Lernen lohnt auch in der Krise: OECD-Bildungsbericht 2010 "Bildung auf einen Blick" veröffentlicht

Eine Steigerung des allgemeinen Bildungsniveaus rechnet sich. Deutschland knausert.

via OECD, BMBF, KMK, GEW

Zu einem Zeitpunkt, an dem die Regierungen versuchen, ihre öffentlichen Finanzen im Gefolge der globalen Wirtschaftskrise wieder ins Lot zu bringen, steht das Thema Bildung erneut im Brennpunkt. Zum einen ist Bildung in den meisten Ländern ein erheblicher öffentlicher Ausgabenposten, zum anderen sind Bildungsinvestitionen von entscheidender Bedeutung, wenn die Länder angemessen auf den technologischen und demografischen Wandel reagieren wollen, der die Arbeitsmärkte derzeit verändert. Im OECD-Bericht „Bildung auf einen Blick“ werden alljährlich internationale Vergleichskennzahlen zu Bildungsergebnissen, Bildungsinvestitionen und Bildungsbeteiligung vorgestellt: Zu den Bildungsergebnissen, zu den Investitionen in Bildung, zur Bildungsbeteiligung und nach Bildungsstufen und -bereichen sowie zum Lernumfeld von Schulen. Auch Indikatoren zu Bildung und Beschäftigung sind fester Bestandteil der OECD-Unterschung. Die im diesjährigen Band verwendeten Basisdaten stammen überwiegend aus den Jahren 2007 und 2008.

Zuerst die gute Nachricht: Das Bildungsniveau hat sich in den vergangenen 30 Jahren insgesamt stark erhöht, mit ausgeprägten Unterschieden zwischen jüngeren und älteren Erwachsenen. Im Durchschnitt der OECD-Länder ist der Anteil der 25- bis 34-Jährigen, die mindestens die Sekundarstufe II abgeschlossen haben, um 22 % höher als in der Altersgruppe der 55- bis 64-Jährigen. Auch die Mobilität von Studierenden – gemessen anhand der Zahl der Studierenden, die zum Zweck eines Hochschulstudiums ins Ausland gehen – nimmt weiter zu. Im Jahr 2008 waren über 3,3 Millionen Studierende im Tertiärbereich außerhalb des Landes ihrer Staatsangehörigkeit (des Herkunftslandes) eingeschrieben, was einem Anstieg um 10,7% gegenüber dem Vorjahr entspricht. Dagegen stehen Daten wie eine 31%-Abbrecherquote beim Hochschulstudium oder die Tatsache, dass sich in vielen Ländern befinden ältere Jugendliche (15-19 Jahre) weder in einer Bildungsmaßnahme noch in der Erwerbsbevölkerung oder den Arbeitslosenstatistiken. Ihr Anteil reicht von über 32,6% in der Türkei bis zu 2,1% in den Niederlanden.

Bildungsausgaben

Das Ausgabenniveau weist sowohl in absoluter als auch in relativer Rechnung zwischen den Ländern erhebliche Unterschiede auf. Die OECD-Länder geben 6,2% ihres Gesamt-BIP für Bildungseinrichtungen aus, konkret reichen die Ausgaben von über 7% in Dänemark, Island, Israel, den Vereinigten Staaten und dem Partnerland Russische Föderation bis zu 4,5% oder weniger in Italien und der Slowakischen Republik. Die gesamten öffentlichen und privaten Ausgaben für Bildungseinrichtungen lagen in Deutschland 2007 nach internationaler Abgrenzung bei 4,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, mit in den letzten Jahren rückläufiger Tendenz. Damit liegt Deutschland gerade mal vor den drei genannten Schlusslichtern. Zwischen 2000 und 2007 sind in fast allen OECD-Ländern die Ausgaben pro Schüler im Primar- und Sekundarbereich gestiegen, teilweise sehr deutlich. In der tertiären Ausbildung sind im gleichen Zeitraum die Ausgaben pro Studierenden in etwa der Hälfte der OECD-Länder gestiegen. In Deutschland haben sich in beiden Bereichen die Ausgaben dagegen kaum verändert.

Rendite

Dabei rentieren sich die Ausgaben um ein Vielfaches. Der gesamtwirtschaftliche und gesellschaftliche Nutzeffekt der Bildung ist überzeugend belegt. Im Durchschnitt der OECD-Länder dürfte ein männlicher Absolvent des Tertiärbereichs im Lauf seines Berufslebens im Vergleich zu einer Person, die nur einen Sekundarstufe-II-Abschluss aufweist, zusätzliche Steuereinnahmen und Sozialversicherungsbeiträge in Höhe von 119 000 US-$ generieren. Selbst nach Abzug des staatlichen Aufwands, der den Abschluss mitfinanziert hat, bleibt ein Nettoertrag von durchschnittlich 86 000 US-$, was nahezu dem Dreifachen des Betrags der öffentlichen Investitionen je Studierenden im Tertiärbereich entspricht. Die gesellschaftlichen Erträge sind sogar noch größer, da sich viele andere Nutzeffekte der Bildung nicht direkt in den Steuereinnahmen niederschlagen. Die Finanzierung wie das Lernen selbst lohnen sich also auch und gerade in der Krise.

Allerdings, so der OECD-Bericht, reichen einfache Mehrinvestitionen in Bildung nicht aus. Beunruhigenderweise folgten dem beachtlichen Anstieg der Ausgaben je Schüler bzw. Studierenden in den vergangenen zehn Jahren in vielen Ländern keine Verbesserungen der Qualität der Lernerträge. Wie OECD-Generalsekretär Angel Gurría in seinem Vorwort zu Bildung auf einen Blick feststellt, unterstreichen die Ergebnisse, „welch große Anstrengungen nötig sind, wenn sich das Bildungswesen ‚neu‘ erfinden soll, wie dies andere Berufsbereiche bereits getan haben, um das Kosten-Nutzen-Verhältnis zu verbessern.“

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