So kann´s gehen: Hamburg beschließt "Europapolitisches Jugendkonzept"

Die Freie und Hansestadt Hamburg macht ernst mit der Umsetzung der EU-Jugendstrategie.

via Freie und Hansestadt Hamburg

Mit der Drucksache "Ein Europapolitisches Jugendkonzept für Hamburg" legte der Senat der Freien und Hansestadt Hamburg am 2. Februar 2010 ein Konzept vor, dass darauf zielt, "Jugendliche für die europäische Idee zu motivieren, ihr Wissen und ihre Kompetenz in Sachen Europa zu stärken und ihnen die Partizipation in europäischen Angelegenheiten zu erleichtern." Gemeint ist keine "Partizipation light", sondern "die aktive Beteiligung der Jugendlichen an politischen Entscheidungs- und Willensbildungsprozessen". Jugendpartizipation bedeute, so der Senat, dass die Auffassungen von Jugendlichen ernst genommen und so weit wie möglich berücksichtigt werden. Dies soll zur Entwicklung einer Europäischen Identität beitragen und Jugendliche motivieren, ihre Rolle als Bürgerinnen und Bürger in der Europäischen Union aktiv wahrzunehmen.

Eine direkte Beteiligung von Jugendlichen wurde bereits mit der Entwicklung des Europapolitischen Jugendkonzepts begonnen. Daran waren nicht nur die zuständigen Fachbehörden, sondern auch Jugendliche und Organisationen der Jugendarbeit als Zielgruppe des Konzepts aktiv beteiligt. Damit zog erstmals ein Bundesland auch formale Konsequenzen aus der Mitteilung der EU-Kommission zu einer EU-Jugendstrategie. Hamburg greift den Ansatz der EU-Kommission, die Jugendpolitik stärker mit anderen Politikbereichen zu vernetzen, auf und formuliert Ziele und Maßnahmen für die Handlungsfelder Bildung, Beschäftigung, Gesellschaftliche Integration und Jugend in der Welt, Sport und Gesundheit, Kultur und Kreativität sowie Politische Partizipation.

Hamburg lehnt sich mit dem Konzept weit aus dem Fenster: So sollen die Organisation und Kommunikation innerhalb der Verwaltung verbessert und die Förderung von Jugendlichen damit auch faktisch ermöglicht werden. "Europapolitische Jugendarbeit", so heißt es, "stellt eine interdisziplinäre Querschnittsaufgabe dar, die in Hamburg von verschiedenen Fachressorts umgesetzt wird." Die Aktivitäten einzelner Behörden - für Schule und Berufsbildung, für Soziales, Familie, Gesundheit und Verbraucherschutz, für Wirtschaft und Arbeit, für Wissenschaft und Forschung, für Kultur, Sport und Medien und die Senatskanzlei - sollen durch eine stärkere Verschränkung und Koordinierung an Wirkung gewinnen und im Rahmen des Konzepts weiterentwickelt werden. Die Kommunikation und Zusammenarbeit sowohl zwischen Stadt und Bürgerinnen und Bürgern sowie den freien Trägern der Jugendarbeit als auch zwischen den Behörden selbst sollen in einem kontinuierlichen Dialog intensiviert werden.

Dafür werden einige Instrumente genannt, die Strukturen stärken und die inhaltliche Diskussion voranbringen sollen. Eine Idee zur Verstetigung der Zusammenarbeit ist ein Runder Tisch oder eine andere Form der Zusammenarbeit zur verbesserten Kommunikation zwischen Hamburg, Vertreterinnen und Vertretern der Jugendarbeit und Jugendlichen. Auch die gegenseitige Information soll verbessert werden. So will der Senat unter anderem verstärkt auf Angebote der freien Träger der Jugendhilfe und den Zugang zum Informationsnetzwerk EURODESK aufmerksam machen.

Die für Jugend zuständige die Behörde für Soziales, Familie, Gesundheit und Verbraucherschutz strebt darüber hinaus an, in einem breiten Dialog über die Themen der neuen EU-Jugendstrategie mit Jugendlichen zu diskutieren. Sie soll durch die Jugendlichen bewertet und Anforderungen an die Umsetzung aus regionaler und lokaler Perspektive formulieren werden. Die Jugendlichen sollen Gelegenheit haben, ihre Vorstellungen mit verantwortlichen Jugend- und Europapolitikern aus den norddeutschen Bundesländern sowie mit verantwortlichen Beamten der EU-Kommission zu diskutieren. Dafür ist eine dreitägige, überregionale Konferenz im Mai 2010 in Hamburg geplant. Diese Form des "Strukturierten Dialogs" soll dann mit einer Folgeveranstaltung im Jugendnetzwerk der Ostseeregionalnetzwerks (BSSSC - Baltic Sea States Subregional Co-operation) fortgesetzt werden.

Neben strukturschaffenden Maßnahmen nennt das Konzept auch etliche inhaltliche jugendpolitische Vorschläge. Sie reichen von bildungspolitischen Maßnahmen über eine Verbesserung der Informationsarbeit über relevante EU-Förderprogramme bis hin zu einer Einbindung außerschulischer Bildungs- und Weiterbildungsangebote in klassische Bewertungssysteme (z.B. durch Berücksichtigung in Zeugnissen), z.B. anhand der Europässe oder des Deutschen Qualifikationsrahmens.

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