Nationale Erfahrungen - Europäische Herausforderungen: Europarat-Jahr der Demokratieerziehung geht zu Ende

Zum Ende des "Europäischen Jahrs der Demokratieerziehung" trafen sich 313 Teilnehmer aus über 20 Ländern in Berlin, um Bilanz zu ziehen und die nächsten Aufgaben für eine "Bildung für demokratische Bürgerschaft" zu formulieren.

via JUGEND für Europa/Dr. Helle Becker

Zum Abschluss des "Europäischen Jahres der Demokratieerziehung" (European Year of Democratic Citizenship through Education) trafen sich Multiplikatorinnen und Multiplikatoren der politischen Bildung, der Anti-Rassismus- und Menschenrechtserziehung und aus dem Bereich, der europaweit "EDC" – "Education for Democratic Citizenship" heißt. Eingeladen hatte ein Kooperationsnetzwerk bestehend aus der Bundeszentrale für politische Bildung, dem österreichischen Bundesminister für Bildung, Wissenschaft und Kultur sowie DARE (Democracy and Human Rights Education in Adult Learning) mit dem AdB (Arbeitskreis deutscher Bildungsstätten), EAEA (European Association for the Education of Adults) und der Ständigen Konferenz der Kultusminister.

Unter dem Motto " EYCE 2005 - Nationale Erfahrungen - Europäische Herausforderungen" wurden vom 2.-4. Dezember 2005 in Berlin die Aktivitäten des abgelaufenen Jahres bilanziert und ein Ausblick gewagt, wie Education for Democratic Citizenship in Europa einen festen Platz in Jugend- und Bildungsaktivitäten erhalten kann. Alle Mitgliedstaaten waren im Rahmen des Europarat-Jahres aufgefordert, Rahmen zu schaffen, um multidimensional und ganzheitlich Demokratie zu lernen und zu leben.

Eröffnet wurde die Tagung durch Hannelore Chiout, AdB und Vorsitzende von DARE. Demokratie in Europa, so stellte sie heraus, brauche überzeugte und überzeugende Menschen. Bildung für eine demokratische Bürgerschaft verlange die wechselseitige Aufmerksamkeit und Ermutigung sowie gegenseitigen Respekt vor den unterschiedlichen Methoden und Zugängen in den Ländern Europas. Die Achtung vor der Demokratie und den Menschenrechten zu fördern, sei eine "Zwillingsaufgabe".

Rolf Annerberg, Vorsitzender des Kabinetts von Margot Wallström, Vizepräsidentin der Europäischen Kommission und Kommissarin für Institutionelle Beziehungen und Kommunikation, berichtete über den "Plan D" der EU-Kommission. "Plan D" soll die Bürger stärker in die Gestaltung eines gemeinsamen Europas einbinden und der Kommission zeigen, welche Vision sie für einen politisch und wirtschaftlich geeinten Kontinent haben. Der Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, Thomas Krüger, nannte Europa "ein Projekt der Bildung". Politische Bildung sei ein übernationales Thema. Deshalb sei die Entwicklung transnationaler Bildungsansätze notwendig. Im Alltag würde jedoch noch zu wenig Notiz davon genommen, was europaweit geschieht.

Johanna Wanka, Präsidentin der KMK und Wissenschaftsministerin in Brandenburg, trug ein Plädoyer für die Teilnehmerdemokratie vor. Und Marta Ferreira, aus der Generaldirektion Bildung und Kultur, vollzog die Genese des Konzepts für Lebenslanges Lernen nach und zog eine vorläufige Bilanz des EU- Arbeitsprogramms „Allgemeine und berufliche Bildung 2010“. So seien in allen Mitgliedstaaten Fortschritte zu verzeichnen, allerdings seien diese noch nicht zufriedenstellend. Vor allem eine Validierung nicht-formalen und informellen Lernens sei notwendig, um alle Bürger mit den notwendigen Schlüsselkompetenzen auszustatten. Dazu forderte Lissy Gröner, MEP und Berichterstatterin des Parlaments zum neuen Programm JUGEND IN AKTION, eine finanzielle und strukturelle "Balance zwischen der formalen und nicht-formalen Bildung".

Zum Abschluss zog Hannelore Chiout das Fazit: Zwar seien die strukturellen Bedingungen für politischer Bildung in Europa sehr unterschiedlich. Die fachlichen Fragen und die Praxiserfahrungen aber seien vergleichbar. So hätte in allen Ländern die Politik Legitimationsschwierigkeiten, die dazu führten, dass das Bürgerinteresse sinkt. Der Wunsch nach echter Beteiligung aber steige. Sie sprach aus, was alle dachten: Education for Democratic Citizenship sei eine Grundfertigkeit wie Lesen, Schreiben, Rechnen. Sie müsse künftig mehr Beachtung in Europa erhalten.

Weitere Informationen zur Konferenz finden Sie auf den Seiten der Bundeszentrale für politische Bildung.