Übersicht: Neue Studie zu Mobilitätsprogrammen in der EU

Die von der Europäischen Kommission in Auftrag gegebene Studie über Mobilitätentwicklungen in der Schul-, Berufs- sowie Erwachsenenbildung und im Jugendaustausch bietet zum ersten Mal eine zwar nicht vollständige, aber doch umfassende Übersicht über Programme in 34 europäischen Staaten zur Förderung der grenzübergreifenden, auf Lernen ausgerichteten Mobilität.

Neben der quantitativen Auflistung bestehender Finanzierungsinstrumente, Maßnahmen und Programme für jeden der beteiligten Staaten führten die Autoren auch eine Untersuchung zu qualitativen Aspekten der Mobilitätsförderung sowie zu Politik und Strategie durch. Die Studie beschreibt dazu die wichtigsten Erkenntnisse und Trends.

Mit einem Team von nationalen Experten wurden Programme zusammengestellt, die einer Anzahl von vordefinierten Kriterien entsprachen: Mobilität zu Lernzwecken als Hauptaktivität, durchgeführt in einem institutionellen oder organisatorischen Rahmen, findet grenzübergreifend statt, verfolgt ein anerkanntes und gemeinsam vereinbartes Ziel, umfasst strukturierte, pädagogische Inhalte und ist zeitlich befristet.

Mehr als 900 Programme fallen unter diese Kategorie, was weder etwas über den Finanzaufwand, noch über die Zahl der Teilnehmer und Teilnehmerinnen aussagt. Was die Beteiligungsquote betrifft, so können sich die Autoren – wie sie es formulieren – nur auf begründbare Vermutungen stützen. In dem Erhebungszeitraum von ca. sieben Monaten waren „viele Programme nicht in der Lage – oder willens –, statistische Daten zu zentralen Aspekten wie der Beteiligung an den Programmen und den Budgets zu liefern“.  Die vermutete Teilnehmerzahl liegt bei 450.000 Personen, der geschätzte finanzielle Aufwand bei circa 500 Mio. € pro Jahr. Die Mittelgeber sind zu 56% öffentliche Stellen auf nationaler und regionaler Ebene, gefolgt von 23 % Nichtregierungsorganisationen. Privatunternehmen machen 9% der Financiers aus.

Eine stärker qualitativ ausgerichtete Untersuchung der Mobilitätsentwicklungen wurde sowohl durch die Auswertung vorhandener Literatur sowie Studien aus den untersuchten Ländern geleistet. Hier waren unter anderem die Nationalagenturen gefragt, Ergebnisse aus den jeweiligen nationalen Debatten beizutragen. Weitergehende Analysen zu den vier Fragen Datenqualität, Anerkennung, Zusammenspiel mit EU-Programmen sowie Bildungsdimension von Mobilität wurden am Beispiel einer kleineren Durchschnittsgruppe von Ländern durchgeführt, zu der auch Deutschland gehört.

Die Ergebnisse sind in dem mehr als 400 Seiten umfassenden Bericht nachzulesen, aber auch die Zusammenfassung und die einzelnen Fact-Sheets der Länder geben bereits einen Einblick in die Programme, die wichtigsten Resultate und Entwicklungslinien.

Schüleraustausche stellen die zahlenmäßig größte Mobilitätmaßnahme dar, gefolgt von Jugendaustauschen, mit einem leichten Abwärtstrend. Mobilitätsprogramme für Arbeitseinsätze und Praktika im Ausland stehen an dritter Stelle, erfahren aber einen signifikanten Zuwachs. Laut Statistik wurden im Zeitraum von 2008 bis 2010 drei Mal mehr neue Programme im formalen Bildungssystem (Schule, Berufsausbildung) als im nicht formalen Bereich aufgelegt.

Ein für die Europäische Kommission wichtiger Untersuchungsgegenstand war das Verhältnis zwischen nationalen sowie regionalen und den EU-Mobilitätprogrammen. Die Studie teilt die unterschiedlichen Varianten der Koexistenz dieser Programme in den 34 Staaten in vier Modelle ein:

  • Modell Wettbewerb: die Programme überschneiden sich, konkurrieren um Teilnehmer und Quellen der Ko-Finanzierung und nutzen aus diesem Grund Ressourcen und Wissen nicht gemeinsam;
  • Modell Substitution: europäische Aktionsprogramme ersetzen andere Finanzierungsquellen, ohne dass die Anzahl der Teilnehmer erhöht wird oder dies als Vorwand dient, Mittel aus anderen Quellen zu kürzen;
  • Modell Komplementarität: Synergien werden genutzt und entwickelt, um eine größere Bandbreite von Mobilitätsaktivitäten abzudecken oder Zielgruppen zu erreichen, die geografische Reichweite auszudehnen und/oder die Qualität der Mobilität bereits bestehender Programme zu erhöhen;
  • Modell Stärkung: Akteure und Interessengruppen arbeiten proaktiv zusammen, um ein erhöhtes Bewusstsein für Mobilität zu schaffen und dieses Thema auf die politische Tagesordnung zu setzen sowie mögliche neue Entwicklungen anzufachen.

Es wird deutlich, dass es nur selten einen umfassenden Ansatz für eine Mobilität zu Lernzwecken gibt. Die Autoren empfehlen die Entwicklung eines solchen Ansatzes, „um Synergien zu nutzen, diese auf nationaler Ebene auszubauen und eine bessere Wechselbeziehung der nationalen und europäischen Politik in diesem Bereich herzustellen“.

Für die Praxis jedenfalls bietet die Studie einen Fundus an Mobilitätsprogrammen für Träger und ihre internationalen Partner.

Die Studie, Zusammenfassung und Fact-Sheets der Länder finden Sie auf den Internetseiten der EU-Kommission hier.

(JUGEND für Europa – Servicestelle für die Umsetzung der EU-Jugendstrategie in Deutschland)

 

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