27.07.2010Kreativität und Kultur

Jugendkultur ist kein Einheitsbrei: Eine Studie untersuchte den Zugang Jugendlicher zur Kultur

Der Zugang zur Kultur geht weit über die Information zu und die Nutzung von kulturellen Produkten hinaus. "Zugang zur Kultur", das meint Spaß, die Möglichkeit, sich auszudrücken, die Umwelt zu gestalten und vor allem die Chance auf Persönlichkeitsentwicklung, zeigt eine aktuelle Studie im Rahmen von JUGEND IN AKTION.

via EACEA

Eine Studie der "Interarts Foundation" illustriert, dass die Wege, wie Jugendliche als Nutzer oder Akteure oder einfach als Teilnehmer Zugang zu Kultur finden, vielfältig sind und manchmal experimentell. Neben klassischen Informationswegen und Institutionen sind die modernen Kanäle der Jugendkultur oft dynamisch, informell und genießen häufig keine Anerkennung durch die übrige Öffentlichkeit.

Aber wer meint, die gegenwärtigen Jugendkulturtrends und die Jugendlichen in Europa seien sich inzwischen alle irgendwie ähnlich, der irrt. Jugendliche, so die Studie, sind keine homogene Gruppe und benötigen differenzierte, koordinierte und langfristige Strategien für die kulturelle Teilhabe. Es gibt Unterschiede zwischen Jugendlichen je nach städtischem oder ländlichem Umfeld, zwischen Jugendlichen in interaktiven, kosmopolitischen und differenzierten urbanen Umfeldern und Jugendlichen in homogeneren und geschlossenen urbanen Milieus. Es gibt außerdem Unterschiede zwischen Ländern, in welchen Jugendkultur mehr durch dien ‚Newcomer’ markiert ist, etwa durch Migrantinnen und Migranten, und Ländern, in denen kulturelle Traditionen lebendig sind.

Die Studie wurde im Rahmen der Aktion 5.2 von JUGEND IN AKTION von der Exekutivagentur Bildung, Audiovisuelles und Kultur (EACEA) in Auftrag gegeben. Sie wurde 2009 unter Beteiligung von Fachleuten aus den Mitgliedstaten, der Europäischen Kommission, Jugendorganisationen und Jugendlichen erstellt und bezieht alle kulturellen und artistischen Aktivitäten in den Bereichen Darstellende Kunst, Visuelle und Bildende Kunst, Musik, kulturelles Erbe, Architektur und Literatur ein. Die Hauptzielgruppe für die Studie waren Personen zwischen 15 und 24 Jahren; daneben Kinder von 12 bis 15 und junge Erwachsene von 24 bis 29 Jahren.

Die Autoren untersuchten gesetzliche Rahmenbedingungen, kulturelle Angebote und Möglichkeiten sowie öffentliche und private Akteure auf nationaler, regionaler und lokaler Ebene. Die Studie beschreibt gegenwärtige Trends der Jugendkultur in Europa, identifiziert Hindernisse junger Menschen im Zugang zu Kultur, benennt Studien und Statistiken und beschreibt erfolgreiche Beispiele aus unterschiedlichen Ländern.

Einige Ergebnisse:

  • Der Zugang Jugendlicher zur Kultur gewinnt zunehmend an Interesse auf allen entscheidenden politischen Ebenen (international, europäisch, national, regional und lokal). Neben den jüngsten Entwicklungen auf EU-Ebene richtet sich auch die Bildungs- und Kulturpolitik in den Mitgliedsstaaten mehr und mehr auf die Förderung kultureller Bildung und Kulturteilnahme aus.
  • Geld, Einstellungen, geographische Einschränkungen (Dichotomie zwischen urbanem und ländlichem Umfeld, Mangel an praktischen Zugangsmöglichkeiten wie Transportmittel), Zeit (zumindest nach dem Empfinden der Jugendlichen), soziales Umfeld sowie das Angebot selbst, das als nicht jugendgerecht empfunden wird, sind die Haupthindernisse für Jugendliche. Man kann feststellen, dass benachteiligte Jungendliche – zumindest nach eigener Einschätzung - auch weniger Möglichkeiten zur kulturellen Teilhabe haben.
  • Soziale Beziehungen, Familie, soziales Umfeld und Schule sind von essenzieller Bedeutung beim Aufbau des Zugangs zur Kultur für Jugendliche. Die Studie zeigt auch einen (positiven) Zusammenhang kultureller Bildung und kultureller Partizipation.
  • Das Wissen darüber, was die Jugendlichen selbst als wichtig erachten, wenn es um den Zugang zu Kultur und kulturellem Angebot geht, über kulturelle Angebote, Strukturen, Möglichkeiten und die Vorlieben und Erwartungen Jugendlicher ist gering und sollte weiter erforscht werden.
  • Im Allgemeinen kann man feststellen, dass sich Jugendliche weniger selbst künstlerisch betätigen als dass sie Kunst und Kultur konsumieren. Je jünger die Menschen, um so höher der Anteil eigener kultureller und künstlerischer Aktivitäten. Überraschenderweise ist laut Studie das Tanzen die häufigste Aktivität (29%) der 15 bis 24-jährigen.
Die Studie gibt daher am Ende auch Empfehlungen, wie der Zugang zur Kultur für Jugendliche verbessert werden kann. Dafür, so der Schluss, sollten vor allem Brücken zwischen Schule, Familie, Jugendarbeit und lokaler Community gebaut werden, für die auch die Jugendbehörden und Bildungsinstitutionen einbezogen werden müssten.

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