber wir haben eigentlich das Potential für mehr. Wir haben ein tolles Haus und wir haben qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Wir arbeiten langjährig mit Schulen zusammen – und die sind wahrhaft international, so ist das einfach im Ruhrgebiet! Wir können unser Knowhow sogar für andere Gruppen anbieten, zum Beispiel bei der Organisation von Begegnungen oder bei der Antragstellung für Fördermittel. Das waren alles Gründe, warum wir uns entschieden haben, uns international und interkulturell besser aufzustellen – uns noch mehr zu öffnen. Und wir sehen auch, dass die Erfahrungen, die wir in der Internationalen Jugendarbeit machen, eine Bereicherung für die pädagogische Arbeit in anderen Bereichen bedeuten kann.

JfE: Was haben Sie bisher im  Rahmen  der Initiative ‚JiVE- International goes on‘ gemacht?

Christiansen: Wir haben gemeinsam mit anderen Trägern erst einmal erarbeitet, wie eine Qualifizierung für Träger der Internationalen Jugendarbeit im Sinne von JiVE aussehen sollte. Und  im März dieses Jahres hat dann ein Wochenende stattgefunden, während dessen die Verantwortlichen sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Träger qualifiziert wurden.

JfE: Was haben Sie in dieser Qualifizierung gelernt?

Christiansen: Für unsere freiberuflichen Mitarbeiter, die auch in internationale Begegnungen eingebunden sind, waren die Bereiche Diversität, interkulturelles Lernen und Methoden von starker Relevanz. Mich hat besonders die Organisation von internationalen Begegnungen von der Projektentwicklung bis zur Umsetzung interessiert, ebenso wie die Informationen zu Fördermöglichkeiten und zur Partnersuche.

JfE: Können Sie davon schon etwas für Ihre Praxis anwenden?

Christiansen: Methoden des interkulturellen Lernens sind direkt in die nächsten Seminare und auch in die folgenden Treffen der Teamenden eingeflossen. Durch die Coachingtermine gehen die verabredeten und eingestielten Ergebnisse nicht verloren oder verschwinden nicht unter der ‚normalen‘ alltäglichen Arbeit.

JfE: Hat die Jugendbildungsstätte Welper schon konkrete Pläne, wie benachteiligte Jugendliche zu erreichen und einzubeziehen sind?

Christiansen: In unserem Haus arbeiten wir sehr intensiv mit benachteiligten Jugendlichen zusammen. Zu unseren Gästen gehören sehr oft Schulen mit Kindern und Jugendlichen, die aus einem Umfeld mit erhöhtem Betreuungsbedarf kommen. Derzeit arbeiten wir mit sieben weiterführenden Schulen an einem Projekt zum Thema ‚Inklusion in der Schule‘.  Mit den Erfahrungen aus unserem  Jugendaustausch mit Irland, planen wir für 2013 ein inklusives Projekt, einen interkulturellen Austausch mit Jugendlichen mit und ohne Behinderungen zum Thema ‚Trendsportarten‘. Wir suchen geeignete  Projektpartner – national wie international.

JfE: Was hat die heutige Tagung für Sie gebracht?

Christiansen: Ich fand den Vortrag von Professor Berg sehr interessant. Er hat Aspekte des Themas ‚Empowerment‘ angesprochen, mit denen wir uns auch schon länger beschäftigen, zum Beispiel beim Thema Inklusion. Und es ist interessant zu sehen, wie viele Menschen sich damit beschäftigen. Das bringt so eine Tagung: Die Vielfalt zu sehen, die Vernetzung, Gespräche zu führen, Leute wiederzutreffen, die man im Bereich  JiVE schon kennengelernt hat, um zu sehen, wie weit sind die, wie weit sind wir? Und zu sehen, dass Andere vielleicht vor den gleichen Problemen stehen wie wir. Ich war jetzt in der Arbeitsgruppe zu dem Thema ‚Inklusion‘. Wir haben uns beispielsweise darüber ausgetauscht, welche ‚Behinderungen‘ es gibt und wo es versteckte Behinderungen gibt und wie man ‚Empowerment‘ in diesem Bereich verstehen kann.

(Das Interview führte Dr. Helle Becker im Auftrag von JUGEND für Europa)

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