28.10.2010Erasmus+ (2014 - 2020)

Planspiele: Kommission entwirft Optionen für ein Jugendprogramm nach 2013

Von der ersatzlosen Streichung bis zum "gestärkten" Programm ist alles drin.

via EU-Kommission

Wird es auch nach 2013 ein eigenständiges Jugendprogramm geben? Wird es ausgebaut und gestärkt oder wird es Teil des Bildungsprogramms "Lebenslanges Lernen"? Gibt es ein ganz neues Programm "Youth on the Move", für das die bisherigen Programme Lebenslanges Lernen, JUGEND IN AKTION und die Hochschulprogramme zusammengefasst werden?

Schon vor dem Start des öffentlichen Konsultationsprozesses hat sich die Kommission Gedanken zur Zukunft des jetzigen Programms JUGEND IN AKTION gemacht. Dafür hat die Abteilung Generaldirektion Bildung und Kultur im Juli ein Papier zur ersten Bewertung und Planung erstellt, das als administrative und politische Entscheidungshilfe für die weitere Planung nach 2013 dient.

Von den drei Modellen, die das Papier durchspielt – das Programm wird gestrichen, das Programm bleibt, wie es ist, oder es wird fortgesetzt in veränderter Form – wird eindeutig die dritte Form favorisiert. Dennoch ist schwer zu ermessen, wohin der Hase läuft. Denn auch für die Form eines "erstarkten" Jugendprogramms, das die neuen jugendpolitischen Anforderungen besser umsetzen soll als bisher, werden drei Optionen genannt: ein unabhängiges, ausgeweitetes Jugendprogramm, ein "Youth on the Move"-Programm, für das bisherige Programme zusammengefasst werden sollen und ein Jugendprogramm als Teil des "Lebenslangen Lernens".

Sind die Konturen solcher Szenarien noch schwammig, ist die Gesamtausrichtung eines möglichen künftigen Jugendprogramms umso eindeutiger: "Intelligentes Wachstum", "Nachhaltiges Wachstum" und "integratives Wachstum", die drei Säulen der neuen EU-Strategie 2020, sollen dafür wegweisend sein. Die Leitinitiative "Youth on the Move" wird als Schlüssel dargestellt, der zur Wirtschaftsstrategie und zur EU-Jugendstrategie und ihrem ressortübergreifenden Ansatz ebenso beiträgt wie zur Umsetzung des Artikels 165 (2) des Lissabon-Vertrags.

Während wir die Einordnung in die Wachstumsstrategie der EU schon kennen, fällt die Identifizierung der anzugehenden Probleme allerdings erstaunlich un-ökonomisch aus. Immerhin legt der Vertrag von Lissabon eine "verstärkte Beteiligung der Jugendlichen am demokratischen Leben in Europa" als Ziel der EU fest. So wird ausführlich dargelegt, dass und warum eine politische Teilhabe junger Menschen wichtig ist und gefördert werden sollte. Der Grad der Beteiligung Jugendlicher vor allem im System der repräsentativen Demokratie ließe nach wie vor zu wünschen übrig, heißt es. Unzulängliche Partizipationsmöglichkeiten, Misstrauen in die Institutionen und nicht ausreichende jugendgerechte Informationen seien der Grund für Politikverdrossenheit und mangelndes Interesse.

Die zweite Lanze bricht der Text für das nicht-formale Lernen. Dieses spiele eine wichtige Rolle, indem es zusätzliche Gelegenheiten für alle jungen Menschen böte und damit einen "nicht-elitären" Ansatz außerhalb des formalen Bildungsbereichs habe. Dieser Bereich aber müsse gestärkt werden, denn es gäbe zwar eine große Bandbreite und Vielfalt der Jugendarbeit in Europa, aber diese sei bei weitem nicht überall so ausdifferenziert und professionell, wie es nötig sei.

Für beide Bereiche wird der EU und ihrer Förderung eine wichtige Rolle zugesprochen: "Ein europäisches Aktionsprogramm für die Jugend sichert die Kontinuität der Angebote für alle jungen Menschen in Europa und fördert Projekte, die sonst nicht finanziert würden. Wo nationale Möglichkeiten existieren, fügt ein solches Programm nationalen Initiativen eine Europäische Dimension hinzu."

EU-Programme seien überdies Laboratorien für innovative Ideen, setzten Qualitätsstandards und inspirierten die nationale Ebene. Und transnationale Mobilität zu Lernzwecken sei ohnehin ein genuin europäisches Thema.

Ähnlich geht es weiter: So wird zwar als eines von zwei Richtzielen eines möglichen Programms auch die "Beschäftigungsfähigkeit" betont - neben der Förderung europäischer Bürgerschaft und des "Zugehörigkeitsgefühls zu Europa" -, diesem wird jedoch

  • die Förderung von Fertigkeiten und Kompetenzen durch Mobilität und nicht-formale Bildung,
  • die Förderung von Eigeninitiative und Kreativität sowie
  • die Unterstützung der Jugendarbeit und Jugendorganisationen, ihrer Entwicklung, Professionalisierung und „Europäisierung“ zugeordnet.
Die Unterzeile "Ermutigung zur Teilhabe in der Gesellschaft und im demokratischen Leben", die Werbung für die Werte der EU, den interkulturellen Dialog und gegenseitiger Verständigung sowie die Entwicklung von Solidarität und Integration werden der "Bürgerschaftlichen Dimension" eines künftigen Programms zugeordnet.

Das liest sich stringent zu den Zielen der zuletzt stark vorangetriebenen jugendpolitischen Zusammenarbeit. Das Szenario eines nicht mehr unabhängigen, unter die formalen Bildungsprogramme subsumierten Jugendprogrämmchen will dazu nicht recht passen. So kann vorerst nur gemutmaßt werden, welche Meinungsbildungsprozesse sich hinter den Kulissen vollziehen. Denn mit einem ersten Programmvorschlag wird – entgegen offizieller Verlautbarungen – erst im 3. Quartal 2011 gerechnet.

Außerdem aber hat die EU vor eventuellen Beschlüssen ihren eigenen Anspruch der Bürger- und Betroffenen-Beteiligung gesetzt. Wer also an den Plänen für ein neues Jugendprogramm noch drehen will, sollte sich am Konsultationsprozess beteiligen. Damit wurden schon einmal die Weichen neu gestellt. Auch 2006 gab es Bestrebungen, das jetzige Programm JUGEND IN AKTION im Programm für Lebenslanges Lernen aufgehen zu lassen. Es blieb eigenständig – dank des eindeutiges Votums der "stakeholder".

Zur Online-Konsultation über ein neues Jugendprogramm der EU ab 2014.

Dokumente

  • Roadmap Youth programme post 2013

    DG EAC/E-2, Youth in Action Unit, 07/07/2010, Version No: 2
    Dieses PDF-Dokument mit dem Dateinamen "Impact assessment Youth programme post 2013.pdf" ist 39,19 kB groß.