Jugendarbeitslosigkeit in Europa: Mismatch zwischen Markt und Mensch?

Eine Studie im Auftrag der Robert Bosch Stiftung untersucht Ursachen der Jugendarbeitslosigkeit und mögliche Abhilfen.

Die wichtigste Ursache für Jugendarbeitslosigkeit bleiben Defizite im Bildungs- und Ausbildungssystem. Zu diesem Schluss kommt eine Studie, welche das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) im Auftrag der Robert Bosch Stiftung erstellt hat. Die Studie zeigt, wie sich die Arbeitslosigkeit junger Menschen in Europa in den letzten Jahren entwickelt hat. Sie diagnostiziert die wichtigsten strukturellen Hürden beim Berufseinstieg und entwickelt daraus allgemeine Handlungsempfehlungen.

Im Fokus stehen südeuropäische Länder, in denen die jungen Menschen besonders unter Beschäftigungsproblemen leiden: Spanien, Italien und Portugal. Für die ländervergleichende empirische Analyse der Entwicklung der Jugendarbeitslosigkeit verwendet die Studie die Daten von Eurostat.

Für die Schwierigkeiten bei der Arbeitsmarktintegration von Jugendlichen sind natürlich mehrere strukturelle Faktoren bedeutsam. Dennoch bleibt das Risiko der Arbeitslosigkeit auch in der aktuellen Lage für Jugendliche mit höherer Bildung geringer. Schulabbrecher und gering qualifizierte Jugendliche tragen dagegen ein besonders hohes Risiko der Arbeitslosigkeit. „Für die nachhaltige Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit ist es deshalb fundamental“, schreiben die Forscherinnen und Forscher, „dafür zu sorgen, dass das Bildungssystem Jugendlichen vor dem Berufseinstieg ein Mindestmaß an Qualifikation und Kompetenzen vermittelt.“

Ein zweiter bedeutsamer Faktor zur Erklärung von Unterschieden im Niveau der Jugendarbeitslosigkeit zwischen den EU-Ländern sind die länderspezifischen Arbeitsmarktregelungen. Auch ineffektive aktive arbeitsmarktpolitische Instrumente können zur Jugendarbeitslosigkeit beitragen. Intensive Betreuung und Vermittlung scheint eine besonders effektive Form der Unterstützung von Jugendlichen zu sein. Trainingsmaßnahmen werden zwar häufig eingesetzt, verbessern aber nur bei guter Qualität – und insbesondere in Kombination mit betrieblichen Praxisphasen – die Beschäftigungsraten der geförderten Jugendlichen nachhaltig. Die ebenfalls häufig eingesetzten Lohnsubventionen sind nach den vorhandenen Erfahrungen vielfach nicht über die Dauer der Förderung hinaus wirksam.

Strategien zur Bekämpfung von Jugendarbeitslosigkeit müssen auf nationaler Ebene ausgearbeitet und umgesetzt werden, so ein Resümee der Studie. Es lassen sich jedoch wesentliche Elemente festhalten, die für alle europäischen Länder relevant sind:

  • Erstens leiden junge Erwachsene ganz besonders unter dem derzeitigen Versagen ihrer Länder, mehr und bessere Arbeitsplätze zu schaffen. Aus diesem Grund sind Strukturreformen unerlässlich, um die globale Wettbewerbsfähigkeit und die Dynamik der Entstehung zusätzlicher Jobs zu steigern.
  • Zweitens sind die Schwierigkeiten, die sowohl ungelernte als auch qualifizierte Jugendliche bei der Arbeitsmarktintegration haben, ein Ausdruck von qualifikatorischem Mismatch: Für einen Teil der Jugendlichen haben die Arbeitgeber schlicht keinen Bedarf. Die Bekämpfung solcher Ungleichgewichte erfordert eine Modernisierung der Bildungs- und Ausbildungssysteme.
  • Drittens können einzelne aktive arbeitsmarktpolitische Instrumente wirksam dazu beitragen, junge Menschen in den Arbeitsmarkt zu integrieren.
  • Viertens entfalten auf die Veränderung von Strukturen zielende wirtschafts-, arbeitsmarkt- und bildungspolitische Strategien zur Vermeidung von Jugendarbeitslosigkeit ihre Wirkung nur langsam, so dass als Ergänzung kurzfristige Entlastungsmaßnahmen erforderlich sind.
  • Fünftens setzen erfolgreiche Strategien zur Jugendbeschäftigung die Beteiligung aller relevanten Stakeholder voraus – einschließlich der jungen Menschen selbst. Teil der Herausforderung ist die Strukturierung und Koordination der Aktivitäten von Arbeitgebern, Tarifpartnern, Fallmanagern, Bildungseinrichtungen usw. Regierungen müssen bei der Koordinierung und Finanzierung von partnerschaftlichen Handlungsmodellen die Führungsrolle übernehmen. Dieser Prozess könnte durch Nichtregierungsorganisationen unterstützt werden, die als Vermittler und Moderatoren agieren.

Leise Kritik üben die Forscher an einer generellen „Jugendgarantie“: „Stattdessen sind Individualisierung und die Konzentration auf qualitativ hochwertige Instrumente, die innerhalb lokaler Strukturen umgesetzt werden, entscheidende Erfolgsfaktoren, die allzu leicht verloren gehen können, wenn aktive arbeitsmarktpolitische Maßnahmen zu schnell und zu umfassend ausgedehnt werden.“

(Quelle: JUGEND für Europa)

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