Mehr Bildungschancen für Migrantenkinder: Grünbuch eröffnet Debatte

Die Kommission will mit einem Grünbuch über die Bildungssituation von Kindern mit Migrationshintergrund das Nachdenken über eine Verbesserung der Bildungssysteme in den Mitgliedstaaten anstoßen.

via Europäische Kommission

Mit einem neuen Grünbuch „Migration & Mobilität: Chancen und Herausforderungen für die EU-Bildungssysteme“ reagiert die EU-Kommission auf neue Anforderungen an die Bildungspolitik der Mitgliedstaaten infolge von Einwanderung und EU-interner Mobilität. Im Mittelpunkt des vorgelegten Grünbuchs steht insbesondere die Frage, wie eine Ausgrenzung im schulischen Bereich vermieden und somit mehr Chancengleichheit im Bildungswesen erreicht werden kann.

Denn internationalen und nationalen Angaben zufolge leiden viele Migrantenkinder in der EU unter einer Bildungsbenachteiligung im Vergleich zu inländischen Gleichaltrigen: Sie verlassen die Schule früher und absolvieren seltener ein Hochschulstudium. Noch beunruhigender ist, dass in einigen Ländern die schulischen Leistungen von Schülern der zweiten Einwanderergeneration schlechter sind als die von Schülern der ersten Generation. Gleichzeitig spricht einiges dafür, dass sich die Tendenz zur Trennung nach sozioökonomischen Merkmalen noch verstärkt, da sozial besser gestellte Eltern oftmals ihre Kinder aus Schulen mit hohem Migrantenanteil herausnehmen. Die Unterschiede zwischen den Schulen nehmen immer mehr zu.

Das Grünbuch, das eine öffentliche Konsultation einleitet, untersucht folgerichtig folgende Fragen: Wie kann Segregation in der Schullandschaft verhindert werden, um für Gerechtigkeit in der Bildung zu sorgen? Wie kann der zunehmenden sprachlichen und kulturellen Vielfalt Rechnung getragen werden, und wie können interkulturelle Kompetenzen in der EU aufgebaut werden? Wie kann die Didaktik angepasst und wie können Brücken zu Migrantenfamilien und -gemeinschaften geschlagen werden?

Das Grünbuch liefert einen kurzen Überblick über die Politikansätze und Konzepte, die den Bildungserfolg von Migrantenschülern stützen können. Bildungssysteme, die stark auf die Chancengleichheit im Bildungswesen ausgerichtet sind, fördern auch die Integration von Migrantenschülern am besten. Zu den in dieser Hinsicht offensichtlich besonders zweckmäßigen politischen Maßnahmen gehören: Vorschulerziehung, Sprachunterricht, zusätzliche Bildungsförderung wie Mentoring und Tutoring, interkulturelle Bildung sowie Partnerschaften mit Familien und Gemeinschaften. Die Verhinderung von Segregation und die Desegregation von „Ghetto-Schulen“ sind allem Anschein nach wichtige Voraussetzungen für eine echte Chancengleichheit für Migrantenschüler. Die Sicherung hoher Qualitätsstandards an allen Schulen, insbesondere in Bezug auf Unterricht und Führung, sind in diesem Zusammenhang von wesentlicher Bedeutung. Das Arbeitsdokument der Kommissionsdienstellen, das zum Grünbuch erstellt wurde, bringt dazu Erkenntnisse, Daten und Statistiken, die nach Mitgliedsländern aufgeschlüsselt sind.

Mit dem Grünbuch soll ein Meinungsaustausch darüber gefördert werden, wie diese Herausforderungen auf allen Ebenen anzugehen sind und wie die EU künftig die Mitgliedstaaten bei der Formulierung ihrer Bildungspolitik in diesem Bereich unterstützen könnte. Interessierte Kreise sind aufgefordert, sich vor dem 31. Dezember 2008 zu der politischen Herausforderung, politischen Antworten und der möglichen Rolle der EU bei der Unterstützung der Mitgliedstaaten zu äußern. Die EU-Kommission wird die Ergebnisse dieser Konsultation analysieren und Anfang 2009 ihre Schlussfolgerungen veröffentlichen.

Weitere Informationen zum Grünbuch und der damit eingeleiteten öffentlichen Konsultation gibt es auf den neuen Seiten der Generaldirektion Beschäftigung, soziale Angelegenheiten und Chancengleichheit

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