Neun von zehn Europäern halten Lebenslanges Lernen für wichtig

Eine spezielle Eurobarometer Untersuchung sammelte Meinungen von EU-Bürgern zum Lebenslangen Lernen. Das, so fanden sie, sei nicht nur etwas für junge Menschen. Am liebsten lernen sie in informellen Zusammenhängen.

via Rat der Europäischen Union, EU-Bulletin Brandenburg

Lebenslanges Lernen gilt als Eckstein der "Lissabon-Ziele". Aber was halten die Bürgerinnen und Bürger in der EU davon? Welche Erfahrungen machen sie damit, wo und wann lernen sie selbst? Diese Fragen beantwortet eine Eurobarometer-Untersuchung und will damit vergleichbare und weiterführende Daten zum lebenslangen Lernen in der EU liefern. In Deutschland wurden dafür 2 144 Personen interviewt.

Neun von 10 Europäern halten lebenslanges Lernen für wichtig. Vor allem Deutsche und Isländer stimmen dem mit 95% und 94% zu. Gleichzeitig sind jedoch 45% der Meinung, lebenslanges Lernen beträfe vor allem diejenigen, die keine guten Schulabschlüsse haben. Die Europäer sind sich bewusst, dass es Defizite in der Aus- und Weiterbildung gibt. Fehlende PC- oder Managementkenntnisse zum Beispiel werden in Deutschland von 37% der Befragten angegeben. Demgegenüber sind es in Schweden nur 19,2% oder in Island nur 13,9%.

Die Mehrheit der Europäer meint, in informellen Settings am besten zu lernen. Befragt danach, in welchen Zusammenhängen sie in den letzten 12 Monaten etwas gelernt haben, glauben 69% zuhause, 63% mit anderen Leuten und in der Freizeit (51%) am ehesten etwas zu lernen. Informelles Lernen am Arbeitsplatz "on the Job" (44%) oder während sie andere Dinge tun (41%), stehen ebenfalls oben auf der Hitliste. Je jünger oder besser qualifiziert die Befragten sind, um so wahrscheinlicher ist es, dass sie in vielen verschiedenen Kontexten gelernt haben. Vor allem Schüler und Studierende lernen an vielen verschiedenen Orten.

Das Europäische Berufsbildungszentrum Cedefop (European Centre for the Development of Vocational Training) hat lebenslanges Lernen zu einem übergreifenden Ziel ihrer Halbzeitaktivitäten im Lissabon-Prozess von 2003-2006 gemacht. Zu den verschiedenen Aktivitäten in diesem Bereich gehört nun die Eurobarometer-Untersuchung., die die Cedefop gemeinsam mit der Kommission 2003 in Auftrag gegeben hatte.

Die Kommission hat im Juli 2004 einen Vorschlag für ein neues integriertes Programm für Mobilität und Zusammenarbeit im Bereich des lebenslangen Lernens gemacht. Das Programm, das von 2007-2013 laufen soll, wird voraussichtlich vier separate sektorale Programme umfassen, für die Schulbildung (Comenius), Hochschulbildung (Erasmus), berufliche Aus- und Weiterbildung (Leonardo da Vinci) und Erwachsenenbildung (Grundtvig). Zusätzlich zu den vier sektoralen Programmen wird es zwei horizontale Programme geben. Ein so genanntes Querschnittsprogramm ist auf übergreifende Themen gerichtet und das Jean-Monnet-Programm unterstützt weiterhin die existierenden Einrichtungen und Aktivitäten. Der Programmvorschlag wird derzeit von den europäischen Ministern für Bildung, Jugend und Kultur diskutiert. Auf ihrer Sitzung am 15./16.November 2004 zeigten sich diese auch einig in der Absicht, eine "Europäische Charta für Mobilität" zu erstellen, die Prinzipen erfolgreicher Mobilität aufstellen soll.

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