Interview vom 24.09.2009Die EU-Jugendstrategie 2010 - 2018

"Was fehlt, sind die Visionen."

Interview mit Birgit Klausser, stellvertretende Leiterin der Abteilung "Internationale Jugend- und Familienpolitik" im österreichischen Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend.

via JUGEND für Europa

JfE: Frau Klausser, welche Beobachtungen von der Konferenz werden Sie ihren österreichischen Kollegen mitteilen, wenn Sie wieder zu Hause sind?

Klausser: Wir werden sicherlich über den Zeitpunkt des Fachforums sprechen. Der war interessant gewählt. Man hat sich offenbar wirklich darum bemüht, die Meinungen der verschiedenen Akteure zur EU-Jugend-Strategie nochmal vor der entscheidenden Sitzung des Jugendministerrats einzuholen, um die Bundesregierung für ihre letzten Empfehlungen zu unterstützen. Das ist schon im Vorfeld ein partizipativer Prozess, den es in Österreich in dieser Form bislang so nicht gibt. Auch die Auswahl der Teilnehmer war gelungen.

JfE: Inwiefern?

Klausser: In Österreich wären bei einem solchen Forum wohl keine Vertreter der Jugendwohlfahrtspflege oder der kommunalen Träger dabei gewesen. Wir haben da eher eine enge Definition von den Akteuren, die in der Jugendpolitik mitmischen. Aber es lohnt sich durchaus darüber nachzudenken, diesen Kreis zu erweitern. Europäische Jugendpolitik entwickelt sich immer mehr zur Querschnittspolitik. Das muss man auch bei der Zusammensetzung der Partner berücksichtigen.

JfE: Vermisst haben Sie niemanden?

Klausser: Doch. Die Vertreter anderer Ministerien. Da ist der „Querschnitts-Ansatz“ noch nicht so recht angekommen. Zumindest lassen sich die Verantwortlichen aus Bildung, Sport oder Wirtschaft wenig bis gar nicht auf solchen Veranstaltungen blicken. Dabei passen die so genannten Reizworte, die in der EU-Strategie vorkommen, ja nicht nur auf den Jugendbereich. Dass Jugendpolitik doch ein bisschen isoliert dasteht, sagt dann am Ende vielleicht auch etwas über die gegenwärtige Wertschätzung dieses Arbeitsfeldes aus.

JfE: Sind sie mit den Vorschlägen der Europäischen Kommission zur EU-Jugend-Strategie zufrieden?

Klausser: Die Themen, die die EU aufgeführt hat, sind wichtig und relevant. Es muss nicht unbedingt eine Schwäche sein, dass die Kommission ihre Vorschläge nicht bis ins Detail hinein präzisiert hat. Einerseits ist es das dann zwar schwieriger für die einzelnen Länder, Europäische Jugendpolitik auf nationaler Ebene umzusetzen, andererseits ist die Strategie ja auch langfristig angelegt. Ein Thema, das heute schon ganz konkret beschrieben wird, könnte 2015 vielleicht schon keine Rolle mehr spielen. Insofern lässt ein gewisses Abstraktionsniveau auch Spielraum.

JfE: Das Papier hat also keine Schwächen?

Klausser: So würde ich es nicht sagen. Was wahrscheinlich wirklich fehlt, sind die Visionen. Keiner der von der Europäischen Kommission vorgeschlagenen Aktionsbereiche ist strittig. Kein Thema ist wirklich so formuliert, dass es große Begeisterung hervorrufen würde. Das liegt vielleicht auch daran, dass es an originär europäischen Themen mangelt. Wir haben es hier lediglich mit Themen zu tun, die in Europa spielen.

(MH)