08.06.2015Nicht formale Bildung

Studiengang "Soziale Arbeit mit dem Schwerpunkt Jugendarbeit" an der Hochschule Kempten

Seit dem Wintersemester 2014/2015 gibt es an der Hochschule Kempten den berufsbegleitenden Bachelor-Studiengang „Soziale Arbeit mit dem Schwerpunkt Jugendarbeit“.

JUGEND für Europa sprach mit Thomas Miller, M. A., wissenschaftlicher Mitarbeiter im Projekt, über Zielgruppen und Zugänge.

Der Studiengang wird im Rahmen des BMBF-Programms „Aufstieg durch Bildung: offene Hochschulen“ gefördert, mit dem die Öffnung der Hochschulen für die Gruppe der „Nicht-traditionell Studierenden“ erhöht werden soll. Der Studiengang wird in Kooperation mit dem Bayerischen Jugendring (BJR) und dem Institut für Jugendarbeit Gauting durchgeführt. Das Projekt „Jugendarbeit und Bildung – Implementierung in den Studiengang Soziale Arbeit“ ist als Begleitforschung zu diesem Studiengang angelegt.

JfE: Welchen Bedarf gibt es an einem berufsbegleitenden Studiengang Soziale Arbeit mit dem Schwerpunkt für Jugendarbeit? (Nachqualifizierung?)

Miller: In der Kinder- und Jugendarbeit besteht ein hoher Bedarf an Fachkräften mit einem (Fach-) Hochschulabschluss. Gleichzeitig werden in der Fachdiskussion und von Seiten der Politik bessere Bildungschancen gefordert. Der berufsbegleitende Bachelorstudiengang mit dem Schwerpunkt Jugendarbeit trägt dem Rechnung und qualifiziert umfassend für die beruflichen Tätigkeiten in der Sozialen Arbeit.

Wer kann an dem Studiengang teilnehmen, was ist die Zugangsberechtigung?

Der Studiengang richtet sich an hauptberufliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kinder- und Jugendarbeit (nach § 11 und § 12 Sozialgesetzbuch VIII). Ihnen soll es ermöglicht werden, aufbauend auf ihren beruflichen Erfahrungen, berufsbegleitend einen Bachelorabschluss in Sozialer Arbeit zu erwerben, wobei eine vorausgegangene Ausbildung zur staatlich anerkannten Erzieherin/zum staatlich anerkannten Erzieher oder vergleichbare Bildungsabschlüsse auf das Studium angerechnet werden. Die praktischen (Berufs-) Erfahrungen werden in das Studium einbezogen.

Derzeit befindet sich eine große Anzahl von qualifizierten Berufstätigen im Studiengang. Diese Personen weisen keine formelle Hochschulzugangsberechtigung vor, sondern qualifizieren sich durch ihre vorherige Berufsausbildung und Berufstätigkeit (Art 45 BayHSchG), wodurch die in der hochschulpolitischen Diskussion geforderte stärkere Durchlässigkeit von Bildungsbiographien und die Öffnung der Hochschulen für die Gruppe der „Nicht-traditionell Studierenden“ im ersten Jahrgang erreicht wurde.

Sie sind damit ja vor die Frage gestellt, welchen Wert Sie nicht formalen und informellen Erfahrungen in der Jugendarbeit beimessen.

Eine zu überprüfende These im Forschungsprojekt ist, dass die Themen und Inhalte aus der Praxis der Jugendarbeit, im speziellen die nicht formalen und informellen Erfahrungen, gut geeignet sind, Kernkompetenzen in dem generalistisch ausgerichteten Studiengang Soziale Arbeit zu veranschaulichen und zu vermitteln.

Zuerst stellt sich jedoch die Frage der Anerkennung dieser Erfahrungen auf Hochschulebene. Langfristig ist die Hochschule Kempten daran interessiert, ein Anrechnungsverfahren zu konzipieren, das neben formalen auch non-formalen und informellen Erfahrungen aus der Jugendarbeit berücksichtigt. Deswegen ist der internationale Austausch auf Tagungen wie diesen ein wichtiger Impulsgeber, da die Qualitätssicherung in diesem Validierungsprozess von großer Bedeutung für uns ist. 

Die Hochschule Kempten entwickelt nach eigenen Angaben damit zum ersten Mal einen grundständigen Bachelor-Studiengang Soziale Arbeit mit schwerpunktmäßigem Bezug auf das Arbeitsfeld der Kinder- und Jugendarbeit. Stellt sich damit nicht auch die Frage, welche Qualifikation hauptberufliche, pädagogische Arbeitskräfte haben sollten?

Dieser Frage widmen wir uns in einem Teilbereich des Forschungsprojekts JuB_Imp_So, in dem wir mit Hilfe eines Theorie-Praxis Austausches das professionelle Selbstverständnis der Jugendarbeit beleuchten. Es sollen Bedarfen, Erwartungen und Positionen im gegenseitigen Austausch im Fachdiskurs des Praxisfeldes der Kinder- und Jugendarbeit und in den verschiedenen Organisationsebenen erhoben werden. Ziel ist, die daraus gewonnenen Erkenntnisse in den Studiengang „Soziale Arbeit mit Schwerpunkt Jugendarbeit“ zu implementieren und letztlich Qualifikationsstandards neu zu denken.

(Das Interview führte Dr. Helle Becker im Auftrag von JUGEND für Europa)

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