Mehr davon! Phase 1 des Strukturierten Dialogs wurde evaluiert

Im Mittelpunkt des Untersuchungsinteresses der Evaluierung (2010-2013) stand die Frage, auf welche Weise der Strukturierte Dialog in Projekten bislang umgesetzt wurde und welche Schlussfolgerungen sich aus Sicht von Beteiligten für die nächste Phase der Umsetzung (2014-2016) ableiten lassen.

Das zentrale Forschungsinteresse richtete sich in der ersten Phase der Umsetzung darauf, die realen Dialogprozesse zwischen Jugend und Politik näher auszuleuchten und aufzuzeigen, welche Relevanz der Strukturierte Dialog und die Anliegen der EU-Jugendstrategie dabei besitzen. Dafür wurden unter beteiligte Jugendlicher mittels Fragebogen befragt und Projektverantwortliche sowie Expertinnen und Experten wurden interviewt. Die Autorinnen Eva Feldmann-Wojtachnia und Barbara Tham gehören zur Forschungsgruppe Jugend und Europa am Centrum für angewandte Politikforschung (CAP) der Ludwig Maximilians Universität München (LMU), die vom BMFSFJ beauftragt wurde, die Umsetzung des Strukturierten Dialogs in Deutschland wissenschaftlich zu begleiten.

Positive Bilanz

Die Autorinnen ziehen zunächst eine positive Bilanz. Vor allem die Umsetzung im Rahmen von Projekten, unter anderem in der Aktion 5.1 Projekte des Förderprogramms JUGEND IN AKTION, wurde von den Betroffenen als zielführend bewertet. Durch sie könne der Strukturierte Dialog an der lokalen Basis Wirksamkeit entfalten, dort, wo reale Dialogprozesse zwischen jungen Menschen und der Politik stattfinden. Der überwiegende Teil der Jugendlichen findet die Projekte des Strukturierten Dialogs gut bis sehr gut. Die meisten Jugendlichen sind der Überzeugung, dass das Projekt ihnen persönlich etwas oder sogar sehr viel gebracht hat. Projekte des Strukturierten Dialogs werden als eine einzigartige Möglichkeit angesehen, der Politik und den Medien näherzukommen. Sie tragen nach Auffassung der Jugendlichen dazu bei, erstmalig und nachhaltig politisches Interesse zu wecken, sowie Fähigkeiten zum Dialog wie Argumentieren, Zuhören, Nachvollziehen und Überzeugen zu fördern. Die wiederum werden von den Jugendlichen als Grundvoraussetzung jeder politischen Debatte und für eine Beteiligung am demokratischen Gemeinwesen eingeschätzt. Zudem werde in den Projekten das Selbstbewusstsein gefördert. Der Strukturierte Dialog als solcher wird als ein Beitrag zu einem engeren Zusammenwachsen der europäischen Gemeinschaft gesehen und insbesondere für Jugendliche als Möglichkeit der Mitwirkung.

Aber viele Wünsche offen

Allerdings zeigt die Evaluation der ersten Phase auch, dass der Strukturierte Dialog in Deutschland vielerorts noch am Anfang steht. Nach der Devise „Mehr davon!“ bedürfe es für eine längerfristige und nachhaltige Umsetzung nach Einschätzung vieler Mitwirkender mehr Zeit und eine Verstetigung durch feste Strukturen. Nicht punktuelle Projekte, sondern eine anhaltende Stärkung der Jugendpartizipation sowie eine Vertiefung und Verankerung des Strukturierten Dialogs vor Ort müssten erreicht werden. Die angestoßenen Dialogprozesse müssten fortgesetzt und eine längerfristige Kontinuität in den Austausch zwischen Jugend und Politik und die Mitwirkung Jugendlicher gebracht werden. Eine besondere Bedeutung wird hierbei den Trägern der Jugend- und Jugendbildungsarbeit sowie den Jugendverbänden in ihrer Funktion als Kümmerer und Unterstützer der Projekte des Strukturierten Dialogs beigemessen. Sie könnten Räume für den Dialog (und ihre Vorbereitung darauf) schaffen, in denen sich Jugendliche wohlfühlen.

Mangelndes Feedback seitens der Politik, von der lokalen bis hin zur EU-Ebene oder zu unverbindliche und nur allgemeine Äußerungen werden daher auch von fast allen Akteuren als das große Manko angesehen. Jugendliche, die Zweifel an der Nachhaltigkeit und Wirksamkeit ihrer Anliegen in der Politik haben, wünschen sich eine öffentlichkeitswirksamere Umsetzung, um mehr Aufmerksamkeit und einen höheren Druck auf die politische Ebene zu erzeugen.

Darüber hinaus, so resümieren die Autorinnen, müsse die europäische Dimension in den Projekten deutlicher geschärft werden. Einige Projekte, in denen der Partizipationsprozess der Jugendlichen als solcher im Vordergrund steht, taten sich mit dem Einbezug der europäischen Ebene schwer. Hier ging es viel grundlegender darum, junge Menschen erst einmal an die EU heranzuführen und einen Bezug zur europäischen Politik herzustellen. Genau auf diesen Aspekt des „europäischen Mehrwerts“ wird die wissenschaftliche Evaluierung in der zweiten Umsetzungsphase einen Schwerpunkt legen.

(JUGEND für Europa)

Dokumente

  • Resonanz und Wirkung des Strukturierten Dialogs.

    Eva Feldmann-Wojtachnia, Barbara Tham: Evaluierungsbericht zur ersten Phase der Umsetzung im Rahmen der EU-Jugendstrategie in Deutschland (2010-2013)
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