Kurz berichtet: Beirat des Bundes zur Umsetzung der EU-Jugendstrategie tagte am 14.03.2012 in Berlin

Der Beirat diskutierte über zwei zentrale Fragen bei der Umsetzung der EU-Jugendstrategie: Welche Rolle kann die Qualifizierung von Fachkräften bei einer stärkeren Ausrichtung der Jugendhilfe auf europäische Themen spielen und welches Modell von Governance kann dem Umsetzungsprozess zugrunde gelegt werden?

 

Qualifizierung von Fachkräften bei stärkerer Ausrichtung der Jugendhilfe auf europäische Themen

Hans Joachim Schild vom "partnership" im Jugendbereich zwischen Europarat und EU-Kommission stellte zu Beginn der Sitzung Elemente der europäischen Diskussion vor, Jochen Butt-Pośnik erläuterte die Rahmung des Themas aus der Sicht der EU-Jugendstrategie. Hans Brandtner informierte über eine Zusammenstellung der Servicestelle zu europäischen Elementen in den Fortbildungsprogrammen der Länder.

In der anschließenden Diskussion wurde festgestellt, dass Angebote der nationalen und der europäisch ausgerichteten Fachkräftequalifizierung bisher weitgehend parallel laufen. Es wurde betont, dass es wichtig sei, beide Prozesse mit ihren Formaten, Methoden und Zielgruppen stärker als bisher aufeinander zu beziehen. Dabei sind verschiedene Aspekte besonders für die Jugendhilfe in Deutschland sinnvoll. Eine europäische Öffnung der Fachkräftefortbildung entspricht der Erweiterung der Lebenswelt junger Menschen auf andere Europäische Länder und unterstützt die Impulse, die sich auch für Fachkräfte aus internationalen Erfahrungen ergeben.

Eine weiterer Aspekt ist die Frage, wie die vielen „Ehrenamtler“ in diesen Prozess eingebunden werden können.

Für Träger und Organisationen ist die europäische Öffnung von Qualifizierungsangeboten ein wichtiger Beitrag zur Sicherung ihrer Zukunftsfähigkeit. Sie fördert sowohl die fachliche Weiterentwicklung der Arbeit als auch die europäische und internationale Vernetzung der Einrichtungen. In einigen Kommunen ist die Debatte inzwischen unter anderem durch die jugendpolitische Initiative „JiVE“ angekommen, auch wenn hier die prekäre Finanzlage ein jugendpolitisches Weiterdenken oftmals erschwert.

Insgesamt wird in der Diskussion betont, dass „Europa“ nicht etwa, von oben verordnet und additiv zur Praxis der Jugendhilfe hinzukommen dürfe, sondern zu einem integralen Bestandteil der Kinder- und Jugendhilfe werden müsse.

Ein Governance-Modell für die Umsetzung der EU-Jugendstrategie

In einem zweiten Diskussionsstrang erörterte der Beirat ein Governance-Modell, das vom Deutschen Jugendinstitut (DJI) bei seiner Evaluation der Wirkungen und Ergebnisse des Umsetzungsprozesses zugrunde gelegt werden soll.

Das Modell trägt zwei Umständen Rechnung: Zum einen der zentralen Rolle der Bund-Länder Zusammenarbeit, die jugendpolitisch bisher einmalig ist und quasi als Modell im Modell betrachtet wird. Zum anderen trägt das Modell der Tatsache Rechnung, dass der Bund in der Jugendpolitik keine Praxisverantwortung hat sondern den Umsetzungsprozess der EU-Jugendstrategie vor allem auf kommunikativem Wege begleiten muss. Dazu haben Bund und Länder verschiedene Instrumente und entwickelt – die Bund-Länder AG, der Beirat des Bundes, die Koordinierungsstelle für den Strukturierten Dialog, verschiedene Angebote der Öffentlichkeitsarbeit und geeignete Veranstaltungsformate. Die Instrumente organisieren den Umsetzungsprozess zwischen Bund und Kommune in Anlehnung an die Offenen Methode der Koordinierung (OMK) und sollen nun durch das DJI auf ihre Wirksamkeit bei der Implementierung europäischer Prozesse in die deutsche jugendpolitische Praxis hin untersucht werden.

Zu einigen kritischen Anmerkungen, dass das vorgestellte Governance-Modell strukturell verortet sei und keine Bezüge zu Inhalten und zum gesetzlichen Rahmen der Jugendhilfe (SGB VIII) herstelle, wurde in der Diskussion betont, dass der Bund vor allem einen Rahmen für die Umsetzung zur Verfügung stellen müsse. Die inhaltliche Verantwortung für die Umsetzung läge bei den freien Trägern der Jugendhilfe, den Kommunen und den Ländern. Auch wurde betont, dass es über die Klärung von Strukturen und Prozessen inzwischen erfolgreich gelungen sei, Handlungsfähigkeit auf der inhaltlichen Ebene herzustellen.

In diesem Zusammenhang wies das BMFSFJ darauf hin, dass es nun darum geht, aktive Initiativen und Akteure ins Boot zu holen und vorhandene Förderinstrumente um eine europäische Dimension anzureichern.

(Quelle: JUGEND für Europa - Servicestelle zur Umsetzung der EU-Jugendstrategie in Deutschland)

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