Neues aus der Forschung: Partizipationsmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche in Deutschland und Finnland untersucht

Eine deutsch-finnische Forschergruppe hat die Studie "Jugendpartizipation in Finnland und Deutschland. Statusanalyse und evidenzbasierte Handlungsempfehlungen" vorgelegt.

via Forschungsgruppe Jugend und Europa des Centrums für angewandte Politikforschung

Die deutsch-finnische Untersuchung "Jugendpartizipation in Finnland und Deutschland. Statusanalyse und evidenzbasierte Handlungsempfehlungen" beleuchtet erstmalig die Kinder- und Jugendpartizipation beider Länder aus wissenschaftlicher Sicht. Die Untersuchung bietet einen Überblick über die Funktion und die Faktoren für eine erfolgreiche Jugendpartizipation und möchte unter anderem eine Antwort darauf geben, welche übergeordneten Indikatoren bei der Bewertung von Jugendpartizipation als maßgeblich angesehen werden sollten und welches die markanten Erfolgsfaktoren sind.

Für die Studie trugen die Forscherinnen und Forscher empirische Daten zusammen. Dabei gab es in den beiden Ländern große Unterschiede bezüglich der Verfügbarkeit von Daten, ihrer Strukturierung, den Verfahren der Datenerhebung und auch den Zielgruppen, über die Daten erhoben wurden. Die Studie beschränkt sich daher auf die Altersgruppe der 14- bis 27-Jährigen.

Die Studie zeigt, dass die Traditionen und das Verständnis von "Jugendpartizipation" abhängig von Traditionen und institutionellen Gegebenheiten ist – beispielsweise vom jeweiligen Rechts- und Schulsystem -, und dass diese Faktoren in Europa höchst unterschiedlich sein können. Während Jugendpartizipation und "Active Citizenship" auf europäischer Ebene häufig nur in Form der Mitgliedschaft in (Jugend-)Organisationen beschrieben wird, geht die vorliegende Studie darüber hinaus. Sie beschreibt die "Jugendpartizipationsszene" in Deutschland und Finnland, fragt nach dem Grad der Beteiligung von Jugendlichen an politischen Planungs- und Entscheidungsprozessen und den gesetzlichen und praktischen Rahmenbedingungen. Es werden Förderprogramme, Verfahren und Instrumente der Jugendpartizipation verglichen und Partizipationsmöglichkeiten vor allem auf lokaler Ebene beschrieben.

Die Studie bietet umfangreiches Material nicht nur im Hinblick auf den Vergleich zweier Länder, sondern auch für die Beschreibung der Bedingungen und der Praxis von Partizipationsmöglichkeiten in Deutschland. So kommen die Forscher unter anderem zu dem Schluss, dass in Deutschland feste Strukturen und rechtliche Rahmenbedingungen fehlen. Allerdings fanden sie eine große Zahl positiver Beispiele, die jedoch von begrenzter Dauer oder unsicher finanziert sind.

Die Mitglieder der deutsch-finnischen Forschungskooperation

  • Eva Feldmann-Wojtachnia für die Forschungsgruppe Jugend und Europa,
  • Sigrid Meinhold-Henschel von der Bertelsmann Stiftung,
  • Prof. Roland Roth von der Fachhochschule Magdeburg-Stendal,
  • Anu Gretschel, Vappu. Helmisaari,
  • Tomi Kiilakoski vom Finnish Youth Research Network,
  • Prof. Aila-Leena Matthies von der University of Jyväskylä,
  • Kokkola University Consortium Chydenius,
  • Pia Tasanko vom Centre for Economic Development, Transport and the Environment for Uusimaa, Culture Unit,
werten die Vergleichstudie als einen ersten Versuch, bereits im Vorgriff auf die EU-Jugendstrategie einen methodischen Ansatz für eine Evidenzbasierung von jugendpolitischen Entscheidungen zu zeigen. Sie bieten ihren Forschungsansatz daher als Referenzmethode für weitere Forschungen an.

Die Studie wurde im Rahmen einer mehrjährigen deutsch-finnischen Fachkooperation zwischen dem finnischen Unterrichtsministerium und dem Bundesministerium für Familie, Frauen, Senioren und Jugend erstellt. Die beiden beteiligten Ministerien arbeiteten zusammen mit jugendlichen Vertretern von Jugendgemeinderäten sowie Verantwortlichen der kommunalen Jugendarbeit und mit Jugendforschern beider Länder kontinuierlich am Thema 'Jugendpartizipation'. Die Ergebnisse dieser deutsch-finnischen bilateralen Zusammenarbeit wurden während der Konferenz "Stärkung der Demokratie – Beteiligung von Jugendlichen" im Februar 2010 präsentiert und mit Teilnehmern aus Deutschland und Finnland sowie Gästen aus Belgien, Estland, Ungarn und der Ukraine diskutiert. (Download der Dokumentation). Nach zweijähriger Arbeit konnte die einberufende deutsch-finnische Forschergruppe im Frühjahr 2010 ihre Ergebnisse und nun die fertige Publikation vorgelegen.

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