30.01.2018EU-Kommission

Mehr Europa in der Bildung: Neue Maßnahmen zur Förderung von Schlüssel- und Digitalkompetenzen sowie der europäischen Dimension im Unterricht

Als Folgemaßnahme des Gipfels von Göteborg hat die EU-Kommission neue Initiativen zur Verbesserung der Schlüssel- und Digitalkompetenzen entworfen. Die Vermittlung von europäischen Werten zur Bekämpfung von Fremdenfeindlichkeit soll künftig eine stärkere Rolle im Schulunterricht spielen.

Im November 2017 erörterten die Staats- und Regierungschefs in Göteborg informell das Thema allgemeine und berufliche Bildung auf der Grundlage der Mitteilung der Kommission „Stärkung der europäischen Identität durch Bildung und Kultur“. Auf diese Mitteilung folgten die Schlussfolgerungen des Europäischen Rates vom 14. Dezember 2017; darin werden die Mitgliedstaaten, der Rat und die Kommission aufgefordert, die in Göteborg erörterte Agenda voranzubringen. Die Überarbeitung der Empfehlung des Rates zu Schlüsselkompetenzen aus dem Jahr 2006 (siehe NEWS) wurde im Juni 2016 in der Europäischen Agenda für neue Kompetenzen angekündigt. Zur Vorbereitung ihres Vorschlags hat die Kommission im Jahr 2017 eine öffentliche Anhörung und eine Stakeholder-Konferenz durchgeführt.

Vor diesem Hintergrund schlägt die EU-Kommission dem Rat der EU folgende drei Initiativen vor:

1. Empfehlung des Rates zu Schlüsselkompetenzen für lebensbegleitendes Lernen: Auf der Grundlage der 2006 beschlossenen Empfehlung zu Schlüsselkompetenzen für lebensbegleitendes Lernen enthält dieser Vorschlag wichtige neue Ideen für die Anpassung an die rasche Entwicklung in den Bereichen Unterricht und Lernen. Er zielt darauf ab, den lebenslangen Ausbau der Schlüsselkompetenzen von Menschen aller Altersgruppen zu verbessern und den Mitgliedstaaten Leitlinien an die Hand zu geben, damit sie dieses Ziel erreichen können. Darüber hinaus empfiehlt die Kommission Schritte zur Förderung von Kompetenzen in den Bereichen Wissenschaft, Technologie, Ingenieurwesen und Mathematik, damit mehr junge Menschen motiviert werden können, einen entsprechenden Beruf zu ergreifen. Die heute vorgelegten Vorschläge sind auch als Beitrag zur dringend benötigten Verbesserung der europäischen Bildungssysteme und damit zur Lösung der vielen Probleme gedacht, die in der letzten PISA-Studie zutage getreten sind.

Die acht Schlüsselkompetenzen wurden wie folgt aktualisiert:

  • Es wird größeres Gewicht auf Grundkompetenzen (Lesen- und Schreiben, Fremdsprachen, digitale Grundkompetenzen) sowie auf übergeordnete Kompetenzen wie Kreativität, Problemlösung, kritisches Denken und Kommunikation gelegt.
  • Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Förderung unternehmerischer Bildung auf allen Bildungsebenen. Die Kommission empfiehlt den Mitgliedstaaten, mindestens eine unternehmerische Erfahrung in der Pflichtschulbildung vorzusehen.
  • Der Erwerb von Kompetenzen in den Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) soll verbessert und die Attraktivität von Berufen in diesen Bereichen erhöht werden.
  • Die Definition der digitalen Kompetenzen wird aktualisiert und um Programmierung, Cybersicherheit und den digitalen Bürger ergänzt.
  • Es wird mehr Wert auf Bürgersinn, demokratische Werte und Menschenrechte im Rahmen der Bürgerkompetenz gelegt; interkulturelle Kompetenzen werden im Zusammenhang mit dem Kulturbewusstsein und kultureller Ausdrucksfähigkeit hervorgehoben.

Weiterführende Informationen im Fact sheet der EU-Kommission (PDF, englisch)

2. Im Aktionsplan für digitale Bildung wird dargelegt, wie die EU den Bürgerinnen und Bürgern Europas sowie den Bildungseinrichtungen und -systemen dabei helfen kann, mit den Lebens- und Arbeitsbedingungen unseres durch den raschen digitalen Wandel geprägten Gesellschaft zurechtzukommen, insbesondere durch

  • bessere Nutzung digitaler Unterrichts- und Lerntechnologien;
  • Entwicklung der digitalen Kompetenzen und Fertigkeiten, die für das Leben und Arbeiten in einem Zeitalter des digitalen Wandels benötigt werden und
  • Verbesserung der allgemeinen und beruflichen Bildung durch bessere Datenanalyse und -antizipierung.

U. a. sehen die Initiativen vor, Schulen bei der Ausstattung mit Hochgeschwindigkeits-Breitbanddiensten zu unterstützen, ein neues Tool für Schulen zur Selbstbewertung in Bezug auf den Einsatz von Unterrichts- und Lerntechnologien (SELFIE) fortzuentwickeln und eine Kampagne zur Sensibilisierung für Online-Sicherheit, Medienkompetenz und Cyberhygiene durchzuführen.

3. Empfehlung des Rates über gemeinsame Werte, inklusive Bildung und die europäische Dimension von Unterricht und Lehre: Diese Initiative enthält Vorschläge für Möglichkeiten der Unterstützung junger Menschen, damit sie Bedeutung der in Artikel 2 des Vertrages über die Europäische Union verankerten gemeinsamen Werte besser verstehen und sich für sie engagieren. Sie zielt darauf ab, den sozialen Zusammenhalt zu stärken und einen Beitrag zur Bekämpfung von Populismus, Fremdenfeindlichkeit, spalterischem Nationalismus und die Zunahme von Fake News zu leisten. Der Vorschlag stärkt auch die inklusive Bildung, um so eine gute Bildung für alle Schülerinnen und Schüler sowie die europäische Dimension im Unterricht zu fördern, damit Kinder sich auch Wissen über das gemeinsame Erbe Europas und Diversität aneignen und über die Arbeitsweise der EU Bescheid wissen. Um diese Ziele zu erreichen, wird die Kommission Maßnahmen ergreifen, damit mehr virtuelle Austausche zwischen Schulen stattfinden können, insbesondere mithilfe des erfolgreichen e-Twinning-Netzwerks; auch Mobilitätsprojekte im Schulbereich sollen aus dem Erasmus+-Programm gefördert werden.

Die Kommission wird ihre Finanzierungsinstrumente (einschließlich Erasmus+, Kreatives Europa und Europa für Bürgerinnen und Bürger) auch weiter so gestalten, dass Projekten zur Förderung gemeinsamer Werte, inklusiver Bildung und eines besseren Verständnisses der EU und ihrer Mitgliedstaaten Priorität eingeräumt wird.

Die Empfehlung des Rates über gemeinsame Werte, inklusive Bildung und die europäische Dimension von Unterricht und Lehre basiert auf der Pariser Erklärung zur Förderung von Politischer Bildung und der gemeinsamen Werte von Freiheit, Toleranz und Nichtdiskriminierung vom März 2015.

Weitere Informationen finden Sie auf den Seiten der EU-Kommission.

(Quelle: EU-Kommission, MEMO/18/103)

Kommentare

    Bislang gibt es zu diesem Beitrag noch keine Kommentare.

    Kommentar hinzufügen

    Wenn Sie sich einloggen, können Sie einen Kommentar verfassen.