20.05.2011Kinderrechte

Krabbelbildung: Jugendministerrat verabschiedet Beschluss zur frühkindlichen Betreuung, Bildung und Erziehung

Frühkindliche Bildungs- und Betreuungsmöglichkeiten sollen verbessert werden.

Der Strategie Europa 2020 entkommen auch die Kleinsten nicht. Sie wird aktuell reklamiert auch für eine Entwicklung, die allerdings älter ist als die straffe ökonomische Kandare, an welche die Bildung zurzeit genommen wird.

Aufgrund der Erkenntnis, dass frühkindliche Bildung die Grundlage späteren Bildungserfolgs, insbesondere für benachteiligte Kinder, sein kann, ist dieser Bereich in den letzten Jahren auf europäischer Ebene immer mehr in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gerückt. Schon mit der Mitteilung „Exzellenz und Gerechtigkeit in den europäischen Systemen der allgemeinen und beruflichen Bildung“ von 2006 umriss die EU-Kommission den langfristigen Nutzen von Investitionen in die frühkindliche Bildung und forderte mehr Qualität. In vielen weiteren Dokumenten zur Bildung unterstrichen Kommission und Rat auch die Relevanz frühkindlicher und vorschulischer Förderung. 

Die EU-Mitgliedstaaten arbeiten gemeinsam an der Entwicklung eines EU-weiten Angebots an Vorschulunterricht. Die EU-Bildungsminister haben als Ziel vorgegeben, dass bis 2020 mindestens 95 % der Kinder im Alter zwischen vier Jahren und dem gesetzlichen Einschulungsalter in den Genuss von Vorschulbildung kommen.

Im Februar 2011 legte die Kommission die wichtigsten Fragen für die künftige europäische Zusammenarbeit in der frühkindlichen Bildung und Betreuung in einer Mitteilung „Frühkindliche Betreuung, Bildung und Erziehung: der bestmögliche Start für alle unsere Kinder in die Welt von morgen" vor. Der Zugang und die Qualität der Dienstleistungen von der Geburt bis zum Beginn der Schulpflicht müsse verbessert werden, stellte sie fest. Im Februar veranstaltete die ungarische Ratspräsidentschaft einen Kongress zum gleichen Thema. In ihrer Sitzung am 20. Mai 2011 einigten sich die Bildungsministerinnen und -minister der Europäischen Union nun auf einen Beschluss mit gleichlautendem Titel. Der („Early childhood education and care - ECEC) ist übrigens dem OECD-Programm) entlehnt, das auf der Grundlage eines Review-Verfahrens in zahlreichen Ländern (auch Deutschland) die Politik, Programme und Versorgung für Kinder von 0 bis zum schulfähigen Alter untersuchte und anschließend Politikempfehlungen formulierte.  

Im aktuellen Ratsbeschluss wird spitz gerechnet. So betonen die Ministerinnen und Minister, das ECEC „die wesentlichen Grundlagen für den Spracherwerb, ein erfolgreiches lebenslanges Lernen, soziale Integration, Persönlichkeitsentwicklung und Beschäftigungsfähigkeit“ lege, was wiederum das spätere Lernen effektiver und nachhaltiger mache, die „Bildungsgerechtigkeit erhöhe und die Kosten für die Gesellschaft in Form von verlorenen Talenten und öffentlichen Ausgaben für Wohlfahrt, Gesundheit und sogar Justiz“ vermindere.

Von einer hohen Qualität frühkindlicher Bildung profitierten vor allem die sozioökonomisch Benachteiligten, die mit Migrations- oder Roma-Hintergrund oder mit Behinderungen. Gute Bildung werde den Zirkel der Benachteiligung durchbrechen, der oft zu Schulabbruch und damit in die Armut führe. In diesem Sinne seien entsprechende Investitionen ganz im Sinne der Strategie Europa 2020, mit der man ja den Schulabbruch unter 10% senken möchte und mindestens 20 Mio. Menschen aus dem Armutsrisiko heraushelfen will.

Aber immer noch sind nicht 95% der Kinder in frühkindlichen Bildungs- und Betreuungseinrichtungen. Deshalb müsse ein Ansatz her, der auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene alle Stakeholder einbezieht, inklusive der Familien, und das Anliegen auch transsektoral in die Politik transportiert.

Die Liste der Forderungen umfasst unter anderem einen besseren Zugang für alle zu Bildungs- und Betreuungsmöglichkeiten, bessere Finanzierungsmodelle, mehr Qualität, mehr Forschung und Evaluation, eine bessere Ausbildung für das Personal sowie mehr männliches Personal im frühpädagogischen Bereich. 

Im Rahmen der Offenen Methode der Koordinierung sollen die Mitgliedstaaten enger zu dem Thema zusammenarbeiten und „effizienten Gebrauch“ von den europäischen Fördermöglichkeiten machen.

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