14.06.2010Youth on the Move

Nervöses Rätselraten: Wohin bewegt sich "Youth on the Move"?

Die Initiative "Youth on the Move" wurde als Teil der EU-Strategie "Europa 2020" ausbuchstabiert. Jetzt hat sich das Europäische Jugendforum geäußert. Von der EU-Kommission soll es erst am 15. September wieder detaillierte Neuigkeiten geben.

via Europäisches Jugendforum

"Youth on the Move", die Initiative, die schon Chefsache Barrosso war, bevor sie Teil der 2020-Strategie wurde, soll das Niveau vor allem der weiterführenden Bildung in Europa verbessern und die Mobilität junger Europäer (Studierende, Auszubildende, Freiwillige, Schülerinnen und Schülern sowie junge Unternehmer) fördern, um dadurch deren Beschäftigungsaussichten zu steigern. "Europa 2020" nennt noch weitere Ziele: So soll mithilfe der Initiative die Anerkennung nicht-formaler und informeller Lernergebnisse vorangetrieben werden, durch gezielte Maßnahmen der Übergang von der Schule in den Beruf gefördert, der Bildungs"outcome" qualitativ gestärkt und den Bedürfnissen des Arbeitsmarktes angenähert sowie die Bildungssysteme – vor allem durch die Entwicklung nationaler Qualifikationsrahmen – europäisch geöffnet werden.

Die Initiative bildet einen Baustein der Strategie, die auf den drei Säulen "Intelligentes Wachstum", "Nachhaltiges Wachstum" und "Integratives Wachstum" ruht und nichts weniger zum Ziel hat, als "den Niedergang Europas" verhindern zu wollen. Für ein "intelligentes Wachstum" ist Bildung neben der Förderung von "Innovation" und einer "Digitalen Gesellschaft" einer von drei Schlüsselbereichen, "um unsere Bildungssysteme leistungsfähiger und das europäische Hochschulwesen attraktiver für Studenten aus aller Welt zu machen".

So weit, so offiziell. Denn was die eher spärliche Ankündigung im "2020"-Papier konkret vor allem für die bestehenden Maßnahmen der EU zu bedeuten hat, darüber wird nach wie vor gerätselt. Ein kommissionsinternes Papier, das eine Folgenabschätzung der Initiative leisten soll, kündigt eine Kommissionsmitteilung an, die eine umfassende Umsetzungsstrategie für "Youth on the Move" liefern wird. Dazu sollen unter anderem die bestehenden, Mobilität fördernden Aktionsprogramme herangezogen werden: das Programm Lebenslanges Lernen, Erasmus Mundus, Marie Curie und JUGEND in AKTION. Von "Synergien" ist die Rede, von Schwerpunktsetzungen und von der Bündelung vorhandener Maßnahmen unter die 2020-Strategie.

Das Europäische Jugendforum sieht darin das Thema "Jugend" als Baustein künftiger Globalpolitik ganz oben angekommen, das Potenzial wirklicher Veränderungen für die Jugend in Europa. Lebenslanges Lernen und entsprechende Bildungssysteme seien der Schlüssel für de Entwicklung in der europäischen Gesellschaft und Wirtschaft, so das Jugendforum. Transnationale Lernermobilität für alle bis 2020 und die Verbreitung der formalen und nicht-formalen Lerngelegenheiten seien begrüßenswerte Ziele, wobei im Sinne einer umfassenden Bildung alle Mobilitätsprogramme, sowohl europäische wie nationale, die Europäische Qualitätscharta für Mobilität anerkennen sollten. Außerdem sei es dafür notwenig, formale Abschlüsse ebenso anzuerkennen wie Kompetenzen, die in nicht-formalen und informellen Zusammenhängen erlernt worden seien. Ein Rahmenwerk "Youth on the Move" solle den Übergang Schule – Beruf mithilfe europäischer wie nationaler Maßnahmen ausgestalten. So schlägt das Europäische Jugendforum neben einer gezielteren Ausrichtung formaler Bildungssysteme auf die Notwendigkeiten des Arbeitsmarktes einerseits Garantien für die Beschäftigung von jungen Menschen – wie die Vermittlung in eine Beschäftigung nach einer bestimmten Zeit, Steueranreize für die Beschäftigung von Jugendlichen oder gemeinsame Qualitätskriterien für Praktika und Ausbildung - andererseits vor. "Youth on the Move", so eine unterschwellige Hoffnung, könnte den wenig erfolgreichen "Europäischen Pakt für die Jugend" ablösen und auf höherer Ebene mit mehr politischer Durchsetzungsmacht erneuern. Folgerichtig vermisst das Jugendforum Aussagen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie, ein Anliegen, das noch eine wichtige Säule des "Pakts" war.

So weit, so nachvollziehbar. Auffällig bei all dem sind jedoch zwei Punkte: Erstens hält sich das Jugendforum mit seiner sonst übliche Kritik zurück, dass jugendpolitische Belange zu oft unter das Primat ökonomischer Verwertbarkeit gestellt würden. Gleichzeitig warnt es davor, ein Programm wie JUGEND IN AKTION als Teil der "Youth on the Move"-Initiative zu konzipieren. "JUGEND IN AKTION 2.0", die Nachfolgeversion, dürfe nicht zu einem bloßen Mobilitätsprogramm verkommen. Es müsse als eigenes Programm erhalten bleiben, angebunden an die EU-Jugendstrategie, den Strukturierten Dialog und das Arbeitsprogramm Bildung und Ausbildung 2020 und weiterhin Bürgerschaft, Partizipation und Vielfalt fördern. Jugendspezifische Elemente der 2020-Strategie müssten mit dem existierenden Politikprozess im Jugendbereich verbunden werden und den sektorübergreifenden und partizipativen Ansatz der europäischen Jugendpolitik widerspiegeln.

Das klingt nach vorauseilender Sorge um die erreichte jugendpolitische Entwicklung und die Existenz eines diese Entwicklung tragendes Förderprogramm. Die Kommission kündigt für den 15. September eine Mitteilung und einen Aktionsplan an.

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