Rahmen für die europäische Zusammenarbeit in der allgemeinen und beruflichen Bildung aktualisiert

Da die meisten Zielvorgaben für 2010 im Bereich der formalen Bildung nicht erreicht werden, soll mehr Verbindlichkeit her. Peer-Learning wird dabei eine verstärkte Rolle spielen. Ob das auch bald für den Jugendbereich gilt?

via Europäische Kommission

Es gibt einen doppelten Grund, das Arbeitsprogramm „Allgemeine und berufliche Bildung 2010“, das der Rat (Bildung) in den Jahren 2001/2002 festgelegt hatte, zu erneuern. Einmal geht die Laufzeit dieses Bezugsrahmens zu Ende, und außerdem gibt es kurz- wie langfristig neue Herausforderungen für die Bildungspolitik in der Zeit bis 2020. Immerhin ist jetzt schon klar, dass die meisten Zielvorgaben, die der Rat für das Jahr 2010 festgelegt hat, nicht erreicht werden.

In einer Mitteilung macht die Europäische Kommission den Mitgliedstaaten nun Vorschläge zu den dringendsten Prioritäten für den Zeitraum 2009 und 2010 sowie für einen neuen Bezugsrahmen bis 2020. Der soll so konzipiert sein, dass neu im politischen Dialog aufkommende Fragen aufgegriffen werden können und dass die Ziele, Benchmarks und Berichterstattungsmechanismen gegebenenfalls an die Entscheidungen angepasst werden können, die zur künftigen Strategie für Wachstum und Beschäftigung für die Zeit nach 2010 getroffen werden. Grundlage dafür sind die Ergebnisse einer 2008 durchgeführten breit angelegten Konsultation, die eine Überprüfung und zugleich Erneuerung des Arbeitsprogramms zum Ziel hatte.

Die europäische Zusammenarbeit auf dem Gebiet der allgemeinen und beruflichen Bildung soll in der Zeit bis 2020 an vier strategischen Herausforderungen ausgerichtet werden:

  1. Lebenslanges Lernen und die Mobilität von Lernenden Wirklichkeit werden lassen;
  2. die Qualität und die Effizienz des Bildungsangebots und seiner Ergebnisse verbessern;
  3. Gerechtigkeit und aktiven Bürgersinn fördern;
  4. Innovation und Kreativität (einschließlich unternehmerischen Denkens) auf allen Ebenen der allgemeinen und beruflichen Bildung fördern.
Neben den langfristigen strategischen Herausforderungen wurden „Etappenziele“ für kürzere Zeiträume festgelegt. Damit werden die Zügel enger gezogen. So soll zum Beispiel der Umsetzungsprozesses der nationalen Strategien für lebenslanges Lernen unter besonderer Berücksichtigung der Validierung nichtformalen und informellen Lernens und der Orientierung bis 2010 abgeschlossen sein oder bereichsübergreifende Schlüsselkompetenzen in Lehrplänen, Bewertungsmechanismen und Qualifikationen „voll berücksichtigt“ werden.

Die Offene Methode der Koordinierung (OMK), in der Bildungspolitik verbindlicher als im Jugendbereich, da hier mit Hilfe von Indikatoren und Benchmarks eine Reihe von gemeinsamen Zielen festgelegt wurden, soll noch stärkeren Einfluss auf die nationalen Politiken erhalten. Dafür sollen die bestehenden Benchmarks den aktuellen Herausforderungen angepasst werden. Außerdem soll die Position der informellen hochrangigen Gruppe für die Politik der allgemeinen und beruflichen Bildung gestärkt werden, damit sie eine strategische Rolle bei der Steuerung der OMK spielen kann. Die Gruppe könnte Prioritäten ermitteln und den Fortschritt der Arbeiten bereichsübergreifend überwachen, Input für die politische Debatte im Bildungsrat liefern und dafür sorgen, dass die politische Zusammenarbeit im Bildungsbereich im allgemeinen Lissabon-Prozess und auf nationaler Ebene berücksichtigt wird. Außerdem sollte der stärkeren Einbindung relevanter Stakeholder, der Sozialpartner und der Zivilgesellschaft, Priorität eingeräumt werden. Die Kommission will jährlich ein Forum für europäische Stakeholder-Organisationen veranstalten und die relevanten Akteure systematisch in Peer-Learning-Aktivitäten einbinden.

Das Ziel für die Zukunft soll darin bestehen, das „Peer Learning“ so zu intensivieren, dass es alle prioritären Herausforderungen abdeckt. Dabei sollen sich die entsprechenden Aktivitäten auf genaue Aufgabenbeschreibungen, Zeitpläne und Ergebnisvorgaben stützen, beispielsweise auf strategische Empfehlungen oder Handbücher oder Kompendien vorbildlicher Verfahren. Es soll ein fortlaufendes Arbeitsprogramm für Peer-Learning- und Peer-Review-Aktivitäten aufgestellt werden, das sich an der Entwicklung der politischen Prioritäten ausrichtet.

Die Kommission und der Rat veröffentlichen derzeit alle zwei Jahre einen gemeinsamen Fortschrittsbericht, der sich auf nationale Berichte der Mitgliedstaaten stützt. Künftig sollten sich die Berichte stärker auf bestimmte Handlungsschwerpunkte konzentrieren. Entsprechend wird vorgeschlagen, den nächsten für das Jahr 2010 vorgesehenen Bericht an einer oder mehreren kurzfristigen Prioritäten auszurichten.

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