03.08.2005Freiwilliges Engagement

Noch viel zu forschen: Bedingungen und Wirkungen von freiwilligem Engagement Jugendlicher

Fördert freiwilliges Engagement die aktive Bürgerschaft von Jugendlichen? Stärkt es ihr Solidaritätsgefühl? Wirkt es integrativ? Wie sind dafür die Bedingungen in Europa? Ein Forschungsseminar von Europäischer Kommission und Europarat sammelte erste Erkenntnisse.

Zu den Gemeinsamen Zielsetzungen in der Europäischen Jugendpolitik gehört es, dass freiwillige, außerschulische Aktivitäten und Freiwilligendienste die aktive Bürgerschaft junger Menschen fördern, ihren Sinn für Solidarität stärken und soziale Integration fördern sollen. Die Fragen nach den Bedingungen und der möglichen Wirksamkeit sind jedoch bisher nur wenig wissenschaftlich untersucht worden, weshalb ein Forschungsseminar Forscher mit Praktikern und Politikern aus ganz Europa im Europäischen Jugendzentrum in Budapest zusammenbrachte, um empirische Daten, Erfahrungen und Meinungen auszutauschen.

Der Austausch machte deutlich, dass freiwillige Aktivitäten und Freiwilligendienste in Europa unterschiedlich wahrgenommen und genutzt werden, und dass auch die Bedingungen dafür stark differieren. Es kam eine Fülle von Erkenntnissen und Fragen zusammen, die für die Zukunft überprüft werden sollten. So gibt es keine gesicherten Daten dazu, ob und wie freiwillige Aktivitäten bürgerschaftliches Engagement oder interkulturelle Werte vermitteln. Vorher, so war man sich einig, sei eine Verständigung darüber, wann ein freiwilliges Angebot pädagogisch sinnvoll und im Hinblick auf gesetzte Qualitätskritiken erfolgreich ist, dringend geboten. Schon die Definitionen von "active citizenship" und "European citizenship" sind nicht einheitlich und werden je nach kulturellem und politischem Hintergrund unterschiedlich verstanden.

Kritisch diskutiert wurde darüber, welche Erfolgskriterien man an freiwillige Aktivitäten legt, deren Charakter es ja gerade nicht ist, etwas gezielt zu "lehren" und welche Möglichkeiten und Grenzen eine Zertifizierung oder Bescheinigung von nicht-formalen Bildungserfahrungen bietet. Einigkeit herrschte in der Auffassung, dass der Erfolg von freiwilligen Aktivitäten und Freiwilligendiensten für die Persönlichkeitsbildung von Jugendlichen stark von einer pädagogischen Inszenierung und Begleitung abhängt. Thematisiert wurde auch die Rolle des Zivildienstes, die Gefahr des Ersatzes bezahlter Arbeitskräfte im Dritten Sektor durch Freiwillige und die Frage, wie sinnvoll und weiterführend die Erfahrungen und Fähigkeiten sind, die ein freiwilliges Engagement für eine Berufslaufbahn bringen kann. Außerdem wurde danach gefragt, wer an freiwilligen Aktivitäten teilnimmt und welche Bedingungen Jugendliche in Europa davon abhalten, daran teilzunehmen.

Die Tagung brachte eine Fülle von Empfehlungen hervor, darunter die, eine Europäische Infrastruktur für Freiwillige aufzubauen, innerhalb derer Forschung, Serviceleistungen und Unterstützung gegeben werden könnten.

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