Lernkontrolle: Zwischenevaluation für das Programm für Lebenslanges Lernen veröffentlicht

Das Programm wirkt vor allem auf individueller und organisatorischer Ebene, auf der Systemebene aber eher "mäßig". Gelobt und weiter empfohlen wird der synergetische Zuschnitt.

Das Programm für Lebenslanges Lernen ist auf die Bedürfnisse der Zielgruppen ausgerichtet – vor allem in der Bildungs- und Ausbildungswelt. So lautet das Gesamtfazit der Zwischenevaluation des Programms für Lebenslanges Lernen für den Zeitraum 2007-2009, die aktuell von der Europäischen Kommission vorgelegt wurde.

Dabei sind die Erfolge vor allem der dezentralen Aktionen auf individueller und organisatorischer Ebene zu verzeichnen, auf der Systemebene sind sie eher „mäßig“. Das Programm erreichte Personal und Lernende in der formalen allgemeinen und beruflichen Bildung, und diese waren mit der Qualität des Lernens, dem Erwerb, der Anerkennung und der Validierung von Fähigkeiten und Kompetenzen zur persönlichen Entwicklung, zum Spracherwerb und zur Sozialkompetenz zufrieden. Allerdings brachte es wenig konkrete Vorteile für die berufliche Karriere der Zielgruppen.

Benchmarks verfehlt

Kein Wunder, dass vor diesem Hintergrund die Autoren ihrer Evaluation mahnend voranstellen, dass die von den Bildungsministerinnen und -ministern festgesetzten fünf Benchmarks, die bis 2010 erreicht werden sollten, verfehlt wurden. Weder wurde der verabredete Anteil der Schulabbrecher gesenkt, noch die Gesamtzahl der Hochschulabsolventen in Mathematik, Naturwissenschaften und Technik, erhöht. Es haben nicht mindestens 85% aller 22jährigen die Sekundarstufe II abgeschlossen noch wurden die Leseleistungen ausreichend verbessert. Und auch die durchschnittliche Weiterbildungsbeteiligung liegt noch nicht bei 12,5% der erwachsenen Bevölkerung.

Dafür kann natürlich nicht das EU-Programm verantwortlich gemacht werden, die Kärrnerarbeit liegt hier bei den Mitgliedstaaten. Es gibt aber einen Eindruck davon wieder, wie angespannt insgesamt die Situation ist, unter der sich das Programm für Lebenslanges Lernen entfalten soll.

Ein Vergleich der europäischen Zahlen zeigt denn auch erhebliche Entwicklungsunterschiede zwischen den Bildungs- und Ausbildungssystemen. Ein Beispiel ist der Maßstab für die Bildungsteilnahme der Bevölkerung im Alter von 4 bis 64 am formalen und nicht- formalen Lernen. Hier ist Schweden das Land mit der besten Performance, wobei sein Index für Lebenslanges Lernen fast 30 Punkte über dem EU-Durchschnitt liegt. Der Index von Bulgarien hingegen liegt mehr als 16 Punkte unter dem Durchschnitt. Die Hoffnung, dass wiederum das Programm hier maßgeblichen Einfluss haben könnte, ist wohl übertrieben.  

Dennoch wird das Programm für Lebenslanges Lernen an knallharten Zahlen gemessen: Comenius soll über den Zeitraum des Programms mindestens drei Millionen Schüler an gemeinsamen Bildungsaktivitäten beteiligen; Erasmus soll insgesamt drei Millionen Personen zu Mobilitätserfahrungen verhelfen; Leonardo da Vinci soll die Zahl der Praktika in Unternehmen bis 80.000 pro Jahr bis zum Ende des Programms erhöhen.

Grundtvig soll bis zum Jahr 2013 jährlich die Mobilität von 7.000 Personen in der Erwachsenenbildung fördern (was übrigens in etwa der Zahl an Jugendarbeitern entspricht, die über JUGEND IN AKTION per anno bewegt und qualifiziert werden).

Integriert oder nicht

Spannend war die Frage, wie die Evaluatoren das Zusammenspiel in dem vielteiligen Programm, das sich in fünf Unterprogramme und 60 (!) Aktionen aufteilt, beurteilen. Die Evaluatoren geben an, dass die Integration der bisherigen Programme eine wesentlich stärkere Koordinierung und Kohärenz der Aktivitäten bewirkt habe und es wichtige Synergien zwischen den Teilprogrammen gab, „die im Falle einer separaten Implementierung dieser Teilprogramme nicht aufgetreten wären“. Allerdings nennen sie dabei vor allem Effekte in den Bereichen Verwaltung und Werbung für das Programm. Eine „weitere Nutzung von Synergieeffekten wurde verhindert durch die Segmentierung des Programms,“ heißt es. Das Programm bliebe nach wie vor ein Paket sektoraler Programme, mit dem Schwerpunkt auf dem formalen Bildungsbereich.

Auch ein zukünftiges Programm für Lebenslanges Lernen, empfehlen die Evaluatoren, sollte als „integriertes“ fortgesetzt und die Verbindungen zwischen den Teilprogrammen gestärkt werden. So könnten thematische, sektorübergreifende Ausschreibungen erfolgen oder Anträge, die sich auf Probleme in mehr als einem Bildungssektor richten und zu mehr als einem Bildungssektor beitragen, sollten zusätzliche Punkte bekommen. Das zukünftige Programm sollte besser auf ET 2020 (die Bildungs-Strategie der EU), auf die „Youth on the Move"-Initiative, die „Agenda für neue Kompetenzen und Beschäftigungsmöglichkeiten“ und andere Initiativen ausgerichtet sein. Die Evaluatoren monieren, dass bisher überwiegend Personen, die sich in formalen Bildungs- und Ausbildungsgängen befinden, an den Programmen teilnehmen - mit Ausnahme des Grundtvig-Programms für die Erwachsenenbildung. Perspektivisch soll sich das ändern. Deswegen solle für eine besseren Verbindung von formalem, nicht formalem und informellem Lernen die weitere Integration des Programms in der Zukunft verfolgt werden. Angesichts der vorher geäußerten Ergebnisse steckt in dieser Empfehlung wohl mehr auftraggeberkonforme Hoffnung als gefestigte Einschätzung.

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