20.11.2006Themen der Jugendpolitik

Vorsorge statt Nachhilfe: Investitionen in Jugend sind Investitionen in die Zukunft

Europäischer Expertenstab fordert frühere, bessere und sektorübergreifende Investitionen in die Förderung von Kindern und Jugendlichen.

Das BEPA, Büro der Europäischen Politikberater, ein Expertenstab um EU-Präsident Baroso, hat ein Papier veröffentlicht, in dem frühere, bessere und sektorübergreifende Investitionen in die Förderung von Kindern und Jugendliche gefordert werden. Das 18-seitige Papier legt dar, dass die Kosten von Vernachlässigung der vitalen Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen und der im Nachhinein notwendigen "Reparaturen" der Schäden in Form von mangelnder Ausbildung, Arbeitslosigkeit, Verwahrlosung und Gewalt in keinem Verhältnis zum Aufwand von flächendeckenden und frühen Investitionen in alle Kinder und Jugendliche stehen.

Ausgehend von einer Beschreibung der gegenwärtigen Situation der EU-Gesellschaften werden die zentralen gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, sozialen, politischen und demografischen Faktoren analysiert, die die Gegenwart und Zukunft von Kindern und Jugendlichen und damit der europäischen Gesellschaften bestimmen. Drei Punkte sehen die Expertinnen und Experten auf der europäischen Agenda: erstens größere Investitionen aus öffentlichen und privaten Mitteln, zweitens die jugendpolitische Relevanz von Politikentscheidungen und die sektorübergreifende Koordination der Politik, die Jugendliche betrifft, sowie drittens eine Verbesserung dieser Politik durch den Austausch von Wissen und Erfahrungen.

Der Bericht teilt sich in fünf Felder, für welche die Aufmerksamkeit der Politik und Investitionen verlangt werden. Er analysiert:

  1. Die besten Bedingungen, erfolgreiches "Humankapital" zu bilden, liegen in der möglichst frühen Förderung von Kindern. Hiermit sind zunächst die Bekämpfung von Kinderarmut, benachteiligende sozioökonomische Lebensbedingungen und Gesundheit.
  2. Ein zweiter Kernbereich für notwendige Investitionen ist die Bildung und Ausbildung von Kindern und Jugendlichen. Diese werden in Zukunft noch besser ausgebildet sein müssen, da sich die Ansprüche der Arbeitswelt erhöhen. Auch so genannte "social skills", soziale Kompetenzen, werden dabei eine zunehmende Rolle spielen.
  3. Auch nach erfolgreicher Ausbildung müssen Maßnahmen ergriffen werden, um Jugendlichen den Zugang zum Arbeitsmarkt zu erleichtern. Deswegen sollte in den Übergang von Schule oder Ausbildung und Beruf investiert werden, zum Beispiel, indem die Eingangssituation des Arbeitsmarktes umstrukturiert wird und besondere Maßnahmen für die Aufnahme von Berufsanfängern getroffen werden. Für eine Teilhabe am Arbeitsmarkt jedoch, so das Papier, sei die Partizipation Jugendlicher in der Gesellschaft überhaupt Voraussetzung.
  4. Dafür ist eine Kohärenz der Politik und die Koordination verschiedener politischer Entscheidungen im Sinne von Kindern und Jugendlichen notwendig. Erfolgreiche Politik sei die, die sowohl integrativ als auch konkret sei. So sei es effektiver, in Schulen ein Informations- und Beratungsangebot zum Thema Gesundheit anzubieten, als bestimmte Gesundheitsfragen auszuklammern und gesondert zu "behandeln". So sehen Expertinnen und Experten es für die Primarbildung als notwendig an, dass ein integrativer Ansatz Fragen wie Qualifikation der Lehrkräfte, Ausgrenzung, frühe Abbrecher und Citizenship-Programme zusammenfasst. Maßnahmen zur Armutsbekämpfung müssten koordiniert werden mit Programmen, die die Erwerbstätigkeit von Frauen erhöhen sollen und gleichzeitig die Kinderbetreuung fördern.
  5. Vor allem aber bedarf es einer gemeinsamen Strategie der staatlichen, privaten und gesellschaftlichen Akteure, in Jugend zu investieren. Diese Strategie sollte die Einbeziehung von Jugendlichen und ihrer Eltern vorsehen. "Jugend", so das Papier, stehe zwar in den letzten Jahren häufiger auf der Agenda der EU-Politik, dennoch sei es auf politischer Ebene notwendig zu betonen, wie dringend die rechtzeitige Investition in Kinder und Jugendliche sei und wie wichtig, die Maßnahmen zwischen der Ebene der Europäischen Union und den Mitgliedstaaten zu koordinieren.

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