01.12.2014Nicht formale Bildung

Verschiedenheit ist anders: JUGEND für Europa veröffentlicht Handreichung zur "diversitätsbewussten Bildung"

Es fühlt sich doch an wie gestern, dass sich Begriffe wie „Interkulturalität“ oder Interkulturelles Lernen“ in der Jugendarbeit, den Medien und auch in Kommunalverwaltungen durchgesetzt haben. Und nun kommt schon wieder etwas Neues?

In der Tat setzt diversitätsbewusster Bildungsarbeit an der Kritik eines „klassischen“ Verständnisses von interkulturellem Lernen an. Dieses, so der Einwand, gehe von vorrangig (national-)kulturellen Differenzen aus und schreibe Gruppen oder Einzelnen verallgemeinerte Merkmale zu. Diversitätsbewusste Bildungsarbeit möchte dazu beitragen, dass Menschen sich selbst und andere als komplexe Personen erkennen und sich deutlich gegen eindimensionale, vereinfachende Perspektiven und Erklärungen und Diskriminierung positionieren.

Diese kritische Grundhaltung verlangt die Reflexion von gesellschaftlichen Machtverhältnissen, Rassismus und Diskriminierung und fragt nach deren Bedeutung für die Einzelnen. Bezogen auf internationale Jugendarbeit ist damit die Annahme, dass Teilnehmer in internationalen Jugendbegegnungen einen Einblick in unterschiedliche Lebensweisen erhalten und Unterschiede in anderen Ländern wahrnehmen, um besser miteinander und in der Welt zurecht zu kommen, zu einfach und manchmal auch problematisch.

Demgegenüber will diversitätsbewusste Bildungsarbeit in der internationalen Jugendarbeit mehr Bewusstsein dafür zu schaffen, wie Ungleichwertigkeiten und Ungerechtigkeiten funktionieren. Diversitätsbewusst heißt in dem Fall kritische Selbstreflexion und ein Eintreten gegen jede Form von Diskriminierung.

Klingt nicht einfach - ist es auch nicht. Deshalb hat JUGEND für Europa mit der Autorin Anne Sophie Winkelmann eine Handreichung herausgebracht, die erklären soll, was eine diversitätsbewusste Bildung in der internationalen Jugendarbeit bedeuten kann. „More than culture: Diversitätsbewusste Bildung in der internationalen Jugendarbeit“ richtet sich an alle, die internationale Jugendbegegnungen und Fortbildungen für Multiplikatoren und Multiplikatorinnen der internationalen Jugendarbeit durchführen. Dennoch hat sie den Anspruch ist, den Ansatz so zu beschreiben, dass er auch für Menschen ohne umfassende (pädagogische) Fachkenntnisse verständlich und für die eigene Praxis und Selbstreflexion nutzbar ist.

Inhaltlich begleitet wurde die Autorin von einer Redaktionsgruppe, deren Mitglieder sich seit vielen Jahren in Theorie und Praxis mit diversitätsbewusster Bildungsarbeit in der internationalen Jugendarbeit beschäftigen. Außerdem sind die Perspektiven und Erfahrungen von jugendlichen Teilnehmern vieler Jugendbegegnungen sowie von Seminarleitern und -leiterinnen aus verschiedenen Ländern eingeflossen, die an den internationalen Fortbildungen „More than culture“ in 2012 und 2013 teilgenommen haben.

Das Heft geht daher von typischen Fragen von Seminarleitern aus und erklärt sowohl theoretische Grundlagen wie Herangehensweisen und Haltungen in konkreten Situationen internationaler Jugendbegegnungen. Gut die Hälfte der Broschüre macht die Beschreibung verschiedener Methoden aus. Wo man anfängt, ist laut ausdrücklicher Aufforderung der Autorin Anne Sophie Winkelmann egal.

(JUGEND für Europa)

Dokumente

Kommentare

    Bislang gibt es zu diesem Beitrag noch keine Kommentare.

    Kommentar hinzufügen

    Wenn Sie sich einloggen, können Sie einen Kommentar verfassen.