Proaktiv: Wirtschaft und formale Bildung vom Wert nicht formalen Lernens überzeugen

In einer jetzt vom slowakischen Jugendinstitut JUVENTA veröffentlichten Broschüre wird der Weg zu einer besseren Anerkennung der nicht formalen Bildung in der Jugendarbeit durch die Wirtschaft und die anderen Bildungsbereiche in der Slowakei beschrieben.

Mit seiner Publikation möchte das slowakische Jugendinstitut – das auch Nationalagentur für Erasmus+ JUGEND IN AKTION ist – Anregungen und gute Praxis für diejenigen bieten, denen die öffentliche Anerkennung der nicht formalen Bildung ebenfalls ein Anliegen ist. Ausgangspunkt der breit angelegten Bewusstseinsbildungs- und Überzeugungsarbeit war für JUVENTA die aktuell hohe Jugendarbeitslosigkeit, aber natürlich auch der Entwicklungsstand der Jugendarbeit im Land: der Aufbau von Angeboten der Jugendarbeit, das Selbstverständnis von Jugendarbeit, die Förderung der Akkreditierung von nicht formalen Bildungsprogrammen sowie die Verbreitung von Youthpass. Was die Vorbereitung junger Menschen auf das Arbeitsleben angeht, sieht das Jugendinstitut eine unbefriedigende Situation. Das formale Bildungssystem werde in erster Linie ein hohes Maß an Wissen vermitteln, biete aber kaum Raum für den Erwerb von Fähigkeiten, Fertigkeiten und  Haltungen. Schulbildung werde deshalb auch nicht ausreichend auf den Arbeitsmarkt vorbereiten, junge Menschen würden nicht über die Kompetenzen verfügen, die Arbeitgeber benötigen. Die Auffassung ist, dass dies die nicht formale Bildung bieten kann und dass diese deshalb als wichtiger Bildungsbereich für die Vorbereitung junger Menschen auf das Erwachsenenleben in der Gesellschaft und im Arbeitsleben anerkannt werden müsse.

Der Europäische Sozialfonds fördert auch in der Slowakei ein Projekt in der Jugendarbeit - KomPrax – Kompetenzen für die Praxis –, durch das nicht formale Bildungsangebote mit dem Ziel der Vermittlung von Kompetenzen und Soft Skills umgesetzt werden. Mit dem Projekt soll ebenfalls verdeutlicht werden, dass Jugendarbeit eine Antwort für die Herausforderungen im Bildungssystem sein kann.

Vor diesem Hintergrund startete das Jugendinstitut gemeinsam mit anderen Akteuren eine groß angelegte Vermittlungskampagne, durch die erreicht werden soll, dass

  • Arbeitgeber den Wert der nicht formalen Bildung erkennen und verstehen, dass diese ihre Aufmerksamkeit und Unterstützung benötigt,
  • Jugendorganisationen und Anbieter nicht formaler Bildung die Verantwortung sehen, ihre Programme und Angebote auf den Erwerb solcher Kompetenzen auszurichten, die junge Menschen für die Zukunft benötigen,
  • Schulen ihre Komplementarität und Synergien mit der nicht formalen Bildung positiv aufnehmen sowie
  • Kommunen, Politik und das Bildungsministerium nicht nur der Lösung von Problemen im formalen Bildungssystem, sondern gerade dem Konzept des nicht formalen Lernens in der Jugendarbeit mehr Aufmerksamkeit und Unterstützung widmen.

Anliegen von JUVENTA war es, erst einmal eine Gruppe überzeugter Mitstreiter aus Wirtschaft, Bildung und Politik zu gewinnen, die zum Zeichen ihrer Überzeugung eine eigens entwickelte „Erklärung über den Beitrag der nicht formalen Bildung in der Jugendarbeit“ unterzeichnen. Mit einer solchen Erklärung soll die Anerkennung nach außen für „Nichtwissende“ sichtbar werden. Die Unterzeichnung der Erklärung steht jeweils am Ende einer tiefergehenden Auseinandersetzung mit dem Thema mit interessierten Unternehmen, Handelskammern, Universitäten, Bildungsverbänden, Jugendorganisationen, kommunalen Verwaltungen etc. Damit will das slowakische Jugendinstitut die Grundlage schaffen zu überzeugen und Anknüpfungspunkte für weitere Kooperationen und Unterstützungsmöglichkeiten möglich zu machen.

Die Broschüre enthält eine Reihe von Empfehlungen für Dritte, die als Anregungen verstanden werden sollen.

(JUGEND für Europa)

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