Priorité Jeunesse: Frankreichs Premier fordert Jugend als interministerielle Aufgabe ein

Unter dem Motto "Priorität Jugend" verstärkt die französische Regierung ihre politischen Maßnahmen zur Verbesserung der Lebenslagen junger Menschen.

Ausgangspunkt ist das von Präsident Hollande zu Beginn seiner Amtszeit formulierte Ziel, jungen Menschen in Frankreich im Jahr 2017 eine bessere Lebensqualität zu ermöglichen als 2012. Damit wurde Jugendpolitik zur Chefsache. Premierminister Jean-Marc Ayrault hat dazu die in Frankreich seit 1983 bestehende interministerielle Arbeitsgruppe für Jugend wiederbelebt und die zuständige Jugendministerin Valérie Fourneyron beauftragt, ein ressortübergreifendes jugendpolitisches Programm für Frankreich zu koordinieren.

Dieses Programm mit dem Titel „Prioritè Jeunesse“ wurde mit ca. 20 nationalen Ministerien abgestimmt und mit den Regionen und Kommunen sowie der Zivilgesellschaft beraten. Offiziell wurde es von dem Comité interministériel de la Jeunesse am 21. Februar 2013 angenommen. Es beinhaltet 13 Ziele, die mit insgesamt 47 konkreten Maßnahmen hinterlegt sind und grundlegende Reformen in den unterschiedlichen Ressorts anstoßen sollen. Die 13 Handlungsfelder beziehen sich auf zentrale jugendpolitische Themen, wie

  • Information, Begleitung und Orientierung für die vielschichtigen Bedürfnisse junger Menschen,
  • Unterstützung positiver Bildungs- und Ausbildungskarrieren,
  • Gesundheit, Wohnen, Beschäftigung,
  • soziale Integration,
  • soziale Wiedereingliederung,
  • Sport, Kultur, Medien, IKT-Medien,
  • grenzübergreifende Mobilität,
  • Beteiligung am demokratischen und institutionellen öffentlichen Leben,
  • Bekämpfung von Diskriminierungen.

Bei den Reformen sollen sich die jeweiligen Ministerien an den folgenden Grundsätzen orientieren:

  • Einheitliche Gesetzgebung für alle Maßnahmen, die den Zugang junger Menschen zu sozialen Rechten betreffen, um die Anhäufung von widersprüchlichen und unverständlichen Programmen zu beenden;
  • Die Autonomie und Absicherung der persönlichen und beruflichen Entwicklung junger Menschen soll in ihrer Ganzheit befördern werden, z.B. durch die Verknüpfung von Ausbildung, Wohnen, Gesundheitsdienstleistungen, Mobilität;
  • Soziale Ungerechtigkeit und Diskriminierung sind zu bekämpfen;
  • Beteiligung junger Menschen in öffentlichen Angelegenheiten soll gefördert werden, u.a. mit dem Ziel, öffentliche Politiken effektiver zu gestalten.

Die Fortschrittsbewertung der jugendpolitischen Vorhaben der französischen Regierung wird auf der Basis von einzelnen Indikatoren durchgeführt, die Ergebnisse fließen in einen jährlichen Bericht zur Lage der jungen Menschen. Dieser bildet die Grundlage für die Berichterstattung an das französische Parlament, das sich einmal im Jahr mit der aktuellen Situation und den politischen Notwendigkeiten für das Folgejahr befassen wird.

Auf Seiten der Verwaltung ist ebenfalls eine Neuerung vorgesehen: Eingerichtet wird die Funktion einer interministeriellen Vertretung, die für die Koordination der Arbeit zuständig ist. Aufgaben sind u.a. die Überwachung der Kohärenz der Maßnahmen der verschiedenen Ministerien, die Bewertung der Fortschritte bei der Berücksichtigung der jugendpolitischen Schwerpunkte in den Verwaltungen der Nationalregierung und die Sicherstellung einer kontinuierlichen politischen Reflexion in der gesamten Regierung.

Um die Umsetzung vor Ort zu stärken, haben die einzelnen Präfekte der Départements die Aufgabe, thematische regionale Verwaltungsausschüsse zu Jugendangelegenheiten einzusetzen, um eine effektive Realisierung der Regierungsmaßnahmen zugunsten junger Menschen zu befördern. Beteiligt werden sollen die lokalen Akteure und die kommunalen Behörden.

Zur Verbesserung des nationalen Dialogs werden die bisherigen Verbände CNEPJ (Nationaler Rat für Volksbildung und Jugend) und der Nationale Jugendrat unter dem Dach einer Nationalen Jugendkonferenz zusammengeführt. Diese Struktur soll eine Plattform für den regelmäßigen Austausch und die gemeinsame Arbeit zwischen den Kernakteuren bieten, zu denen beispielsweise die Jugendorganisationen, die kommunalen Gebietskörperschaften, die Organisationen aus dem Bereich der nicht formalen Jugendbildung und die Sozialpartner gehören.

Auch die Jugendverbände selbst haben sich in Frankreich neu organisiert und im letzten Jahr eine autonome Plattform geschaffen, die sich „Forum Français de la Jeunesse“ nennt.

(JUGEND für Europa - Servicestelle für die Umsetzung der EU-Jugendstrategie in Deutschland)

Videos zum Thema unter:
http://www.dailymotion.com/video/xxmd2x_priorite-jeunesse-le-decrochage-scolaire-a-pierrot-representant-forum-francais-de-la-jeunesse_news#.Ub7E9ZxT3cw

Dokumente

  • Priorité Jeunesse

    French Cross-ministerial Committee for Youth. Summary. 21. Februar 2013
    Dieses PDF-Dokument mit dem Dateinamen "FR-CIJ_Synthese_version_anglaise.pdf" ist 552,92 kB groß.

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