Ratsentschließung: Lebensbegleitendes Lernen braucht lebensbegleitende Beratung

In einer Entschließung des Rats der Europäischen Union wird der lebensbegleitenden Bildungs- und Berufsberatung auf höchster Ebene Bedeutung eingeräumt. Dies entspricht einer Forderung des Weißbuchs "Neuer Schwung für die Jugend Europas".

via Europäische Kommission und cedefop

Seit dem 28. Mai 2004 liegt eine Entschließung des Rats der Europäischen Union über den Ausbau der "Politiken, Systeme und Praktiken auf dem Gebiet der lebensbegleitenden Beratung in Europa“ vor. Damit räumt der Rat der Bildungs- und Berufsberatung auf höchster Ebene Bedeutung ein und kommt einer Forderung des Weißbuchs "Neuer Schwung für die Jugend Europas" nach.

In dem Weißbuch wird darauf hingewiesen, dass junge Menschen flexible Beratungs- und Orientierungssysteme benötigen, die einen dauerhaften Zugang zum lebensbegleitenden und sämtliche Lebensbereiche umspannenden Lernen fördern. Lebensbegleitende Beratung soll nun laut der Entschließung sicherstellen, dass „Einzelpersonen ihre Bildungs- und Laufbahnentscheidungen auf einer fundierten Grundlage treffen können und dass sie bei der Entwicklung der Fähigkeit, ihren Bildungs- und Berufswerdegang effizient selbst in die Hand zu nehmen, unterstützt werden.“ Mit der Ratsentschließung setzen die Minister ein deutliches Zeichen, dass lebensbegleitendes Lernen und die damit verbundenen Hoffnungen auf einen stabilisierten Arbeitsmarkt, auf wirtschaftliche Entwicklung und soziale Eingliederung Unterstützung benötigt.

Der Zugang zu qualitativ hochwertigen allgemeinen und beruflichen Bildungsangeboten über die gesamte Lebensspanne hinweg ist dabei von entscheidender Bedeutung. "Je vielgestaltiger und flexibler die Bildungssysteme werden, desto größer wird auch der Bedarf der Bürger an Beratungsmaßnahmen, die es ihnen ermöglichen, sich einen Überblick über die immer vielfältigeren Wahlmöglichkeiten zu verschaffen, denen sie sich gegenübersehen. Die Bürger müssen in der Lage sein, in jedem Lebensabschnitt Entscheidungen in Bezug auf ihre Berufslaufbahn und Lernmöglichkeiten zu treffen, und sie müssen die notwendigen Fähigkeiten besitzen, um ihren beruflichen Werdegang selbst steuern zu können. Die lebensbegleitende Bildungs- und Berufsberatung bildet de facto eine Grundvoraussetzung für ein effektives lebenslanges Lernen,“ kommentierte das cedefop, das Europäische Zentrum für die Förderung der Berufsbildung, die Ratsentscheidung.

Die Verwirklichung einer lebensbegleitenden Beratung ist keine leichte Aufgabe. Wie aus einer kürzlich von der OECD, dem Cedefop, der Europäischen Stiftung für Berufsbildung und der Weltbank durchgeführten Studie hervorgeht, sind die gegenwärtigen Beratungsangebote sowohl zu einseitig auf bestimmte Zielgruppen ausgerichtet (und zwar hauptsächlich auf Schüler der Sekundarstufe und arbeitslose Erwachsene) als auch inhaltlich eingeschränkt. Und welche Auswirkungen die Einführung eines Beratungsmodells von Weltklasse in Europa auf die Ausgaben der öffentlichen Hand haben wird, ist ebenfalls noch unklar.

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