"Wir brauchen mehr Interesse in Deutschland an der europäischen jugendpolitischen Debatte!“

So lautete der Tenor der Fachveranstaltung „Kein soziales Europa ohne eine starke Jugendarbeit“, zu der JUGEND für Europa anlässlich des 2. Bundesweiten Fachkongresses Kinder- und Jugendarbeit in Dortmund eingeladen hatte.

Ziel der Veranstaltung war es, die deutsche Fachöffentlichkeit über die europäische Youth Work-Debatte zu informieren, die Diskussionsstränge und Erkenntnisse der beiden europäischen Jugendarbeitskongresse von 2010 und 2015 zu skizzieren sowie die Relevanz und mögliche Folgen und Konsequenzen der Abschlusserklärung (siehe NEWS) des 2. Europäischen Jugendarbeitskongresses von 2015 für die deutsche Debatte zu erörtern.     

Antje Rothemund, Leiterin der Jugendabteilung des Europarats, erläuterte die Kernelemente der Abschlusserklärung, auf deren Grundlage derzeit eine Entschließung des Europarats vorbereitet wird. Sie verwies darauf, dass nicht nur Forderungen an die Jugendarbeit gestellt werden dürften, sondern dass es einer existenzsichernden Förderung von Jugendarbeit bedürfe, damit diese weiterhin ihre wichtige Rolle für eine soziale Gesellschaft spielen könne. Jugendarbeit sei aus der Sicht des Europarats ein elementarer Bestandteil jeder guten Jugendpolitik. Und derzeit habe das Thema auf europäischer Ebene in Hinblick auf die vielfältigen Herausforderungen, zu denen Jugendarbeit in Stellung gebracht wird (wie z.B. als Beitrag gegen religiösen Extremismus, zur Bekämpfung von Jugendarbeitslosigkeit u.a.), hohe politische Relevanz.

Andreas Thimmel, Professor an der TH Köln und Mitglied der deutschen Delegation auf dem 2. Europäischen Jugendarbeitskongress, bezeichnete die Rezeption der europäischen Entwicklungen in Deutschland als „Jammertal“ und als „beschämend“. Es gäbe kaum Wertschätzung für die europäischen Entwicklungen. Thimmel würdigte die bemerkenswerten Fortschritte in der europäischen Debatte um das Arbeitsfeld Youth Work. Es sei gelungen, eine gemeinsame Grundlage herzustellen, was angesichts der sehr heterogenen Realitäten des Arbeitsfeldes in den verschiedenen Ländern keine Selbstverständlichkeit sei. Damit gäbe es für das in Deutschland mit einer klaren rechtlichen Rahmung versehene Handlungsfeld Anschlussfähigkeit hinsichtlich der Begrifflichkeiten und Akteure in vielen anderen Ländern.

Anschlussfähigkeit an Europa ist auch das Thema des Bayerischen Jugendrings, der gerade dabei ist, als erster Jugendring Deutschlands eine Vertretung in Brüssel aufzubauen. Für Lea Sedlmayr, die Referentin für Europäische Jugendpolitik des BJR, bestehen immer noch Schwierigkeiten in der Übersetzung europäischer Strukturen und Begrifflichkeiten. Auch sie begrüßt daher die in der europäischen Debatte gemachten Fortschritte und Entwicklungen. Und für die Mitgliedsverbände des BJR sei Anschlussfähigkeit eigentlich auch gar nicht so schwierig, denn für diese bedeute Europa zunächst einmal: konkrete Austauscharbeit mit Partnerorganisationen in anderen Ländern.

Insgesamt war Europa auf dem 2. Bundesweiten Fachkongress quasi kein Thema. Dabei kann Deutschland durchaus von der gestiegenen politischen Relevanz für das Arbeitsfeld in der europäischen Debatte profitieren. Und die europäische Debatte braucht den Beitrag Deutschlands, das mit seinen gewachsenen Strukturen und Traditionen im Feld der Jugendarbeit viele Impulse für Europa liefern kann.

(JUGEND für Europa)

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