05.11.2014Soziale Integration

Nicht nur in Arbeit: EAPN fordert spezifische Maßnahmen gegen Armut und Ausgrenzung Jugendlicher

Alle reden von Jugendarbeitslosigkeit. Mindestens so erschreckend sind die Zahlen zu Ausgrenzung und Armut junger Menschen, sagt ein Positionspapier des Europäischen Netzwerks gegen Armut.

Die Jugendarbeitslosigkeit treibt Europa um: Mit Raten zwischen 23,4% im Durchschnitt und mit über 55% in Griechenland und Spanien besteht dringender Handlungsbedarf. Die Europäische Union versucht dem mit der Jugendgarantie und Strukturfondsmaßnahmen für mehr Beschäftigung zu begegnen. Nun hat das Europäische Netzwerk gegen Armut (European Anti-Poverty Network / EAPN) angesichts einer Quote von durchschnittlich 29,7% junger Europäer in Armut und Ausgrenzung diese Schwerpunktsetzung deutlich kritisiert.

Maßnahmen, die nur auf Beschäftigungsfähigkeit zielten, griffen deutlich zu kurz. Sie würden der Diversität der Jugend nicht gerecht und führten lediglich „zu einer verlorenen Generation jenseits des Arbeitsmarkts“. Das Ziel müsse die Integration der Jugendlichen in die Gesellschaft sein. Beschäftigung sei ein Schlüsselfaktor, aber beileibe nicht der einzige. Viele Jugendlichen seien nicht unmittelbar, manche gar nicht beschäftigungsfähig.

Verständigung auf eine andere Jugendpolitik

Das Positionspapier „Jugendarmut und soziale Ausgrenzung in Europa” zur Lage der 15- bis 29-Jährigen in Europa ist das Ergebnis einer breit angelegten Fachdiskussion und Befragung innerhalb des EAPN, die von Oktober 2014 bis Mai 2014 in verschiedenen Schritten vollzogen wurde und verschiedene nationale Sichtweisen vereinte. Es dient vor allem der innerverbandlichen Verständigung auf Positionen und Perspektiven. Für alle anderen gibt es einen guten Überblick über die Probleme und Hindernisse, die Jugendliche erfahren, und präsentiert Lösungen und gute Beispiele. Dabei werden auch europapolitische Strategien kritisiert und Gegenempfehlungen gegeben.  

So müsse eine „universale Strategie” für soziale Integration her, begleitet von gezielten Maßnahmen für sozial anfällige Jugendliche, die auch Aspekte neben der Erwerbstätigkeit berücksichtigten. Neben der generellen Bereitstellung von Sozialschutzmaßnahmen und öffentliche Dienstleistungen oder einer Jugendgarantie seien spezifische, maßgeschneiderte  Angebote notwendig. Nur diese könnten die Jugendlichen erreichen, die am meisten ausgegrenzt sind und zum Teil vielfache Diskriminierungen erfahren: junge Frauen, schlecht ausgebildete Jugendliche, Jugend auf dem Land, Jugendliche aus ethnischen Minderheiten oder mit Migrationshintergrund, behinderte Jugendliche oder solche mit Sucht- oder anderen Gesundheitsproblemen, aber auch junge oder alleinerziehende Eltern.  Generell sei es wichtig, ihnen allen einen frühen Zugang zu Bildungsmöglichkeiten und Jugendhilfeangeboten zu verschaffen, um Familien, Kinder und Jugendliche  darin zu unterstützen, ein würdiges Leben zu leben, frei von Armut und Ausgrenzung.

Soziale Rechte für Kinder und Jugendliche

Insgesamt plädiert das EAPN für ein „radikales Umdenken“ bei der Behandlung von Jugendbelangen. Man müsse bei ihren Rechten ansetzen, von strukturellen und persönlichen Fällen ausgehen und dann integrierte Lösungen ausarbeiten.  Solche Ansätze benötigten einen Rahmen. Sie sollten eingebettet sein in nationale und europäische Armutsbekämpfungsstrategien und ausgerichtet werden an gemeinsamen Grundsätzen wie

  • die Gemeinsamen Ziele der Offenen Methode der Koordinierung im Sozialbereich (Zugang zu Rechten, Ressourcen und Sozialleistungen),
  • Empfehlung der Kommission vom 3. Oktober 2008 zur aktiven Eingliederung der aus dem Arbeitsmarkt ausgegrenzten Personen(adäquates Einkommen, Zugang zu Sozialleistungen, Förderung von integrativen Arbeitsmärkten),
  • der Empfehlung der Kommission vom 20. Februar 2013 „Investitionen in Kinder: Den Kreislauf der Benachteiligung durchbrechen“ (Zugang zu adäquaten Ressourcen, zu Sozialleistungen, das Recht zur Partizipation).  

Das Europäische Anti-Armut-Netzwerk (European Anti-Poverty Network / EAPN) ist ein seit 1990 existierendes Netzwerk von nationalen, regionalen und lokalen Netzwerken von Nicht-Regierungs-Organisationen und Initiativen sowie europäischen Organisationen, die gegen Armut und soziale Ausgrenzung kämpfen.

(JUGEND für Europa)

Kommentare

    Bislang gibt es zu diesem Beitrag noch keine Kommentare.

    Kommentar hinzufügen

    Wenn Sie sich einloggen, können Sie einen Kommentar verfassen.