01.05.2006Kinderrechte

Kinderrechte in der EU - nicht für alle

Ein Bericht dokumentiert ausführlich Menschenrechtsverletzungen an Kindern und Jugendlichen in der Europäischen Union.

via EURONET

Circa 94 Mio. Kinder unter 18 Jahren leben in der Europäischen Union. Kinder haben eigene Rechte, die 1989 von der Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen festgeschrieben wurden. Kinder verdienen Aufmerksamkeit als gegenwärtige europäische Bürger, nicht nur als künftige Erwerbstätige.

So beginnt ein Bericht, den das Europäische Netzwerk für Kinder (European Children´s Network / EURONET), eine Vereinigung von Netzwerken und Organisationen, die sich für die Interessen und Rechte von Kindern einsetzen, herausgebracht und dem Europäischen Parlament vorgestellt hat.

Der 162-seitige Bericht "Was ist mit uns? Kinderrechte in der EU" untersucht in 15 Kapiteln die Problemlagen und vielfachen Menschrechtsverletzungen von Kindern in der Europäischen Union, zum Beispiel zu den Themen Kinderarmut und soziale Ausgrenzung, Gewalt gegen Kinder, Diskriminierung, Asyl und Migration, Gesundheit, Umwelt, Medien und Internet, Bildung, Jugend und Beschäftigung oder Partizipation.

Der Bericht analysiert außerdem die Politik der Europäischen Union und zeigt detailliert, wo der gegenwärtige Ansatz der EU-Legislative, ihrer Politik und Strukturen, ineffizient gegenüber der Vielzahl von Problemen bleibt, mit denen Kinder zu kämpfen haben. Einige Beispiele:

  • Kinder sind zunehmend Opfer von Gewalt und werden in und zwischen EU-Mitgliedstaaten für sexuelle oder andere Zwecke (Betteln, Straftaten) ausgebeutet. Laut UNICEF-Bericht aus dem Jahr 2003 sterben jede Woche in Großbritannien und in Deutschland zwei Kinder an den Folgen sexuellen Missbrauchs, in Frankreich sind es sogar drei Kinder pro Woche.
  • Die Rechte von Asyl suchenden Kindern werden häufig verletzt, indem sie in Gewahrsam genommen werden oder ihnen der Zugang zu ausreichender Nahrung, Unterbringung, Bildung und Gesundheitsversorgung versagt wird.
  • Viele Kinder sind Opfer von Diskriminierung. So erhalten Kinder von Roma häufig keine ausreichende Bildung und ihre gesundheitliche Versorgung ist mangelhaft. Viele behinderte Kinder begegnen Vorurteilen oder einem Mangel an Aufmerksamkeit und werden regelmäßig von den Entscheidungen, die sie betreffen, ausgeschlossen.
  • Obwohl die EU eine der reichsten Gebiete der Erde ist, ist die Zahl der Kinder, die in Armut und sozialer Ausgrenzung leben, in einigen Mitgliedsländern in den letzten 20 Jahren gestiegen. Dabei sind es vor allem jüngere Kinder, die von einem höheren Armutsrisiko betroffen sind. Im Durchschnitt lebt eines von zehn Kindern in einem Haushalt ohne erwerbstätige Erwachsene.
EURONET plädiert mit dem Bericht für eine Aufnahme der Kinderrechte in die Grundsatz-Verträge der EU und - auf diesem Fundament - für die kohärente Entwicklung einer europäischen Kinderrechte-Politik. Als Instrumente fordert das Netzwerk ein ständiges Monitoring der Bedingungen, in denen Kinder leben, und einen europäischen Kinderrechtsbeauftragten.

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