14.12.2004Nicht formale Bildung

Neuer EUROPASS bescheinigt Qualifikation und Kompetenzen

Vom 1. Januar 2005 an können Europäer ihr Kompetenz- und Qualifikationsprofil in einem einheitlichen „EUROPASS” dokumentieren. Er soll es Lernenden und Beschäftigten erleichtern, sich im Ausland mit ihren Diplomen, Zeugnissen und anderen Kenntnissen zu bewerben.

via Europäisches Parlament, Klaus Hänsch (MEP), Europäische Kommission, bmbf, bibb

Das Europäische Parlament machte am 14.12.2004 den Weg für einen einheitlichen Nachweis für Berufsausbildungen frei, indem es dem Gemeinsamen Standpunkt des Rates über ein einheitliches gemeinschaftliches "Rahmenkonzept zur Förderung der Transparenz von Qualifikationen und Kompetenzen (EUROPASS)" zustimmte. Der Rat hatte 12 der vom Parlament in erster Lesung angenommenen 14 Änderungsanträge ganz, teilweise oder sinngemäß in seinen Gemeinsamen Standpunkt übernommen.

EUROPASS ist ein einheitliches Portfolio von Dokumenten, das den Bürgern die Möglichkeit eröffne soll, ihre persönlichen Fähigkeiten, Kompetenzen und Qualifikationen in einer verständlichen, kohärenten und international transparenten Weise bei einer Bewerbung im In- und Ausland zu vermitteln. Dabei werden durch Dokumente wie den "EUROPASS-Lebenslauf" oder den "EUROPASS-Mobilität" nicht nur Schul-, Berufsbildung und Arbeitserfahrung dargestellt, sondern auch sprachliche, soziale und organisatorische Kompetenzen, die in nicht-formalen Zusammenhängen erworben wurden.

EUROPASS umfasst fünf Einzeldokumente und bindet sie zu einem einheitlichen Bildungs- und Qualifizierungsportfolio zusammen:

  • EUROPASS-Lebenslauf
  • EUROPASS-Zeugniserläuterung (für die Berufsbildung)
  • EUROPASS-Mobilität (bisher: Europass Berufsbildung)
  • EUROPASS-Diplomzusatz (für die Hochschulen)
  • EUROPASS-Sprachenportfolio
Der EUROPASS ist ein freiwilliges Instrument. Die Bürger können unverbindlich einzelne Europass-Dokumente oder das gesamte Europass-Portfolio verwenden.

Durch den EUROPASS erhofft man sich Transparenz und Vergleichbarkeit von Qualifikationen und Kompetenzen und damit eine Förderung der "lernrelevanten" und beruflichen Mobilität in Europa. Damit soll einerseits ein Beitrag zu den strategischen Zielen von Lissabon 2000 geleistet und zugleich die Qualität allgemeiner und beruflicher Bildung in Europa verbessert werden.

Der Staatsekretär im Bundesbildungsministerium, Wolf-Michael Catenhusen, wertete das neue Instrument als Stärkung der europäischen Mobilität. Ein neu zu schaffender Europäischer Qualifikationsrahmen werde dazu dienen, in Europa die in Bildung und Beschäftigung erworbenen Kompetenzen und Qualifikationen über ein gemeinsames Einstufungssystem leichter vergleichbar und verwertbar zu machen.

Der Hauptausschuss des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) begrüßte ebenfalls die Schaffung eines EUROPASS und bezeichnet ihn als "ein wichtiges Instrument, um die Mobilität von Auszubildenden und Arbeitnehmern im europäischen Bildungsraum zu dokumentieren und zu fördern." Kritisch merkt das Beratungsgremium der Bundesregierung an, dass der EUROPASS kein Instrument zur Harmonisierung von Qualifikationsprofilen oder zur generellen Anerkennung von non-formal erworbenen Kompetenzen sein solle. Außerdem sei die (standardisierte) Zeugniserläuterung von zentralem Interesse. Bei ihrer Erstellung sollten die Sozialpartner entscheidend mitwirken. Ein Arbeitsgremium von Bundesregierung, Wirtschaft und Gewerkschaften solle die Abschlüsse aus der dualen Berufsausbildung und der bundeseinheitlich geregelten Weiterbildung in das Raster der Zeugniserläuterung bringen.

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