18.05.2012Erasmus+ (2014 - 2020)

Lernen in Europa: Ausschuss der Regionen fordert stärkere Berücksichtigung aller Lernformen

Mit der Verabschiedung einer Stellungnahme zum Kommissionsvorschlag "Erasmus für alle" am 4. Mai 2012 ist der Ausschuss der Regionen (AdR) die zweite EU-Institution, die offiziell Position zu „Erasmus für Alle“ bezieht. Der Wirtschafts- und Sozialausschuss der EU hatte bereits Ende März seinen Standpunkt im Plenum abgestimmt.

Der nun vom AdR angenommene Text der Berichterstatterin Yoomi Renström aus Schweden fordert,  gerade auch durch Initiative der deutschen Bundesländer ein eigenes Jugendkapitel.

Als weitere zentrale Forderung der einstimmig (bei zwei Enthaltungen) angenommenen Stellungnahme sprechen sich die Vertreter und Vertreterinnen der Regionen und Kommunen für einen anderen Programmnamen aus. Mit dem vorgeschlagenen Titel „Erasmus für alle" wird nach Auffassung des AdR der Zweck des breiteren Programmansatzes verfälscht, da dies einen Schwerpunkt auf die Hochschulbildung vermuten ließe. „LERNEN IN EUROPA für allgemeine und berufliche Bildung, Jugend und Sport“ als Programmname kommuniziere deutlicher das Verständnis eines Programms, das sich auf die unterschiedlichen Lebensabschnitte und Bildungsbereiche beziehe.

Ein eigenständiges Jugendkapitel fordert der AdR mit dem Hinweis auf die spezifischen Anforderungen des informellen und nicht formalen Lernens von Jugendlichen, das durch das bisherige eigenständige Jugendprogramm der EU gewährleistet wurde. Eine Unterordnung des Jugendbereiches unter die diversen formalen Bildungsmaßnahmen könne diesen Anforderungen nicht gerecht werden. „So sehr sektorübergreifende Zielsetzungen und Projekte wünschenswert erscheinen mögen, so schwierig lässt sich dies in der Praxis verwirklichen. Diesbezüglich sollten die Bedingungen an das Gesamtprogramm nicht unrealistisch hoch angesetzt werden“, meint der AdR. Er weist zudem auf die positiven Ergebnisse der Maßnahmen zur Unterstützung der politischen Partizipation junger Menschen im derzeitigen Programm JUGEND IN AKTION hin, wie z.B. der Strukturierte Dialog, und plädiert für deren Fortführung und Weiterentwicklung im Rahmen der neuen Programmgeneration.

Der AdR geht in der Stellungnahme auch auf die Rolle von lokalen und regionalen öffentlichen Strukturen  bei der Umsetzung eines zukünftigen Programms ein. Er fordert, dass sie an der Umsetzung und dem Monitoring des Programms mitwirken. Auch regionale Partnerschaften, die Bildungsprojekte mit spezifischen jeweils vor Ort festgestellten Bedürfnissen verknüpfen, sollten im neuen Programm entsprechende Beachtung finden sollten.

Im Zusammenhang mit den Nutzungsmöglichkeiten des neuen Programms erwartet der AdR Klarstellungen und Anpassungen, insbesondere was die Mitwirkung kleinerer Organisationen und niedrigschwelliger Zusammenarbeit angeht.

Bedenken äußern die Mitglieder des Ausschusses hinsichtlich der vorgeschlagenen finanziellen Schwerpunktsetzung auf Mobilitätsprojekte. Ein größerer europäischer Mehrwert könne ihrer Auffassung nach vor allem durch Kooperationsprojekte und institutionelle Zusammenarbeit erzielt werden. Das solle auch kleinere auf bestimmte Zielgruppen und Themen zugeschnittene Kooperationsprojekte berücksichtigen.

Was die nationalen Agenturen betrifft so will der AdR die Entscheidung den Mitgliedstaaten überlassen, denn diese seien dafür zuständig, nationale dezentralisierte Programmmaßnahmen durchzuführen und zu verwalten.

Wirtschafts- und Sozialausschuss der EU

Der Wirtschafts- und Sozialausschuss der EU (EWSA) bleibt in seiner Stellungnahme hinsichtlich der Eigenständigkeit eines Jugendkapitels zurückhaltender. Er befasst sich aber ausführlicher mit den Gefahren eines potentiellen Wegbrechens der bisherigen eigenen Jugendförderung. Der Ausschuss fürchtet, dass es mit der neuen Programmausrichtung für kleine und lokale Jugendorganisationen sowie benachteiligte junge Menschen schwieriger wird, sich zu beteiligen und zeigt die möglichen Konsequenzen auf: viel weniger Jugendorganisationen orientierten sich europäisch, es würde nur noch Raum für große Organisationen und Institutionen bleiben; lokale, regionale und kleine Organisationen würden das Nachsehen haben.

Für die Mitglieder des EWSA ist die sehr gute Wirkung und nachhaltige Resonanz von JUGEND IN AKTION im Programmvorschlag nicht ausreichend widergespiegelt. Deshalb wollen sie eine höhere politische und finanzielle Gewichtung von Jugend und der Jugendpolitik im Programm. Sie fordern „eine Überprüfung der Frage, ob durch den vorgeschlagenen Mindestanteil für Jugend von 7% sichergestellt ist, dass die Ziele für den Jugendbereich erreicht werden, und anderseits die Einführung eines eigenen Unterprogramms für Maßnahmen für die Jugend, das mit angemessenen Mitteln ausgestattet wird“.

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