Quo vadis EU-Jugendstrategie: Austausch auch in Deutschland gestartet

Gleichzeitig mit dem im letzten Jahr gestarteten europäischen Austausch über die jugendpolitische Zusammenarbeit der Europäischen Union für die Zeit nach 2018 hat das Nachdenken dazu auch in Deutschland begonnen.
Die Bund-Länder AG zur Umsetzung der EU-Jugendstrategie hat den Auftakt der Diskussion mit ihrer Veranstaltung beim 16. Deutschen Kinder- und Jugendhilfetag gemacht. Mit dem Fachforum „Jugendpolitische Zusammenarbeit Europas – Errungenschaften und Erwartungen“ luden die Vertreter und Vertreterinnen der obersten Landesjugendbehörden von Bund und Ländern Fachkräfte und junge Menschen zur Diskussion ein. Ein kurzer Rückblick verdeutlichte, wie die jugendpolitische Strategie der EU für junge Menschen sowie für die Jugendpolitik von Bund und Ländern von Nutzen sein kann. So diente die EU-Jugendstrategie nicht nur als Rückenwind für die Jugendarbeit in Deutschland, sondern auch für einen strukturierten fachlichen Austausch im Jugendbereich zwischen den europäischen Partnerländern und –regionen. Die EU-Jugendstrategie hat darüber hinaus für mehr Anerkennung und Unterstützung junger Menschen bei ihren grenzüberschreitenden gemeinsamen Initiativen in Grenzgebieten gesorgt. Letztendlich hat sie einen Bewusstseinswandel in der Jugendhilfe angestoßen, für ein gemeinsames Europa und dessen Mitgestaltung verstärkt Verantwortung zu übernehmen.
 

Auch erste Vorstellungen für eine zukünftige EU-­Jugendstrategie

wurden in den Diskussionen im Fachforum formuliert. Dass die Partizipation aller jungen Menschen zentral wichtig ist und sein wird, war Konsens, wie das zu erreichen sei, dazu gab es unterschiedliche Meinungen. Klar wurde, dass es von allen als eine der großen Herausforderungen angesehen wird. Partizipation bedeutet dabei für viele der Mitdiskutanten der Anspruch, junge Menschen zu befähigen und ihnen zu ermöglichen, Europa mitzugestalten, zu erleben und sich als europäische Bürgerin bzw. Bürger zu engagieren. Es wurde weiter darauf hingewiesen, dass diese Beteiligung in erste Linie dort stattfindet, wo die jungen Menschen leben, in der Kommune vor Ort, in ihren Peer-Gruppen und Lebensräumen. Das bedeute in der Konsequenz, dass die neue EU-Jugendstrategie von Beginn an lokal gedacht werden müsse. Ein Großteil der Teilnehmer und Teilnehmerinnen sähe die Jugendarbeit sowie die politischeund europäische Bildung in der Verantwortung, jungen Menschen Europa als Teil ihrer Lebenswelt nahe zu bringen.
 

Über das Fachforum hinaus

haben sich bereits einige zentrale Akteure der Jugendhilfe in Deutschland zur Zukunft der EU-Jugendstrategie zu Wort gemeldet. Die Arbeitsgemeinschaft der obersten Jugend- und Familienbehörden der Länder hat in ihrem Beschluss vom März dieses Jahres deutlich gemacht, dass die europäische Zusammenarbeit im Jugendbereich bereits wichtige Initiativen zur Stärkung und Sichtbarmachung von Jugendarbeit, Jugendbildung, Jugendhilfe und Jugendpolitik in Europa hervorgebracht habe. Die Arbeitsgemeinschaft will sich dafür engagieren, strategische Perspektiven für die Zeit nach 2018 zu entwickeln.
 

Der Deutsche Bundesjugendring (DBJR)

stellt sich eine flexiblere EU-Jugendstrategie vor. Diese sei notwendig, um sich auf veränderte Lebenswirklichkeiten einstellen zu können. Die Meinungen junger Menschen sind dabei grundsätzlich zu berücksichtigen. Der nationale Jugendverband fordert einenganzheitlichen Ansatz der EU-Jugendstrategie, um die Stärken und Interessen der jungen Menschen zu unterstützen und sie nicht nur als gesellschaftliche Risikogruppe und Humankapital zu betrachten. Der DBJR hält eine stärkere Fokussierung, weniger Themenfelder und eine Konzentration auf Schwerpunkte für zielführender.
 

Für den Bayerischen Jugendring

muss eine EU-Jugendstrategie in alltägliches politisches Handeln möglichst auf allen Ebenen - also lokal, regional, national und europäisch - selbstverständlich einfließen können. Dafür braucht es seiner Auffassung nach eine stärkere, effektivere und wirkungsmächtigere EU-Jugendstrategie ab 2019. Bildung im ganzheitlichen Verständnis muss für den bayrischen Jugendring eines der Schlüsselthemen der EU-Jugendstrategie sein. Darüber hinaus fordert er ebenfalls mehr Flexibilität und Offenheit für Inhalte, insbesondere um die Einbeziehung von jungen Menschen „tatsächlich“ ermöglichen zu können.
 

Die Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe (AGJ)

bewertet die aktuelle Strategie ebenfalls als wichtige Initiative zur Stärkung von Jugendarbeit und Jugendpolitik. In einer zweiten Auflage sollte der Mehrwert und die Relevanz der jugendpolitischen Zusammenarbeit für Europa, sowie für Deutschland verbessert werden. Nach Sicht der AGJ könnte deutlicher vermittelt werden, wo der ureigene jugendpolitische Auftrag der EU liegt und welche Themen die Mitgliedstaaten als Impulse für die eigene Jugendpolitik (sei es durch Peer-Learning, oder durch politischen Austausch) bearbeiten möchten. Auch die Arbeitsgemeinschaft wünscht sich mehr Klarheit bei den Zielen. Außerdem müsse eine EU-Jugendstrategie sich auch um die jugendpolitischen Belange in der Umsetzung der übergreifenden wirtschafts- und sozialpolitischen Strategie der Gemeinschaft kümmern. Zur Frage der Beteiligung junger Menschen an der EU-Jugendstrategie plädieren alle, die sich bisher zu Wort gemeldet haben, für Verbesserungen. So müsse insbesondere die Rückkopplung der von jungen Menschen vor Ort erarbeiteten Vorschläge, Ideen und Empfehlungen auf die europäische Ebene viel besser gelingen. Dazu gehört auch, dass die politisch Verantwortlichen diese stärker wahrnehmen und in ihrer politischen Arbeit aufgreifen. Die Überprüfung und Bewertung des Bisherigen und der Erfahrungen der letzten sieben Jahre Umsetzung stehen im Moment im Mittelpunkt der Auseinandersetzung in Deutschland. Dass es weiter einer jugendpolitischen Zusammenarbeit der Europäischen Union und in Europa bedarf bezweifelt dagegen kaum jemand.
(JUGEND für Europa)

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