Ungerechte Bildungssysteme kosten Milliarden. Kommission veröffentlicht Mitteilung zur "sozialen Rendite" der allgemeinen und beruflichen Bildung

So gut das Streben nach mehr Effizienz der Bildungssysteme sei, so wichtig sei es aber auch, dass Effizienz nicht zu Lasten der Gerechtigkeit gehe, sagt die Kommission. Und mischt sich ganz schön in die Bildungspolitik ihrer Mitgliedstaaten ein.

via Europäische Kommission

Die treibende Kraft für die Modernisierung der Systeme zur allgemeinen und beruflichen Bildung, so die Kommission, sei in den Mitgliedstaaten derzeit vorwiegend das Streben nach mehr Effizienz und Optimierung der Kosten-Nutzen-Relation. Während effiziente Systeme unbestreitbar Grundvoraussetzung für Erfolg sind, ist die Kommission der Auffassung, dass Effizienz nicht zu Lasten der Gerechtigkeit gehen darf.

"In der allgemeinen und beruflichen Bildung vermögen effiziente Systeme eine nachhaltige positive Wirkung zu erzielen", erklärte Ján Figel’, EU-Kommissar für allgemeine und berufliche Bildung, Kultur und Mehrsprachigkeit. "Allerdings", so der Kommissar weiter, "verursachen die bestehenden Ungerechtigkeiten in der Bildung enorme verdeckte Kosten, die in der öffentlichen Rechnungsführung selten zum Vorschein kommen. Wenn wir die soziale Dimension der allgemeinen und beruflichen Bildung außer Acht lassen, laufen wir Gefahr, dass entsprechende Korrekturmaßnahmen uns später teuer zu stehen kommen."

In einer Mitteilung vom 8. September schlägt die Kommission deshalb vier Aktionsbereiche vor, in denen die Mitgliedstaaten tätig werden sollen.

  1. Die Mitgliedstaaten sollten mehr in die Vorschulerziehung investieren. Diese zahlt sich im Hinblick auf Bildungserfolg und soziale Eingliederung der Kinder besonders aus. Sie stellt das effektivste Mittel dar, um eine Grundlage für das weitere Lernen zu schaffen, dem Schulversagen vorzubeugen, mehr Gerechtigkeit bei den Bildungsergebnissen zu erreichen und das allgemeine Kompetenzniveau anzuheben.
  2. Die Mitgliedstaaten sollten in ihren Systemen der allgemeinen und beruflichen Bildung keine allzu frühe Aufteilung der Schüler (Differenzierung) vorsehen, da dies nachweislich die Wirkung der sozioökonomischen Herkunft auf den Bildungserfolg verstärkt und langfristig zu keiner Effizienzsteigerung führt.
  3. Entgegen der häufig vertretenen Meinung sind Hochschuldbildungssysteme, die zur Gänze von Staat finanziert werden, keine Gewähr für gerechten Bildungszugang und gerechte Teilhabe an der Hochschulbildung. Systeme komplett staatlich finanzierter Hochschulbildung führten dagegen zu einer Umverteilung, bei der die Armen gegenüber den Reichen benachteiligt werden, da die Kosten des Systems von allen Steuerzahlern getragen werden, einschließlich derjenigen, die die Hochschulen nicht in Anspruch genommen haben. Es sollen mehr öffentliche und private Mittel für die Hochschulbildung aufgebracht werden, u. a. in Form von Studiengebühren.
  4. Die Mitgliedstaaten sollten eine "Evaluierungskultur" aufbauen. Da es Zeit braucht, bis Investitionen in die allgemeine und berufliche Bildung Früchte tragen, benötigen die Mitgliedstaaten eine statistische Infrastruktur zur Erhebung der benötigten Daten sowie Mechanismen zur Bewertung der Fortschritte bei der Umsetzung politischer Strategien und zur Messung der erzielten Ergebnisse.

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