"Sportjugend Hessen: Jugendliche mit Migrationshintergrund fehlen noch immer"

Ein Interview mit Peter Brinks, Referent für Internationale Jugendarbeit und Sportreisen bei der Sportjugend Hessen in Frankfurt/ Main.

Herr Brinks, welche Rolle spielt die EU-Jugendstrategie für Hessen?

In erster Linie wird unsere langjährige internationale Jugendbegegnungsarbeit von höchster EU-Instanz aus legitimiert. Das hilft unseren Kollegen in den 14 europäischen Partnerregionen, leichter Zuschüsse für den Jugendaustausch zu bekommen. Denn dort war die internationale Jugendarbeit bislang noch nicht so verankert, wie wir uns das gewünscht hatten. Erfreulicherweise wird so auch der Blick auf neue Zielgruppen bei den Begegnungen geschärft.

Ein Schritt also in die richtige Richtung?

Ja. Die Strategie stärkt unsere langjährigen Projekte zur Beteiligung von Jugendlichen in der Jugendverbandsarbeit. Ich denke da vor allem an unser Juniorteam Projekt oder das Projekt „Integration durch Sport“. Leider ist bei unseren Programmen die Teilhabe von jungen Menschen mit Migrationshintergrund aber noch immer nicht größer geworden.

Welche Ziele hat sich die Sportjugend Hessen gesetzt?

Wir wollen, dass die internationale Arbeit aufgewertet wird. Deshalb beteiligen wir uns auch an Projekten wie JiVE „Kommune goes International“. Ich denke, wir sind da auf einem guten Weg. In unserem Bundesland haben wir die Arbeitsgruppe „Hessen total International“ ins Leben gerufen. Da machen ganz verschiedene Partner mit: das Hessische Sozialministerium, Kommunale Jugendbildungswerke, Jugendverbände und Vereine. Das war ein erster Schritt, um die internationale Jugendarbeit in Hessen stärker sichtbar zu machen. Dann gab es die Infobörse „Hessen total International“, mit der wir Jugendliche für die Projekte begeistern konnten. Jetzt wollen wir an die Multiplikatoren in Jugendhäusern, Verbänden und Vereinen ran – und zwar mit Fachtagungen und der Diskussion über good-practice-Beispiele.

Was erhoffen Sie sich von der Bund-Länder-AG für die Umsetzung der EU-Jugendstrategie?

Ehrlich gesagt habe ich erst auf der InterREGIO-Konferenz erfahren, dass es so eine Arbeitsgruppe überhaupt gibt.

Und der Strukturierte Dialog?

Der ist eigentlich nur ein neuer Begriff und eine plakative Überschrift für unsere bisherige Arbeit. Partizipation von und mit jungen Leuten – das machen wir doch längst.

Wird der Sport durch ein Nachfolgeprogramm für JUGEND IN AKTION eigentlich aufgewertet?

Einen Schub hat der Sport durch seine Integration in der Lissaboner Erklärung bekommen. Ob das aber auch zu höheren Förderungen der internationalen Jugendarbeit im Sport führt – da bin ich sehr skeptisch. Das Image des Sports wird in Europa doch weiter eher durch „Bayern München“ geprägt. Die brauchen keine Förderung durch JUGEND IN AKTION. Im Kinder- und Jugendplan des Bundes stehen sportliche Begegnungen von Jugendlichen immer noch auf dem Index.

(Das Interview führte Marco Heuer im Auftrag von JUGEND für Europa)

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