Standard #3: Die irische Ratspräsidentschaft und die Qualitätsentwicklung der Jugendarbeit

Während es zurzeit nur die "Jugendgarantie" als jugend- und beschäftigungspolitisches Thema in die Schlagzeilen schafft, hat sich Irland für seine Ratspräsidentschaft im ersten Halbjahr 2013 die Entwicklung der Qualität von Jugendarbeit und nicht formaler Bildung in Europa vorgenommen.

Irland möchte Qualitätsstandards etablieren, um den „Beitrag qualitätsvoller Jugendarbeit zur Förderung von sozialer Integration aller jungen Menschen […], zu ihrer Entwicklung und ihrem Wohlbefinden“ zu erhöhen und um das Potential der Jugendpolitik „zur Erreichung der Ziele von Europa 2020“ zu „maximieren“ (Irisches Programm der Ratspräsidentschaft).

Das irische Ministerium für Kinder und Jugend hat auch schon etwas in der Schublade: Einen „Nationalen Qualitätsrahmen für Jugendarbeit“ (National Quality Standards Framework for Youth Work (NQSF), der seit 2010 Anwendung findet. Der NQSF setzt Standards für öffentlich geförderte Jugendeinrichtungen und -organisationen und eine Jugendarbeit, die per definitionem geplant ist, bildend (im Sinne von die persönliche und soziale Entwicklung fördernd), auf freiwilliger Teilnahme beruht und vorzugsweise von ehrenamtlich organisierten Trägern angeboten wird. Standards für ehrenamtlich geführte Jugendgruppen (Standards for Local Volunteer-led Youth Groups) sind in Arbeit. Der NQSF wird schrittweise umgesetzt.

Begonnen haben zunächst professionell geführte Einrichtungen und Organisationen. Er beruht auf Selbstevaluationsprozessen, das heißt, dass die Träger ihre eigenen, spezifischen Inhalte einbringen können. Seine Umsetzung wird begleitet von so genannten „Verbindungs- oder NQSF-Beamten“, die eine externe Evaluation vornehmen und beraten. Künftig sollen sie den Selbstevaluationsprozess der Organisationen validieren – wahrscheinlich mit förderpolitischen Folgen. So weit, so bekannt.

Auch in Deutschland gibt es zahlreiche Qualitätsentwicklungs-Tools, mit denen das Management von Jugendeinrichtungen und Bildungsträgern verbessert werden soll. Allerdings betreffen diese meist formale Qualitätsbereiche wie Organisationsabläufe. Das irische System soll aber unter anderem sicherstellen, dass das Richtige hinten rauskommt und fokussiert deshalb auf die „Benefits“ für junge Menschen. Auf der Basis von fünf Kernprinzipien und 10 Qualitätsbereiche („Standards“) mit jeweils sechs Indikatoren wird – für deutsche Augen und Ohren auffällig deutlich – nach den geplanten Zielen und „Outcomes“ von Angeboten und Maßnahmen gefragt: „Gute Jugendarbeit ist outcome-orientiert“.

Jede Hoffnung, dass damit vielleicht nicht die Erreichung von Lernzielen gemeint ist, wird spätestens mit „Standard #3“ zunichte gemacht: „Jegliche Jugendarbeit wird laufend auf ihre Effektivität und Effizienz geprüft und evaluiert, Lernerfolge werden gemessen und die Angebote der Jugendarbeit damit verbessert“, heißt es da. Je klarer Lernziele und Wirkungen benannt und erreicht wurden, umso besser. Und um den ökonomischen Wert der Jugendarbeit in Irland gleich unter Beweis zu stellen, gab der Irische Jugendrat eine Untersuchung in Auftrag, deren Ergebnisse wie eine Werbebroschüre daher kommen: Jugendarbeit lohnt sich und ein knallhartes Assessment ihrer Ergebnisse auch. Die Iren hoffen nun darauf, dass solche Modelle auch für andere Mitgliedstaaten interessant sein könnten. Ein erster Austausch ist schon bald geplant: Nach der Europäischen Jugendkonferenz am 11./12. März 2013 in Dublin wird es am 12. und 13. März eine Konferenz zu „Qualitätssicherung innerhalb von Qualifikationsrahmen“ geben.

(Quelle: JUGEND für Europa)

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