"Lebenslanges Lernen ist kein Luxus": Sachverständigen-Gruppe legt Zwischenbilanz zur "Lissabon-Strategie" vor

Eine Sachverständigengruppe unter Leitung des früheren niederländischen Ministerpräsidenten Wim Kok kommt in einem Bericht über die Umsetzung der Lissabon-Strategie zum Ergebnis, dass die Europäische Union die darin festgelegten Ziele nicht erreicht hat. Unter anderem empfiehlt sie bessere Strategien für lebenslanges Lernen.

via Pressedienst des Europäischen Rates

Der Bericht, der am 4. November dem Europäischen Rat vorgelegt wurde, nennt die seit Beginn der Strategie im Jahr 2000 erzielten Fortschritte "enttäuschend". Angesichts der Herausforderungen, vor allem der schnell alternden Bevölkerung und des wachsenden internationalen Konkurrenzdrucks, habe die Europäische Union es versäumt, die Reformen mit dem erforderlichen Nachdruck voranzutreiben. Sie drohe ihr ehrgeiziges Ziel, bis 2010 die “dynamischste und wettbewerbsfähigste wissensbasierte Wirtschaft der Welt” zu werden, zu verfehlen. Dass die Umsetzungsbilanz so enttäuschend ausfällt, habe verschiedene Gründe: eine überfrachtete Agenda, eine mangelhafte Koordinierung, miteinander konfligierende Prioritäten. Vor allem aber mangele es an einem entschlossenen politischen Handeln.

Der Bericht macht diese Mängel auch für die Verwirklichung der Wissensgesellschaft aus. So erfordere die Lissabon-Strategie im Bereich "Bildung und Humankapital" die Halbierung der Zahl der Schulabbrecher, eine Anpassung der Systeme der allgemeinen und beruflichen Bildung an die Wissensgesellschaft, eine Förderung des lebenslangen Lernens für alle und die Förderung und Erleichterung der Mobilität. Hier sei zu wenig geschehen: "Damit Europa die benötigten gut ausgebildeten, kreativen und mobilen Arbeitskräfte bekommt, müssen die Systeme der allgemeinen und beruflichen Bildung verbessert werden. Nur so wird man erreichen, dass junge Menschen in ausreichender Zahl mit den angemessenen Fähigkeiten die Bildungseinrichtungen verlassen, um Arbeitsplätze in dynamischen Sektoren, Sektoren mit hoher Wertschöpfung und Nischensektoren zu besetzen. Die Mitgliedstaaten müssen ehrgeizige politische Konzepte zur Anhebung des Bildungsniveaus, etwa durch Halbierung der Schulabbrecherzahlen in Europa, und zur Öffnung der Systeme des lebenslangen Lernens für alle erarbeiten – und alle zur Beteiligung daran ermutigen."

Der Bericht empfiehlt nachdrückliche nationale Strategien in den Bereichen Forschung und Entwicklung, Binnenmarkt, Wirtschaftsklima, Arbeitsmarkt und Ökologische Nachhaltigkeit.

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