"Von der Mobilisierung der Akteure auf der Konferenz war ich absolut beeindruckt"

Ein Interview mit Francine Labadie. Die Politikwissenschaftlerin forscht am „Institut national de la jeunesse et de l´éducation populaire“ (INJEP), dem französischen Jugendinstitut in Paris.

Frau Labadie, haben Sie für Ihre Forschung neue Ergebnisse mit nach Haus nehmen können?

Auf jeden Fall. Von der Mobilisierung der Akteure auf der Konferenz war ich absolut beeindruckt. Mich hat besonders die Zusammenarbeit zwischen der Regierung und den Regionen interessiert und welche Rolle eine Agentur wie JUGEND bei Europa dabei spielt. Das läuft alles schon ein bisschen anders als in Frankreich. Wenn ich daran zurück denke, wie bei uns die Regionen Oppositionspolitik zur Regierung gemacht haben. Da war eine Kooperation zwischen den beiden Ebenen gar nicht denkbar. Inzwischen hat sich das verändert. Ich gehe davon aus, dass bei uns die Zusammenarbeit zwischen Regionen und Regierung in Zukunft besser wird. Insgesamt muss ich feststellen: Wir können in diesem Bereich noch eine ganze Menge von Deutschland lernen.

Was heißt das konkret?

Bei uns wird die Arbeit der französischen Nationalagentur bislang nur auf die Verwaltung des Programms reduziert. Ich finde es sehr interessant, dass eine Agentur wie JUGEND für Europa in Deutschland auch ganz andere Funktionen wahrnimmt und sich darum bemüht, neue Arbeitsfelder perspektivisch zu erschließen, hier die Umsetzung der EU-Jugendstrategie in den verschiedenen Regionen Europas.

Welchen Stellenwert spielt die EU-Strategie denn für Ihre Arbeit?

Für mich ist sie ein Forschungsthema. Zurzeit führe ich zwei Studien durch. In der ersten geht es um die Auswertung der Ergebnisse des JUGEND IN AKTION-Programms im Zusammenhang mit dem europäischen Forschungsnetzwerk RAY („Research-based Analysis of Youth in Action), dem 16 Länder in der EU angehören. Da beschäftigen wir uns zum Beispiel mit der Frage, ob und inwiefern JUGEND IN AKTION dazu beiträgt, jugendpolitische Ziele zu verwirklichen. Thema der zweiten Studie ist der „Europäisierungs-Prozess“ in der Jugendpolitik.

Und können Sie schon konkrete Antworten geben?

Noch nicht wirklich. Die Lage ist doch sehr komplex. Ich versuche zu verstehen, welche Interaktionen es zwischen den verschiedenen Akteuren gibt. Welche Rolle spielen EU-Kommission, französischer Staat und Regionen bei der Implementierung von Mobilitätsprogrammen? Welche Ideen sind neu? Welche Verfahren fördern die Verbreitung des Lernens? Das sind Fragen, die wir uns stellen.

Ist die Europäische Jugendstrategie in Frankreich denn schon richtig angekommen?

Die Lage in Frankreich ist mit der in Deutschland überhaupt nicht vergleichbar. Die einzige Initiative, die in diesem Zusammenhang derzeit erwähnenswert wäre, ist der Strukturierte Dialog. Und für den tragen bei uns die Jugendorganisationen die Verantwortung. Das heißt, der Staat und die französische Nationalagentur spielen dabei keine zentrale Rolle. Unterm Strich bedeutet das, dass die Europäische Jugendstrategie für Frankreich erst mal nur eine Referenz am Horizont ist. Mehr nicht.

Welche Schritte sind als Nächstes geplant?

Wir sammeln jetzt erst mal mehr Expertise über die deutsche Erfahrung. Am Ende wird die französische Regierung durch unsere Zuarbeit ein neues Dezentralisierungsgesetz prüfen. Dann steht der Zusammenarbeit mit den Regionen hoffentlich nichts mehr im Weg.

(Das Interview führte Marco Heuer im Auftrag von JUGEND für Europa)

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