Strategische Zahlen I: Eurobarometer-Flash untersucht "Mobilität zu Bildungszwecken"

Die Europäische Kommission holt zum Rundumschlag aus: Mit zwei Eurobarometer-Erhebungen will sie das Feld für „Youth on the Move“ ebnen. Nummer 1 untersucht „Jugendmobilität“, „Bildung und Ausbildung“ und „Beschäftigung“.

Zur Vorbereitung der Leitinitiative der Strategie Europa 2020 „Jugend in Bewegung” ging die aktuellste Eurobarometer-Untersuchung der Frage nach, wie attraktiv die Jugendlichen ihre Bildung und Ausbildung finden, wie zufrieden sie mit Beratung und Unterstützung während der Schulkarriere sind, wer für Bildungs- und Ausbildungszwecke oder für ein freiwilliges Engagement ins Ausland geht, was man davon hat und welche Schwierigkeiten es bei der Jobsuche gibt.

In über 30.000 Telefoninterviews befragte das Meinungsforschungsinstitut Gallup Jugendliche und Erwachsene in 31 Ländern zwischen 15 und 35 Jahren.

Wie finanzieren die jungen Menschen das?

65% aller Befragten haben „private Mittel“ für ihen Auslandsaufenthalt zu Bildungszwecken eingesetzt, nur 18% haben dafür nationale oder regionale Förderungen erhalten, ganze 15% konnten immerhin EU-Fördermittel nutzen. Damit wäre allerdings geklärt, welch hohen Stellenwert europäische Fördermöglichkeiten für die Mobilität junger Menschen haben. Letztere werden übrigens häufiger von Frauen, 20-29jährigen und Stadtbewohnern genutzt.

Gefundene Aussagen

Mit der derzeitigen Mobilität zu Bildungszwecken ist es erwartungsgemäß nicht weit her: Nur 14% der Befragten haben sich schon einmal zu Bildungs- oder Ausbildungszwecken im Ausland aufgehalten. Betrachtet man die Quoten der einzelnen Länder schwanken diese allerdings zwischen 3% in der Türkei und 40% (!) in Zypern und Luxemburg. Außerdem steigt die Wahrscheinlichkeit eines Auslandsaufenthalts zu Bildungszwecken mit der Höhe des Bildungsgrades. Jeweils 43% waren während der Studien- oder Sekundarstufe II-Zeit im Ausland, ein Drittel im Rahmen der Berufsausbildung. Dabei bleiben Studierende durchschnittlich länger auswärts, 21% für mehr als ein Jahr, 35% zwischen drei Monaten und einem Jahr. Dagegen antworten nur 7% derjenigen, die zu Ausbildungszwecken im Ausland waren, dass dies länger als drei Wochen gedauert hat.

Wer zu Bildungszwecken für eine lange Zeit ins Ausland geht, verbessert vor allem seine Fremdsprachenkenntnisse. 57% der Befragten geben das zumindest an. 40% haben eine „größeres Bewusstsein von der anderen Kultur“ erhalten. Danach allerdings folgt lange nichts. 22% geben an, sch in neuen Situationen besser zurechtzufinden, 18% haben sich auch professionelle Fähigkeiten, 12% akademisches Wissen angeeignet. Eine Verbesserung ihrer „zwischenmenschlichen Fähigkeiten“ haben nur 17% der Befragten erfahren.

77% der Befragten, die außer zu Urlaubszwecken nie im Ausland waren, wurden nach ihren Gründen befragt. Von diesen waren 37% einfach nicht interessiert. Ein Drittel gibt an, dass sie keinen Zugang zu einer Förderung hätten (das ist ein Grund vor allem in Rumänien, Ungarn, Kroatien dun Bulgarien) und dass es zu teuer für sie sei (diesen Grund nennen vor allem Spanier und Griechen). Ein Viertel, vor allem aus der Türkei, gab familiäre Gründe an. 14% sprechen keine Fremdsprachen und 13% sagen, dass sie zu wenig Informationen hätten.

Trotz PISA: Die höchste Zufriedenheit mit dem Bildungs- und Ausbildungssystem gibt es in Deutschland und Österreich, jeweils 95% der Befragten in diesen Ländern halten sie für eine „attraktive Option“. Die Gründe für eine berufliche Aus- und Weiterbildung liegen auf der Hand: 59% aller Befragten möchten ihre Aussichten auf einen Arbeitsplatz verbessern, 38% wollen mehr verdienen und 39% möchten sich praktische Fähigkeiten aneignen oder die Berechtigung für weitere Bildungswege erlangen (24%). Weiterführende Bildungswege („Higher Education“) werden aus ähnlichen Gründen gewählt, wobei 23% auch ihr Interesse am Fach als Grund angeben. Eher mau sieht es aus, wenn die Befragten die Beratung und Unterstützung während ihres Bildungsweges beurteilen. Nur 7% empfanden sie als „sehr gut“, 26% als „gut“, 27% sind „zufrieden“. Noch schlechter fällt das Urteil bezüglich der Beratung zu Beschäftigungsmöglichkeiten aus. Gar nicht glücklich sind die Befragten mit ihren Beschäftigungsaussichten. 53%, vor allem in Ungarn, Finnland, Kroatien und Irland, haben die Sorge, dass es in ihrer Stadt oder Region nicht genügend Arbeitsplätze gibt. 42% meinen, dass es in ihrem Arbeitsfeld einen Mangel an Arbeitsplätzen für junge Leute gebe und genauso viele sagen, dass die verfügbaren Jobs schlecht bezahlt seien. Eine schmale Mehrheit wäre bereit in einem andern europäischen Land zu arbeiten, 28% für eine begrenzte, 25% für eine längere Zeit. Ganz mobil sind die Iren, die Schweden, die Bulgarier und Rumänen sowie die Finnen. Nicht von zuhause weg möchten die Befragten aus der Türkei, Italien, den Niederlanden und Belgien. Die Mobilitätsbereiten sind durchweg überwiegend männlich, zwischen 15 und 19 Jahren alt, noch in der Ausbildung und leben in Metropolen.

Übrigens: So „immobil“, wie es das Eurobarometer erscheinen lässt, sind die 15- bis 35-Jährigen in Europa nicht. Häufiger als durch die Schule, Hochschule oder den Betrieb gehen die jungen Leute offenbar aus anderen Gründen ins Ausland. 20% der Befragten haben sich schon einmal für längere Zeit im Ausland aufgehalten, ohne dass dies zu Bildungs- oder Ausbildungszwecken oder im Urlaub war. 2% absolvierten einen Freiwilligendienst, 9% haben schon im Ausland gearbeitet, 5% nahmen an Maßnahmen außerhalb formaler Bildung teil. In 11 von 31 Ländern waren mehr als ein Viertel der Befragten mindestens einen Monat aus diesen Gründen im Ausland gewesen. Was sie davon hatten, wurden sie leider nicht gefragt.

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