10.11.2008Themen der Jugendpolitik

Schwerwiegend: Kinderarmut wird nicht weniger

Die Europäische Kommission hat ihre jährliche Analyse der sozialen Situation in den EU-Mitgliedstaaten veröffentlicht. Das EU-Parlament betont die Kinderrechte und fordert eine Reduktion der Kinderarmut um 50% bis 2012.

via Europäisches Parlament, Europäische Kommission

Die Europäische Kommission hat ihre jährliche Analyse der sozialen Situation in den EU-Mitgliedstaaten veröffentlicht. Gemessen an den Zielen der Europäischen Union für sozialen Schutz und soziale Teilhabe sieht das nicht gut aus:

  • 16% der Europäer leben mit einem Armutsrisiko. Kinder haben dabei ein ungleich höheres Risiko als der Rest der Bevölkerung, im Durchschnitt 19%. Ausnahmen bilden die Nordischen Staaten, Griechenland, Zypern und Slowenien. Hauptursachen sind die Arbeitsmarktsituation der Eltern und die Effektivität der staatlichen Hilfen, zum Beispiel durch Einkommenszuschüsse oder in Form staatlicher Dienstleistungen wie Kinderbetreuung. Dies gilt vor allem für alleinerziehende Eltern, deren Armutsrisiko bei 32% liegt.
  • 2006 lebten 27% der EU-Bürger unter der Armutsgrenze, die mit 60% des mittleren Einkommens definiert wird. Der Anteil schwankt zwischen 10% in der Tschechischen Republik und den Niederlanden und 21-33% in Griechenland und Lettland.
  • Trotz sinkender Arbeitslosenzahlen leben 9,3% der Menschen im erwerbsfähigen Alter in einem Haushalt, in dem niemand einer Erwerbstätigkeit nachgeht und 8% der Erwerbstätigen leben unter der Armutsgrenze.
Fast gleichzeitig hat das Europäische Parlament am 9. Oktober 2008 einen Bericht des Ausschusses für Beschäftigung und Soziale Angelegenheiten der Berichterstatterin Gabrielle Zimmer verabschiedet. Darin wird ebenfalls darauf verwiesen, dass ein großer Teil der Bevölkerung in der Europäischen Union sozial ausgegrenzt ist. Von allen Armutsformen aber, so das EP, sei Kinderarmut die „schwerwiegendste“. Deshalb ruft das Parlament alle EU-Institutionen, die Mitgliedstaaten und die organisierte Zivilgesellschaft zu einem ganzheitlichen Ansatz zur Armutsbekämpfung auf. Die Mitgliedstaaten müssten die Kinderarmut bis zum Jahr 2012 um 50% senken.

Mit dem Aufruf zur Abhilfe formuliert das Parlament en passant die „Bürgerschaft“ von Kindern, indem es ihre unabhängigen Rechte betont, ihr Recht auf angemessene Lebensbedingungen (Wohnung, Nahrung, aber genauso emotionale und soziale Bedürfnisse sowie Bildungsbedürfnisse) ebenso wie das Recht ihrer Eltern, damit diese sie nicht vernachlässigen, ihr Zugang zu staatlichen Dienstleistungen und Möglichkeiten, ihr Wohlergehen zu verbessern, spezielle Hilfe für behinderte Kinder, das Recht der Kinder auf Teilhabe an der Gesellschaft (soziale Teilhabe, Freizeit, Sport und Kulturelles Leben), Hilfen für Großfamilien und für alleinerziehende Eltern, um deren Eintritt oder Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt zu unterstützen, Anerkennung der Rolle der Familie, besondere Aufmerksamkeit für Straßenkinder und solche, die Missbrauch und Menschenhandel ausgesetzt sind, und nicht zuletzt die Zusammenführung von getrennten Familien. Spezielle Aufmerksamkeit sollte auch dem Kampf gegen Prostitution gelten, gegen kindlichen Drogenmissbrauch und Kinderhandel. Die Kommission soll die soziale Lage von Kindern vor allem im Zusammenhang mit Migration, Behinderung, allen Formen der Misshandlung und des Missbrauchs berücksichtigen.

Weitere Daten hat die Europäische Kommission auf ihrer Presseseite "Social Protection and Social Inclusion in Europe – Key facts and figures“ veröffentlicht.

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