Interview vom 19.03.2013Die EU-Jugendstrategie 2010 - 2018

"Jugendpolitik als Avantgarde-Politik"

Die Umsetzung der EU-Jugendstrategie in Deutschland geht voran. Drei Jahre nach ihrer Einführung stellt sich aber die Frage, wie die Kinder- und Jugendhilfe noch stärker europäisch ausgerichtet werden kann.

JUGEND für Europa sprach mit Stefania Benedicti, Koordinationsassistentin beim gemeinnützigen Verein „kein Abseits! e.V.“ in Berlin.

Frau Benedicti, was können Sie bislang mit der EU-Jugendstrategie anfangen? 

Eigentlich schon eine ganze Menge. Für mich ist die EU-Jugendstrategie eine wichtige politische Botschaft, die sowohl in allen Politikfeldern der EU als auch in der nationalen Politik der jeweiligen Mitgliedsstaaten vorangebracht werden sollte. So würden wir es jedenfalls am ehesten schaffen, eine zukunftsfähige europäische Gesellschaft mit zu begründen.

Haben Sie selbst schon an der Strategie mitgewirkt?

Als ich mein Praktikum beim BMFSFJ absolvierte, habe ich einen Einblick in die Umsetzung der EU-Jugendstrategie in Deutschland bekommen. Die Teilnahme an einer Sitzung der Bund-Länder-Arbeitsgruppe war spannend. Im Rahmen des Strukturierten Dialogs habe ich außerdem an der Konsultation „Orientierung¿-Los!“ vom Deutschen Bundesjugendring mitgewirkt. Thema: Übergänge Schule/Ausbildung – Beruf. Dieses Thema ist mir auch besonders wichtig. Für die Bund-Länder-Arbeitsgruppe ist es ebenfalls prioritär.

Ihr Verein realisiert seit 2011 Projekte, um die Chancengerechtigkeit und den Austausch zwischen verschiedenen Lebenswelten in Berlin zu fördern. Welche Rolle spielt da die Europäische Jugendstrategie?

Wir wollen gerne die europäische Dimension in unserem Projekt stärken. Dafür ist es wichtig, neue Ideen und Praxisbeispiele aus anderen Bundes- bzw. EU-Ländern kennenzulernen. Uns interessiert vor allem, wie das Lernfeld Europa für junge und sozial benachteiligte Menschen erschlossen werden kann.

Was macht die Arbeit von „kein Abseits! e.V.“ aus?

Wir realisieren unsere Projekte in Kooperation mit den Berliner Grundschulen. Unser Förderansatz umfasst die Methode des 1:1-Lernmentoring. Wir stellen verschiedene Berufsbilder vor. Eine wöchentliche Fußball-AG, die ich als Co-Trainerin betreue, gehört ebenfalls dazu. Insgesamt setzt sich „kein Abseits! e.V.“ für mehr Bildungsgerechtigkeit ein. Wir wollen dazu beitragen, dass junge Menschen sozial benachteiligter Herkunft wichtige und kostbare Impulse für eine gerechtere Zukunft bekommen – und eben nicht ins Abseits geraten.

Stichwort Europa: Was planen Sie für die Zukunft?

Im Bereich Europäisches Engagement stehen wir vor unseren ersten Erfahrungen. Im Sommer werden wir an einer durch „JUGEND in Aktion“ geförderten Jugendbegegnung zum Thema Unternehmertum und Kreativität gegen Jugendarbeitslosigkeit in Europa teilnehmen. Für das Netzwerk Berliner Kinderpatenschaften, in dem auch „kein Abseits! e.V“. vertreten ist, ist ein zweijähriges Grundtvig-Partnerschaftsprojekt (Erwachsenenbildung) zum Thema Patenschaften ab Herbst 2013 geplant. Neben der Vernetzung und dem Best-Practice-Austausch soll der Patenschaftsgedanke als besondere Form des bürgerschaftlichen Engagements gefördert werden.

Wie sehr betrifft Ihre Jugendlichen die gegenwärtige Diskussion um Europa?  

Wir stehen vor großen Herausforderungen. Ob zunehmende Jugendarbeitslosigkeit, die Verschärfung des Fachkräftemangels, die Ungleichstellung von Frauen und Männern in der Berufswelt, die Ungerechtigkeit bei Bildungs- und Berufschancen oder das Thema nachhaltige Entwicklung – wir wollen mithelfen, dass unsere Jugendlichen die von der EU geforderten Schlüsselkompetenzen für die Zukunft erwerben.

Haben Sie schon eine Idee, wie es mit der EU-Jugendstrategie ab 2018 weitergehen könnte?

Sie sollte auf jeden Fall das Ergebnis einer europaweiten Konsultation sein – und zwar durch einen Strukturierten Dialog „von unten nach oben“, der aus der aktuellen Strategie hervorgeht. Mehr Europa gibt es dann, wenn sich freie Träger der Kinder- und Jugendhilfe und Jugendliche europaweit möglichst frei beteiligen können. Eine Jugendpolitik als „Avantgarde“-Politik, das wäre mein Wunsch.

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Mehr Informationen zu „kein Abseits e.V.“ gibt es unter http://www.kein-abseits.de/.

(Das Interview führte Marco Heuer im Auftrag von JUGEND für Europa)

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