09.06.2008Kinderrechte

Sie kennen sie, klagen sie aber kaum ein: Eurobarometer-Umfrage zu Kinderrechten offenbart Informationsdefizite

Wie viel wissen 15- bis 18-Jährige über ihre Rechte? Das 235. Flash-Eurobarometer fragte nach.

via Eurobarometer

Werden die Rechte ausreichend geschützt und was sollte vorrangig auf nationaler und europäischer Ebene dafür unternommen werden? Das 235. Flash-Eurobarometer fragte zwischen dem 16. und 25. Februar 2008 über 10.000 Jugendliche in den 27 Mitgliedstaaten. Die Frage nach den Kinderrechten galt den Rechten von jungen Menschen unter 18 Jahren, gemäß der UN-New York Convention on the Rights of the Child.

Die Mehrheit der Jugendlichen in Europa (67%) wissen, dass Menschen unter 18 Jahren spezifische Rechte haben. In Deutschland sind es 63%. Allerdings sagen 79% auch, dass Kinder und Jugendliche nicht wüssten, was zu tun sei, wenn ihre Rechte verletzt werden (in Deutschland 72%) oder dies gar nicht wahrnähmen (76%). 88% möchten daher mehr Informationen auf europäischer Ebene, zum Beispiel mittels Kampagnen oder einer eigenen Webseite bzw. über das Internet, das nach Meinung von 70% ohnehin das beste Medium für diese Informationen sei.

74% der Befragten fanden allerdings, dass die Kinderrechte in ihrem Land sehr gut (in Deutschland 13%) oder ziemlich gut (in Deutschland 63%) geschützt würden. 19% sehen das europaweit nicht so und 3% glauben sogar, dass ihre Rechte überhaupt nicht beachtet würden. Die meisten (82%) haben aber auch niemals versucht, ihre Rechte einzuklagen und kennen auch niemanden, der das mal gemacht hätte.

Die jungen Leute wurden auch danach gefragt, in welchen Politikbereichen ihrer Meinung nach die Regierungen oder öffentlichen Verwaltungen die Interessen von Kindern und Jugendlichen besonders berücksichtigen sollten, z.B. bei Gesetzen oder anderen Entscheidungen. Drei Viertel der Befragten (74%) fällt da die Bildungspolitik ein (die in vielen Ländern ressortmäßig auch synonym mit Jugendpolitik ist), 43% die Sicherheitspolitik (zum Beispiel der Schutz vor Gewalt), gefolgt von 40% Gesundheits- und Sozialpolitik.

Und was sollte ganz oben auf der nationalen Politik-Agenda stehen, wenn es um Kinderrechte geht? Es gibt zu denken, dass hier 23% der Befragten an erster Stelle das Thema „Gewalt gegen Kinder“ und 20% „sexuelle Ausbeutung“ nennen. 18% finden, dass vor allem etwas gegen Drogenprobleme getan werden muss.

Insgesamt offenbart die Kurzumfrage deutliche Informationsdefizite, wobei vor allem Aufklärung gefragt ist, was bei Verletzung von Kinderrechten zu tun ist.

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