Unser Tipp: Lernen, lernen, lernen. Cedefop veröffentlicht Studie zum künftigen Qualifikationsbedarf

Erstmalig prognostiziert das Cedefop den künftigen Qualifikationsbedarf in der Europäischen Union. In fast allen Berufen steigt die Nachfrage nach Fertigkeiten und Qualifikationen.

via Cedefop, Europäische Kommission in Deutschland

Das Europäische Zentrum für die Förderung der Berufsbildung, Cedefop, stellt seine erste Prognose zum Qualifikationsbedarf bis zum Jahr 2015 vor. Die Studie "Zukünftiger Qualifikationsbedarf in Europa: mittelfristige Prognose" kommt zu dem Schluss, dass die Nachfrage nach Fertigkeiten und Qualifikationen in den meisten Berufen, auch bei den sogenannten einfachen Beschäftigungen, nach oben tendiert. Der erhöhte Qualifikationsbedarf betrifft auch so genannte einfache Beschäftigungen. Dies ist bedingt durch das kontinuierliche Wachstum des Dienstleistungssektors und den umwälzenden Wandel in Technologie und Unternehmen.

Ján Figel', EU-Kommissar für allgemeine und berufliche Bildung, Kultur und Jugend, begrüßte, dass nun eine Studie vorliegt, die eine klarere Vorstellung davon vermittelt, welche Qualifikationsdefizite vermutlich in den folgenden Jahren auftreten werden: "Mit diesen Informationen können Junge wie Ältere ihre Lernziele neu definieren und ihren Fortbildungs- und Lernbedarf festlegen."

Es wird erwartet, dass bis 2015 im primären Sektor europaweit 10 Millionen Arbeitnehmer beschäftigt sein werden - zurückgehend von 12 Millionen im Jahr 2006 (15 Millionen 1996), während im verarbeitenden Sektor 34,5 Millionen Menschen beschäftigt sein werden - zurückgehend von 35 Millionen im gleichen Zeitraum (38 Millionen 1996). Das eigentliche Wachstum ereignet sich jedoch im Dienstleistungssektor.

Noch deutlicher in ihren Auswirkungen als die kontinuierliche Verlagerung auf den Dienstleistungssektor ist die steigende Nachfrage nach Fertigkeiten und Qualifikationen auf allen Ebenen. Die Nachfrage nach hohen Qualifikationen hat ihren Höhepunkt noch nicht erreicht. Heute sind 80 von 210 Millionen europäischen Arbeitnehmern in hoch qualifizierten, nicht manuellen Tätigkeiten beschäftigt. Dieser hohe Anteil soll noch weiter zunehmen.

Von 2006 bis 2015 wird Europa 12,5 Millionen zusätzliche Arbeitsplätze auf höchstem Qualifikationsniveau und 9,5 Stellen auf mittlerem Niveau (insbesondere berufliche Qualifikationen) hinzugewinnen. Arbeitsplätze für Beschäftigte mit niedrigen Qualifikationen werden dagegen um 8,5 Millionen zurückgehen. Selbst Arbeitsplätze für ungelernte Arbeiter erfordern mehr Qualifikationen, während ausgebildete Facharbeiter in erhöhtem Maß mittlere Qualifikationen erwerben müssen.

Dies wirkt sich sehr deutlich auf die Beschäftigungslage aus. Zurückgehende Bevölkerungszahlen bedeuten eine dauernde Notwendigkeit, Arbeitnehmer zu ersetzen, auch in schrumpfenden Sektoren und Beschäftigungsfeldern. Die Qualifikationsanforderungen steigen dagegen dramatisch an, die neuen Arbeitnehmer benötigen höhere Qualifikationen, um „denselben Job zu machen“.

Die Prognose stützt sich auf eine Projektion aktueller Tendenzen. Um die neuen Entwicklungen bei Fertigkeiten und Beschäftigungen abzudecken, wird das Cedefop mit Unterstützung von Skillsnet - seinem internationalen Netzwerk von Forschern und politischen Entscheidungsträgern für die Früherkennung von Qualifikationsbedarf - bestimmte Bereiche auch im Detail untersuchen. Bislang hat sich das Zentrum mit Fremdenverkehr, Nanotechnologie, Landwirtschaft und Ernährung und dem Holzsektor befasst. In Kürze sollen Berichte über Gesundheit und Umwelt folgen. Außerdem wird es auf der Grundlage von Erhebungen die Erwartungen der Arbeitgeber an den Qualifikationsbedarf untersuchen. Die Studie betrifft 25 Mitgliedstaaten der Europäischen Union (es fehlen Bulgarien und Rumänien) sowie Norwegen und die Schweiz.

Dokumente