03.08.2005Nicht formale Bildung

Raus aus der Low-Budget-Ecke! Jugendarbeit in Europa braucht mehr öffentliche Anerkennung

Nicht-formales Lernen leidet am Mangel öffentlicher Anerkennung. Darüber, wie man das ändern könnte, dachten Akteure aus ganz Europa während eines Forschungsseminars von Europäischer Kommission und Europarat nach.

Fachkräfte und Experten aus dem Bereich nicht-formalen Lernens und der Jugendarbeit waren sich einig: Jugendarbeit sollte eine bessere öffentliche Anerkennung erhalten. Der Beitrag, den Jugendarbeit für die Zivilgesellschaft und für die Entwicklung jugendlicher Schlüsselqualifikationen leistet, sei zu gering bemessen. Jugendarbeit trägt dazu bei, dass junge Menschen soziale integriert werden, aktiv an der Gesellschaft teilhaben können und Toleranz entwickeln. Führungsqualitäten, Kommunikationskompetenz und die Fähigkeit zu interkultureller Zusammenarbeit werden in der Jugendarbeit ermittelt. Dabei sei, so eine Wertung, besonders das Erlernen von "soft skills" ein wesentlicher Pluspunkt von außerschulischen Aktivitäten, da gerade diese Kompetenzen im formalen Schulsystem vernachlässigt würden. Dem gegenüber werde der Beitrag der Jugendarbeit zur Bildung von Arbeitgebern, Politikern und dem formalen Bildungssystem wenig gewürdigt. Das ließe sich bereits an der finanziellen Ausstattung festmachen, die im Vergleich zum formalen Bildungssektor oder andere nicht-formalen Weiterbildungssystemen verschwindend gering sei.

Entsprechend wenig zufriedenstellend sei die Lage derjenigen, die in diesem Bereich arbeiten. Zwar gebe es große Unterschiede in der Situation der Jugendarbeit in den europäischen Ländern, aber im allgemeinen handele es ich um schlecht bezahlte oder ehrenamtliche Tätigkeiten, mit wenig Arbeitsplatzsicherheit und ohne klare Karrieremöglichkeiten.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Forschungsseminars "Der Jugendbereich und nicht-formale Bildung/nicht-formales Lernen: Wie Lebenslanges Lernen Wirklichkeit werden und einen Beitrag zum 3. Sektor leisten kann" empfahlen als ersten Schritt, die Qualifikationen von Fachkräften der Jugendarbeit herauszustellen. Dies könnte beginnen mit der Erarbeitung eines Berufsprofils. Die Veröffentlichung von Trainings und Fortbildungsmöglichkeiten in ganz Europa könnte deutlich machen, welche Fähigkeiten und Fertigkeiten notwendig und wünschenswert sind. Ein professionelles Dokumentationssystem wie beispielweise ein Portfolio könnte dazu beitragen, dass Fachkräfte der Jugendarbeit ihre speziellen Qualifikationen belegen und potentiellen Abreitgebern präsentieren können. Ist erst einmal eine größere Aufmerksamkeit für die Jugendarbeit gewonnen, so die Hoffnung der Teilnehmenden, wäre der nächste Schritt, die Aufmerksamkeit auf die jungen Menschen und ihre in nicht-formalen Zusammenhängen erworbenen Fähigkeiten und Kenntnisse zu lenken.

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