Vorausschauend: AGJ bringt grenzübergreifendes Peer Learning in den fachpolitischen Diskurs

Der Vorstand der Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe (AGJ) hat in seiner Sitzung Ende November 2012 das Diskussionspapier "Peer Learning als Instrument der EU-Jugendstrategie" verabschiedete und zur fachpolitischen Auseinandersetzung aufgerufen.

Das vom AGJ-Fachausschuss „Kinder- und Jugend(hilfe)politik in Europa“ erarbeitete Diskussionspapier unternimmt den Versuch einer Begriffsbestimmung für Peer Learning, zeigt die Chancen des grenzübergreifenden Voneinander-Lernens für die Fachkräfte und Entscheidungsträger der Kinder- und Jugendhilfe auf, beschreibt aber auch, welche Voraussetzungen für ein erfolgreiches Peer Learning notwendig sind.

Peer Learning ist ein Baustein der europapolitischen Zusammenarbeit, was insgesamt auch für die EU-Jugendstrategie gilt. Allerdings steht das Voneinander-Lernen zwischen den Akteuren von Politik und Praxis aus EU-Staaten im Jugendbereich noch am Anfang. Auf der Grundlage von Erfahrungen aus anderen Politikbereichen und unterschiedlichen allgemeingültigen Definitionen beschreibt das Papier ein vorläufiges Verständnis. Es handele sich, so die AGJ, um einen Lernprozess zwischen Jugendlichen, Politikverantwortlichen sowie Praktikerinnen und Praktikern verschiedener Länder mit dem Ziel, von den Erfahrungen der Beteiligten in vergleichbaren Positionen zu lernen. Peer Learning sei damit eine partizipative Interaktionsstruktur und gehe davon aus, dass das zielgerichtete Interagieren in Form von Zusammenarbeit und Austausch einen höheren Mehrwert für alle Beteiligten habe.

Aber warum soll sich die Kinder- und Jugendhilfe mit dem europäischen Peer Learning auseinander setzen? Die AGJ gibt hier einige Argumente in die Diskussion: Zum einen, weil sich die Kinder- und Jugendhilfe mit ihren verschiedenen Handlungsfeldern immer stärker grenzübergreifenden Lebenssituationen von Kindern, Jugendlichen und Familien stellen muss. Sie müsse sich auch den veränderten Lebenswelten junger Menschen über Grenzen hinweg stellen und berücksichtigen, dass sich Lebenslagen immer stärker angleichen und die Erwartungen an grenzüberschreitende Mobilität größer werden. Daraus ergibt sich nach Auffassung der AGJ ein wachsender Bedarf an Information und Wissen über Lebenslagen junger Menschen, über Politik und Praxis in der EU. Für eine erfolgreiche fachpolitische Interessenvertretung auf EU-Ebene braucht es außerdem ein europäisches Verständnis zur Rolle und Eigenständigkeit von Kinder- und Jugendpolitik, eine tragfähige Vernetzung und möglicherweise eine europaweiten Verständigung über fachliche Standards.

Die AGJ hält ein gemeinsames Peer Learning-Verständnis, aber auch ein Fachkonzept für die Umsetzung für notwendig, um Peer-Learning einerseits als Instrument zur Weiterentwicklung der europäischen jugendpolitischen Zusammenarbeit und andererseits zur Qualifizierung der Kinder- und Jugendhilfe zu etablieren. Dabei werden auch Anforderungen an fachliche Prinzipien und Qualitätsstandards für die Umsetzung formuliert. Nach Meinung Meinung des AGJ-Vorstandes müssen die strukturellen Voraussetzungen für die Integration von Peer Learning-Prozessen ebenfalls in Politik und Praxis der Kinder- und Jugendhilfe bedacht werden. Die Frage nach den organisatorischen und finanziellen Ressourcen könnten u.a. in der aktuellen Überarbeitung des Kinder- und Jugendplans sowie bei der Anpassung von Länderprogrammen Berücksichtigung finden. Außerdem, darauf weist das Papier am Schluss hin, sei die Erprobung und Evaluation von Praxisbeispielen und Modellen von Peer Learning ein zentraler Schritt zur Entwicklung von Peer Learning-Konzepten für die Kinder- und Jugendhilfe.

(JUGEND für Europa - Servicestelle zur Umsetzung der EU-Jugendstrategie in Deutschland)

Dokumente

  • Peer-Learning als Instrument der EU-Jugendstrategie

    Diskussionspapier der Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe – AGJ. Vorstand der Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe – AGJ. Berlin, 29./30. November 2012
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