Interview vom 01.10.2010Die EU-Jugendstrategie 2010 - 2018

"Mit der Umsetzung der EU-Jugendstrategie hat eine neue Ära begonnen"

Josef Hecken, Staatssekretär im BMFSFJ, stand JUGEND für Europa im Vorfeld des 10. Forums zu Perspektiven Europäischer Jugendpolitik am 5. Oktober 2010 für ein Interview zur Verfügung.

via JUGEND für Europa

JUGEND für Europa : Herr Staatssekretär, mit dem Beschluss des Rates der Europäischen Union vom 27. November 2009 sind die Mitgliedstaaten aufgefordert, nationale Umsetzungsstrategien für den erneuerten Rahmen für die jugendpolitische Zusammenarbeit in Europa zu realisieren.

Welche Ziele verfolgen Sie mit der Umsetzung der EU-Jugendstrategie in Deutschland?

Hecken : Mein Ziel ist, dass wir die europäische Jugendpolitik in Deutschland als große jugendpolitische Chance erkennen und nutzen. Ich möchte erreichen, dass sich unser Bild von Europa auch in jugendpolitischer Hinsicht positiv ändert. Wenn wir von der jugendpolitischen Zusammenarbeit in Europa sprechen, sollten einem weder bürokratische Berichtspflichten, umständliche Entschließungstexte noch Drei-Minuten-Statements im Jugendrat als erstes in den Sinn kommen. Stattdessen sollten uns der riesige Erfahrungsschatz der 27 Mitgliedstaaten, die einmaligen interkulturellen Lernmöglichkeiten und der gemeinsame Lebensraum Europa inspirieren. Klar ist: Mit der Umsetzung der EU-Jugendstrategie hat eine neue Ära begonnen. Mir ist besonders wichtig, dass wir neue Zielgruppen erreichen, nämlich vor allem die Jugendlichen, die bislang keine Chancen hatten Europa selbst zu erleben. Aber auch Fachleute, die bisher vielleicht nur selten über den nationalen Tellerrand der Kinder- und Jugendhilfe hinausgeschaut haben, können zukünftig Anstöße aus anderen europäischen Staaten für ihre Arbeit nutzen.

JUGEND für Europa : Welche Schwerpunkte sehen Sie in dem jetzt beginnenden Umsetzungsprozess?

Hecken : Mein größtes Anliegen ist es, dass wir mit der Umsetzung der EU-Jugendstrategie in Deutschland gemeinsam echte Verbesserungen und spürbare Erfolge für möglichst viele junge Menschen erzielen. Nur wenn alle Beteiligten, egal ob auf Bundes-, Landes- oder kommunaler Ebene an einem Strang ziehen, können die Kinder- und Jugendhilfe und vor allem die Jugendlichen selbst von der neuen Weichenstellung profitieren. Mein ausdrücklicher Dank gilt dabei den Bundesländern, sie alle engagieren sich europapolitisch sehr stark und unterstützen ein abgestimmtes Handeln von Bund und Ländern. Bis zum Ende der ersten Umsetzungsphase 2013 müssen wir es in Deutschland geschafft haben, passgenaue Formen zur Übertragung guter Beispiele anderer EU-Staaten in die eigene jugendpolitische Praxis zu finden. Einen weiteren Schwerpunkt im Umsetzungsprozess sehe ich in der ressortübergreifenden Abstimmung. Eine jugendpolitische Zusammenarbeit der verschiedenen Ressorts nutzt allen jungen Menschen in Deutschland. Deswegen habe ich mich dafür eingesetzt, dass wir uns als federführendes Jugendministerium bei der Umsetzung der EU-Jugendstrategie mit den anderen Bundesressorts austauschen, die ebenfalls Verantwortung bei der Gestaltung wichtiger Lebensbereiche junger Menschen tragen. Dazu gehören zum Beispiel schulische Bildung, Ausbildung oder der Arbeitsmarkt.

JUGEND für Europa : Wie sehen Sie die Rolle von Jugendlichen und der Akteure der Kinder- und Jugendhilfe bei der Umsetzung?

Hecken : Entscheidend ist, dass sowohl die Jugendliche selbst als auch die Träger der Kinder- und Jugendhilfe den gesamten Prozess mit gestalten. Die Jugendverbände stehen dafür, dass sich Jugendbeteiligung nicht in einmaligen Events erschöpft, sondern ein kontinuierlicher Dialog zwischen Jugend und Politik entsteht. Ein gutes Beispiel dafür ist das 10. Forum zu Perspektiven Europäischer Jugendpolitik, das wir am nächsten Dienstag gemeinsam mit JUGEND für Europa ausrichten. Es ist der Auftakt für den nationalen Dialog zur Umsetzung der EU-Jugendstrategie in Deutschland. Die Debatten des Forums werden wir im neu eingerichteten Beirat des Bundes zur Umsetzung der EU-Jugendstrategie in Deutschland kontinuierlich weiterführen. Dieser Beirat wird sich am 14. Oktober in Berlin konstituieren. Dazu eingeladen haben wir neben den bundesweiten Trägern der Kinder- und Jugendhilfe auch Vertreterinnen und Vertreter der Kommunen und der Länder sowie Expertinnen und Experten aus der Wissenschaft. Ich setze darauf, dass alle Beteiligten ihre Erfahrung und ihr besonderes Engagement einbringen, um diese Vorhaben, das nichts Geringeres ist, als die Europäisierung der Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland, zum Erfolg zu führen.

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