30.04.2007Themen der Jugendpolitik

Oben angekommen. Jugendpolitik wird zur "Chefsache Barroso"

EU-Präsident Barroso nimmt sich zum wiederholten Mal jugendpolitischer Themen an. BEPA legt umfassende Analyse vor. Eine neue Mitteilung der Kommission zur Jugendpolitik ist in Vorbereitung.

via Europäische Kommission

Das Bureau of European Policy Advisors (BEPA) hat eine umfassende Analyse zur Situation von Jugendlichen in Europa und Empfehlungen für eine entsprechende Politikgestaltung vorgelegt. BEPA ist eine Generaldirektion der Europäischen Kommission und direkt dem Präsidenten unterstellt. Es berät den Präsidenten und die Mitglieder der Kommission in verschiedenen Politikbereichen und spricht Empfehlungen aus. Der 96-seitige Text unterfüttert ein bereits im Oktober 2006 veröffentlichtes kürzeres Papier des BEPA, in dem dieses frühere, bessere und sektorübergreifende Investitionen in die Förderung von Kindern und Jugendliche forderte (siehe NEWS vom 20.11.2006). Die Tatsache, dass das BEPA nun einen zweiten, umfassenderen Aufschlag macht, wird als Nachdruck von "Höchster Stelle" und als Signal für die Relevanz jugendpolitischer Themen in der Kommission angesehen.

Das Papier ist eine wichtige Grundlage für die Gestaltung der künftigen jugendpolitischen Schwerpunkte auf europäischer Ebene. Es liefert detailreiche Informationen zu jugendpolitisch relevanten Bereichen. Da die Generaldirektion für Bildung und Kultur eine neue jugendpolitische Mitteilung vorbereitet, ist zu erwarten, dass man die Hauptpunkte der Expertise darin wiederfinden wird.

Das Papier untermauert die schon im Vorläuferdokument gemachte Analyse mit statistischen Daten und Hintergrundinformationen. Die Jugend, so heißt es darin, sei die Zukunft, und rechtzeitige und effektive Investitionen sei der Schlüssel für eine sowohl in ökonomischem wie sozialem Sinn "blühende" Zukunft. Kinderarmut und Jugendarbeitslosigkeit aber würden statt dessen beweisen, dass die europäischen Länder nicht ausreichend und nicht erfolgreich in ihre Kinder und Jugendlichen investierten.

Dafür reiche es nicht, dass bereits viele EU-Mitgliedsländer eine ausgewiesene Jugendpolitik haben. Notwendig sei vielmehr eine erneuerte Investitionsstrategie. Damit seien sowohl Investitionen in Form von humanem und sozialem Kapital gemeint, als auch Investitionen in die Jugendlichen selbst, ihre Eltern, Kommunen, Schulen, Sportstätten, verschiedenen Regierungsebenen und andere Akteure.

Das Papier liefert dafür einen strategischen Überblick und gibt politische Empfehlungen für fünf jugendrelevante Politikbereiche: Wohlergehen (Lebensbedingungen), Gesundheit, Bildung und Erziehung, Beschäftigung und Bürgerschaft. Auf der Ebene der EU sei es wichtig, das Bewusstsein zu schärfen, Diskussionen anzuregen, das Thema als gemeinsame Herausforderung in Europa voranzubringen, Informationen zu sammeln und zu analysieren, die Koordination zwischen verschiedenen Politikebenen zu initiieren sowie die Mitgliedstaaten anzuregen, mit den ihr zur Verfügung stehenden Mitteln – wie Benchmarking und den Austausch guter Praxis – ihre Jugendpolitik zu verbessern. Für all das sei die Offene Methode der Koordinierung das Mittel der Wahl.

Das Papier wiederholt die Forderungen des letzten: frühere Investitionen in Kinder und Jugendliche statt nachsorgender Maßnahmen, die Kombination von sozialen und ökonomischen Zielen, ein jugendpolitischer Ansatz, der verschiedene Politikbereiche verbindet (wie schon im "Europäischen Pakt für die Jugend" und in der "Offenen Methode der Koordinierung" gefordert), sowie die vermehrte Informationssammlung und Informationsverbreitung, um politische Entscheidungen besser zu untermauern.

Dokumente

  • Investing in youth: an empowerment strategy.

    Leanda Barrington-Leach, Marcel Canoy, Agnès Hubert, Frédéric Lerais* Bureau of European Policy Advisers (BEPA), April 2007
    Dieses PDF-Dokument mit dem Dateinamen "Investing_in_Youth_25_April_fin.pdf" ist 1,89 MB groß.